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Panorama Jürgen Marcus mit 69 Jahren gestorben
Nachrichten Panorama Jürgen Marcus mit 69 Jahren gestorben
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11:21 29.05.2018
Der Sänger Jürgen Marcus ist im Alter von 69 Jahren in München gestorben. Quelle: dpa
München

Er sang positiv, mit dramatischer Geste, lockerem Hüftschwung, als tanzten ihm Glücksperlen auf den Stimmbändern. Forderte die Fans auf, mit ihm „auf die Sonnenseite der Straße“ zu kommen, fand den „Engel, der mich liebt“ und war zumindest moralischer Gewinner im „Grand Prix d’Amour“, wenn er mit dem Lied auch in der Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 1974 scheiterte.

Und während andere „Schlagerheinis“ wie Rex Gildo oder Roy Black zeitlebens an ihrer Verbindung mit der leichtesten aller Musen litten, war Jürgen Marcus der Schlager, den er machte, nie peinlich. 2012 zog er sich aufgrund einer Erkrankung an COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) zurück. 2017 verkündete sein Lebensgefährte Nikolaus Fischer Marcus‘ endgültigen Rückzug von der Bühne. Eine Woche vor seinem 70. Geburtstag wurde nun bekannt, dass Marcus Mitte Mai verstorben ist.

Der Tod macht auch vor bekannten Persönlichkeiten nicht halt: Diese Prominenten sind 2018 schon gestorben.

Dabei begann auch der 1948 als Jürgen Beumer im westfälischen Herne geborene Marcus mit dem Sound von Beatles, Searchers und Co. Er heimste Ende der Sechzigerjahre diverse Beat-Preise ein und wurde 1969 als Landei Claude Bukowski in einer deutschen Inszenierung des Musicals „Hair“ besetzt. Zu Recht. Denn ebenso wichtig wie die Musik waren bei Jürgen Marcus stets die Haare. Seine legendäre, duftige Fönwelle war die ultimative Siebzigerjahre-Schlagerstar-Frisur, ein Schnitt der sich bald auf vielen Köpfen wiederfand.

Die Karriere begann mit einem Simon-&-Garfunkel-Hit

Produzent Jack White brachte Jürgen Marcus zum Schlager. Seine ersten Singles waren noch verbunden mit der angloamerikanischen und britischen Popmusik. „Nur du“ war 1970 eine Coverversion von Simon & Garfunkels Hit „El Condor Pasa“ und „Warum kann ich deine Liebe nicht vergessen“ 1971 ein deutscher Versuch an der Ballade „Massachusetts“ von den Bee Gees. 1972 ging sein Stern auf. Mit „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ landete er einen veritablen Sommerhit (Nummer zwei in den Charts), den Winter 1972/73 fegte er mit dem „Festival der Liebe“ hinaus.

Schlagersänger Jürgen Marcus („Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“) ist tot. Er starb Mitte Mai im Alter von 69 Jahren in München. Bilder seiner Karriere.

Auch wenn es mal nachdenklicher wurde wie in „Schmetterlinge können nicht weinen“, war Marcus immer auf der „Kopf hoch“-Straße. Botschaft: Das Leben ist schön, auf Regen folgt Sonne, du schaffst das schon. Ein gut gelaunter Typ mit strahlendem Lächeln und bunten Samtanzügen, den Dieter Thomas Heck stolze 36 Mal in seine „ZDF Hitparade“ holte.

Nachdem er auch 1975 mit „Ein Lied zieht hinaus in die Welt“ beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest unterlag (gegen Joy Fleming), ging er im Jahr darauf mit dem französischsprachigen Lied „Chansons pour ceux, qui s’aiment“ ins Rennen für Luxemburg. Platz 14 – null Punkte aus der übel nehmenden Heimat.

Mit dem Hochschwappen der Neuen Deutschen Welle endeten die Hits

23 Singles veröffentlichte er mit White, bis sich die Wege der beiden 1979 trennten. Damit endete zugleich die Erfolgsserie. Einziger Nachzügler war 1981 noch „Engel der Nacht“, eine Single, die nicht über Platz 31 hinauskam. Die Neue Deutsche Welle schwappte hoch und schnitt die Hitsträhnen auch der meisten Kollegen von Jürgen Marcus ab.

Als Anfang der Neunzigerjahre das Schlagerrevival ausgerufen wurde, wurden seine Oldies dann wieder auf Partys aufgelegt. Comebackversuche mit neuem Material, die er bis ins Jahr 2011 unternahm, blieben dagegen kommerziell erfolglos. 1991 outete Marcus sich als schwul, seit 1995 lebte er mit seiner großen Liebe, seinem Manager Nikolaus Fischer, zusammen in München.

Marcus’ Lieder werden noch manchen Partysommer befeuern

„Schweren Herzens gebe ich bekannt, dass Jürgen Marcus den Kampf gegen die chronische Lungenkrankheit COPD verloren hat“, sagte Fischer jetzt der Deutschen Presse-Agentur. Er sei in der gemeinsamen Wohnung gestorben. „Es war sein ausdrücklicher Wunsch, in aller Stille beigesetzt zu werden“, teilte Fischer weiter mit und bat um Respekt für diese Entscheidung.

Marcus‘ Lieder bleiben erhalten, passen perfekt in die heißen Maitage und werden – nicht zuletzt auch in den liebevollen Persiflagen von Dieter Thomas Kuhn – noch so manchen Partysommer befeuern.

Von Matthias Halbig / RND