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Panorama Erneut Patient am falschen Bein operiert – zweiter Fall in einem Jahr
Nachrichten Panorama Erneut Patient am falschen Bein operiert – zweiter Fall in einem Jahr
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11:28 26.11.2018
In einem Klinikum in Schaumburg ist es zu einem schweren Fehler gekommen. Quelle: dpa
Schaumburg

Weder das Geschlecht, noch die Art des Eingriffs sind deshalb bekannt. Das Klinikum sei aber „mit dem/der Betroffenen im Einvernehmen“. Es ist bereits der zweite derartige Fehler in 2018. Im März dieses Jahres war es im Klinikum zu einem ähnlichen Vorfall gekommen.

Der zum Jahresende ausscheidende Geschäftsführer Achim Rogge hatte damals erklärt, am Krankenhaus gebe es eine sogenannte „RISK-List“. Diese sei vergleichbar mit der Checkliste von Piloten vor einem Flug. „Diese Maßnahmen machen eine Seitenverwechslung eigentlich unmöglich.“ Wie es nun schon zum zweiten Mal zu einem solchen Fehler kommen konnte, wollte Sprecherin Bernard „auch aus Gründen der Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeitenden“ nicht beantworten.

Nach Informationen der Schaumburger Nachrichten hapert es in vielen deutschen Krankenhäusern bei der Umsetzung dieser „RISK-List“. Sie wird von Mitarbeitern oft als reine Fleißaufgabe betrachtet. Dabei kann diese von der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgearbeitete – und international angewandte – Sicherheitsmaßnahme derart gravierende Fehler beinahe zur Gänze ausschließen.

Kommt es öfter zu Verwechslungen?

Experten gehen davon aus, dass Verwechslungen bei Operationen durchaus nicht selten vorkommen. In den meisten Fällen werde dies aber nicht öffentlich bekannt. Auch weil die Krankenhäuser beziehungsweise die Ärzte sich außergerichtlich mit den Betroffenen einigen und Stillschweigen vereinbaren.

Zwei derartige Fehler in nur einem Jahr: Das klingt zunächst fatal. Doch wie schneidet das Schaumburger Klinikum im Vergleich ab? Erstaunlicherweise gibt es keinerlei Meldepflicht für Fehlbehandlungen im Krankenhaus – und damit keine verlässlichen Zahlen.

Etwas Licht ins Dunkel kann Dr. Max Skorning vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen bringen. Er ist der Leiter des Stabsbereichs Qualität und Patientensicherheit.

Patienten müssen Fehler melden

Für das Jahr 2017 zählten die Krankenkassen nach seinen Angaben sechs Operationen am falschen Körperteil. „Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs“, betont Skorning. Da die Krankenhäuser nicht verpflichtet sind, Fehlbehandlungen zu melden, sei man auf Meldungen der Patienten angewiesen. Der Wert sei daher nicht repräsentativ.

Der Experte geht von einer „zumindest dreistelligen“ Zahl aus. „Schön wäre es aber, richtige Zahlen zu haben.“ Eine Meldepflicht gibt es dagegen in England. Dort wurden zuletzt im Laufe eines Jahres 189 Operationen am falschen Körperteil gemeldet.

Dabei sei, das betont Skorning immer wieder, eine derartige Verwechslung eigentlich leicht zu verhindern. „Solche Ereignisse nennen wir ,NEVER-Events‘“. Übersetzt also Situationen, die niemals stattfinden dürfen. Treten entsprechende Fehler dennoch auf und dann auch noch mehrfach in einer Klinik, „dann stimmt etwas im Prozess nicht“, so Skorning.

Passiert so etwas in jeder Klinik?

Er kennt auch die Probleme, die dazu führen, dass die vorgeschriebenen Checklisten ignoriert würden. „Die Leute fühlen sich gegängelt. Sie sagen sich, ,das weiß ich doch alles, das brauche ich als erfahrener Arzt nicht‘.“ Und Pfleger fühlten sich vielleicht gehemmt, einen Arzt von der Operation abzuhalten.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen fordert seit Jahren, ein zentrales Melderegister für Fehlbehandlungen. „Ohne Zahlen wissen wir auch nicht, ob wir besser werden“, so Skorning. 2016 sei die OP-Checkliste verpflichtend eingeführt worden. Ob sie eingehalten wird, und ob dadurch OP-Fehler verhindert werden, wisse aber niemand genau, da keine bundesweiten Zahlen vorliegen.

Skorning geht aber davon aus, dass es in jedem Krankenhaus irgendwann mal zu einem „NEVER-Event“ kommt. Das würden auch Ärzte und Pfleger bestätigen, die langjährig im Krankenhausbetrieb arbeiten. „Aber die meisten dieser Fälle werden ohne uns geregelt.“

Dabei hätten Studien gezeigt, dass die Checkliste „sagenhafte Erfolge“ für die Patientensicherheit bringe.

Anmerkung: In einer früheren Version entstand durch die Überschrift der Eindruck, es handele sich um einen Patienten. Dies ist aber nicht der Fall. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Von RND/jak

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