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Panorama Schutzgebiete kosten weltweit viel weniger als Softdrinks
Nachrichten Panorama Schutzgebiete kosten weltweit viel weniger als Softdrinks
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11:46 12.10.2012
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Washington

Umgerechnet 60 Milliarden Euro jährlich - so viel würde es nach einer Studie kosten, bestehende Naturschutzgebiete auf der ganzen Welt zu erhalten und neue einzurichten.

Auf den ersten Blick wirkt diese Summe gigantisch. Doch sie entspricht weniger als 20 Prozent der weltweiten Ausgaben für Erfrischungsgetränke, wie eine internationale Forschergruppe im Fachjournal „Science“ berichtet. Es sei zudem nur ein winziger Bruchteil des Werts, den die Arten und Lebensräume einbrächten.

Vor zwei Jahren hatte sich die internationale Staatengemeinschaft auf 20 Ziele geeinigt, um bis 2020 den Rückgang der Biodiversität zu stoppen. „Man hat aber offen gelassen, wie das finanziert werden soll. Deshalb weiß keiner, wie viel das kosten wird“, erläuterte der Biologe Martin Schaefer von der Universität Freiburg. Mit der Untersuchung wollen er und seine Kollegen den Regierungen nun Zahlen an die Hand geben.

Als Grundlage dafür nahmen die Forscher Daten zu Vögeln. Sie befragten Experten, wie viel Geld für den Schutz bestimmter bedrohter Arten ausgegeben wird und wie viel notwendig wäre, um diese eine Gefährdungskategorie niedriger auf der internationalen Roten Liste ansiedeln zu können. Daraus entstanden verschiedene mathematische Modelle, mit denen die Experten die Angaben hochrechnen konnten.

Demnach müsste die Weltgemeinschaft jährlich bis zu 1,2 Milliarden Dollar (etwa 930 Millionen Euro) in den Vogelschutz investieren. „Tatsächlich werden aber nur 12 Prozent dieser Summe ausgegeben“, sagte Schaefer. Für den Schutz bedrohter Tiere insgesamt schätzen die Forscher die Kosten auf bis zu 4,8 Milliarden Dollar (etwa 3,7 Milliarden Euro) jährlich. Außerdem berechneten sie die Kosten für den Erhalt und die Erschaffung ganzer Schutzgebiete. Hier müssten der Studie zufolge 76,1 Milliarden Dollar (etwa 59,1 Milliarden Euro) im Jahr investiert werden.

„Unsere Analyse zeigt, dass vor allem die reichen Länder mehr machen müssen“, sagte Schaefer. Denn der Großteil der schützenswerten Arten und Gebiete befinde sich in den ärmeren Ländern, die jedoch die benötigten Summen nicht aufwenden könnten. Die Studie ergab außerdem, dass sich die Situation von besonders bedrohten Arten mit wenig Aufwand verbessern lässt, da diese meist nur über kleine Gebiete verteilt sind.

Umso länger die Staaten mit der Umsetzung der Biodiversitätsziele warteten, umso stärker stiegen die Kosten, folgern die Forscher im „Science“-Aufsatz. Ihre Studie verstehen sie deshalb auch als Appell an die Weltgemeinschaft, die auf einer Konferenz im indischen Hyderabad noch bis zum 19. Oktober über den Erhalt der biologischen Vielfalt berät.

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