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Panorama Amerika erschüttert über Amoklauf an Highschool
Nachrichten Panorama Amerika erschüttert über Amoklauf an Highschool
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10:41 19.02.2018
Die Polizei evakuierte die Schüler am Mittwoch vom Gelände der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland/Florida. Quelle: AP
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Parkland

„Wenn ich es nicht schaffe, sollt ihr wissen, dass ich euch liebe und euch für alles danke, was ihr für mich getan habt.“ Sarah Crescitelli schreibt ihren Eltern diese erschütternden Zeilen per Kurznachricht, als in ihrer Schule wild geschossen wird.

Ausgerechnet am Valentinstag, dem Tag der Liebe, an dem sich die Schüler gegenseitig mit kleinen Geschenken überraschen, erlebt Amerika eines seiner schwersten Schulmassaker. 17 Menschen sterben im Kugelhagel, mehrere Verletzte sind in einem kritischen Zustand.

Der Täter ließ sich von der Polizei verhaften

Mit einem halbautomatischen Sturmgewehr stürmte der Amokläufer in die Highschool von Parkland unweit von Fort Lauderdale und schoss wahllos um sich. Der 19-Jährige, der früher selbst die Highschool besuchte, schoss in mehrere Klassenräume, bevor er flüchtete, sich zeitweise in einem Krankenhaus unter die Patienten mischte und später von der Polizei gefasst wurde.

Der Schütze schoss gezielt auf Flüchtende

Sheriff Scott Israel spricht von erschütternden Szenen, die sich auf dem Schulgelände der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland abspielten. Nikolas C. habe mit einem Sturmgewehr des Typs AR-15 das Schulgelände betreten, sei schießend von einem Klassenraum zum nächsten gelaufen und habe gezielt Flüchtende ins Visier genommen.

Bereits wenige Momente nachdem der Attentäter den ersten Schuss abgegeben hatte, sei „Alarmstufe rot“ ausgelöst worden. Mehrere Lehrer und Schüler hätten sofort ihre Klassenräume verriegelt. Doch manche waren offenbar nicht schnell genug.

„In unserem Nachbarraum hörte ich dieses schreckliche pop-pop, pop-pop“, sagt die 14-jährige Hannah Siren. Gegenüber einem lokalen Fernsehsender beschreibt sie die fürchterlichen Momente: „Ich saß im Mathe-Raum im dritten Stock. Aber die Leute neben uns hatten wohl ihre Tür nicht verschlossen.“ Dann bricht die Schülerin in Tränen aus. „Auf alle wurde geschossen.“

Schüler versteckten sich auf Toiletten

Auch der Schüler Andy Pedroza erzählt seine Erlebnisse mit einer fast tränenerstickten Stimme: „Irgendwie habe ich instinktiv gehandelt. Ich bin auf die Toilette gerannt und habe mich eingeschlossen. Ich habe mich in der Ecke versteckt und mich nicht bewegt.“

Nach etwa 20 Minuten habe er die Polizei gehört und die Tür geöffnet. Dann sei er auf einen Uniformierten gestoßen, der laut zu ihm gerufen habe: „Lauf, Junge, lauf!“

Schüler, Lehrer und Eltern unter den Toten und Verletzten

Wie Sheriff Israel berichtet, seien unter den Toten und Verletzten sowohl Schüler, Lehrer als auch einige Eltern. Auch der Schuldirektor sei getroffen worden. Der Täter flüchtete zunächst, leistete bei seiner Festnahme aber keinerlei Widerstand.

Laut Senator Bill Nelson hatte Nikolas C. seine Tat offenbar genau geplant: Als er das Schulgebäude erreichte, warf er mehrere Rauchbomben, löste den Feueralarm aus und schützte sich selbst mit einer Rauchschutzmaske.

Als die ersten Schüler und Lehrer aus den Klassenräumen flohen, eröffnete er mit seinem halbautomatischen Gewehr das Feuer.

Wie Nelson berichtet, soll der Täter mehrere Magazine verschossen haben.

Politiker regen neue Gesetzgebung im Kongress an

Unmittelbar nach dem Verbrechen meldete sich Donald Trump in Washington zu Wort: „Ich bete für die Opfer der schrecklichen Schießerei. Kein Schüler, kein Lehrer oder sonst jemand darf sich so unsicher an einer amerikanischen Schule fühlen.“ Für Donnerstagabend kündigte der Präsident eine weitere Erklärung zur Bluttat an.

Die frühere Kongressabgeordnete Gabrielle Griffords wirft der Regierung dagegen völliges Versagen vor. Der Politikerin der Demokratischen Partei war 2011 bei einem Attentat in den Kopf geschossen worden. Griffords betont, dass es in Amerika fast täglich einen Vorfall gebe, bei dem ein Mensch durch eine Schusswaffe tödlich getroffen werde: „Hoffentlich bringt der Kongress endlich die Kraft auf, Gesetze zu erlassen, um unsere Kinder besser zu schützen.“

Hohe Zahl an Vorfällen im Jahr 2018

Auch Senator Christopfer Murphy geht angesichts des Amoklaufs mit Washington hart ins Gericht: „Wir erleben eine Epidemie an Massentötungen. Diese Verbrechen geschehen nicht aus Versehen oder zufällig, sondern als Konsequenz unserer Untätigkeit.“

Es sei längst überfällig, die Waffengesetze in den Vereinigten Staaten zu verschärfen. Allein in den ersten fünf Wochen des neuen Jahres habe es in Amerika 19 Vorfälle mit Schusswaffen an Schulen gegeben. Murphy vertritt im Senat den Bundesstaat Connecticut, in dem es im Dezember 2012 zum Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School kam, bei dem 28 Menschen ihr Leben verloren, unter ihnen 20 Kinder.

Gerade erst vor vier Monaten hatte das Attentat auf ein Musikfestival in Las Vegas das Land erschüttert, bei dem 58 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt wurden. Ein Jahr zuvor wurde ein Nachtclub in Orlando von einem Einzeltäter überfallen, der 49 Besucher tötete.

Von RND/Stefan Koch

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