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Forscher: Schädelfund widerlegt frühmenschliche Artenvielfalt

Washington/Zürich Forscher: Schädelfund widerlegt frühmenschliche Artenvielfalt

Die menschliche Artenvielfalt vor etwa zwei Millionen Jahren könnte nach einer neuen Studie viel kleiner gewesen sein als bislang angenommen.

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Im georgischen Dmanisi gefundener Schädel eines Frühmenschen. Foto: Georgian National Museum

Washington. Die menschliche Artenvielfalt vor etwa zwei Millionen Jahren könnte nach einer neuen Studie viel kleiner gewesen sein als bislang angenommen. Das schließen Schweizer Forscher aus dem Fund des intakten Schädels eines Frühmenschen im georgischen Dmanisi.

Sie berichten darüber in der US-Fachzeitschrift „Science“.

Es handelt sich demnach um den fünften Schädel eines Frühmenschen, der in der Nähe von Dmanisi entdeckt worden war. Die fünfköpfige Gruppe lebte dort vor über 1,8 Millionen Jahren. Ihre Entdeckung sei eine wissenschaftliche Sensation, berichtete der Anthropologe Christoph Zollikofer von der Universität Zürich.

Das Aussehen des fünften Schädels machte die Wissenschaftler stutzig. Die Kombination aus einem langen Gesicht, großen Zähnen und einem eher kleinen Gehirnschädel war den Angaben zufolge bisher von keinem anderen Fossilienfund bekannt und unterscheidet sich auch von den anderen Gruppenmitgliedern mit eher kleineren Gesichtern.

Der Schädel vereint laut Zollikofer damit Merkmale, die bisher verschiedene Arten von Frühmenschen zugeordnet worden waren. Oft hätten die Forscher aber nur Bruchstücke entdeckt und analysiert, meint der Anthropologe: „Wären Hirn- und Gesichtsschädel des Dmanisi-Exemplars als Einzelteile gefunden worden, wären sie mit großer Wahrscheinlichkeit zwei verschiedenen Arten zugeordnet worden.“

Es gäbe Forscher, die von bis zu fünf gleichzeitig existierenden Spezies in Afrika ausgingen, darunter etwa Homo habilis, Homo rudolfensis und Homo erectus. Dagegen glaubt Zollikofer aufgrund des neuen Fundes: Es könnte sich bei diesen Frühmenschen um Vertreter ein und der selben Art handeln - namens Homo erectus.

Vielfalt innerhalb einer Art, so der Wissenschaftler, sei die Regel und nicht die Ausnahme. Die fünf Dmanisi-Individuen unterscheiden sich Zollikofer zufolge tatsächlich stark voneinander, „aber auch nicht mehr als fünf beliebige Menschen oder fünf beliebige Schimpansen aus einer modernen Population“.

Der Studie zufolge könnte Homo erectus vor etwa zwei Millionen Jahren in Afrika entstanden sein und sich bald danach über Eurasien - auch über Dmanisi - bis nach China und Java ausgebreitet haben, wo er ab etwa 1,2 Millionen Jahren nachgewiesen ist. Homo erectus sei somit der erste „Global Player“ der menschlichen Evolution.

dpa

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