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12:12 20.08.2017
Barfußläufer Aldo Berti vor dem Kloster in Einsiedeln (Schweiz). Quelle: Urs Flueeler
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Einsiedeln

Nach einem Gewaltmarsch auf nackten Füßen über mehr als 2000 Kilometer ist Barfußläufer Aldo Berti erschöpft aber glücklich am Kloster Einsiedeln in der Schweiz eingetroffen. Am letzten Tag ließ er es langsam gehen, wie er der Deutschen Presse-Agentur beim Eintreffen auf dem Klosterplatz telefonisch berichtete.

„So ist Ruhe in mich eingekehrt“, sagt der 53-Jährige. Er habe öfter gezweifelt, ob er es überhaupt schaffe. Deshalb sei er zwar erschöpft, aber zufrieden: „Ab und zu kommt fast eine Träne.“ Am Sonntag war ein größeres Empfangsfest in Einsiedeln geplant.

Der Psychotherapeut aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald war im Mai in Sassnitz auf Rügen losgegangen, mit dem Ziel, den Weltrekord des Iren Eamon Keavenen im Barfußlaufen zu übetreffen. Der war 2016 in 104 Tagen 2080 Kilometer gelaufen. Den 2081. Kilometer habe er am Donnerstag in Sirnach rund 50 Kilometer südlich von Konstanz angetreten, berichtet Berti. Seine Gesamtstrecke liege bei mehr als 2110 Kilometern. Er habe seine Wanderung mit GPS-Daten aufgezeichnet - Schummeln gehe dabei nicht.

„Barfußgehen und Barfußlaufen sind die natürlichsten Formen der Fortbewegung des Menschen“, sagte der frühere Leitathlet und Orthopäde Thomas Wessinghage dem Schweizer Magazin „Bergzeit“. Ungeübte müssten ihre Füße aber langsam daran gewöhnen, um die Haut wiederstandfähig zu machen und Muskeln aufzubauen.

Barfußlaufen geht ins Genick: Der Blick müsse immer auf den Boden gerichtet sein, sagt Berti, „man muss ja sehen, wo man hintritt.“ Dennoch habe er sich immer wieder verletzt, und sich an manchen Tagen auf heißem Asphalt Brandblasen zugezogen. Einsiedeln erreichte er mit einigen tief sitzenden Splittern, ein paar Blasen, Wunden und Schrunden und einer ziemlich dünngewordenen Lederhaut.

Kommende Woche sei zu Hause Ausruhen mit der Familie angesagt. Die Füße werde er aber nicht nur hochlegen: „Die Füße haben schon den Anspruch, sich zu bewegen.“ Für Berti sind kleine Spaziergänge mit dem Hund, „nur zehn Kilometer“, pure Erholung. Vor allem, weil er dann Schuhe trage: „Ich will mal wieder aufschauen.“

Berti hat mit der Tour Spenden für hilfsbedürftige Kinder gesammelt. Er rechne damit, dass mindestens 10 000 Euro zusammengekommen seien, sagte er. Der Gedanke an die Kinder habe ihn in schweren Stunden getragen, sagt er, und an seine beiden Enkel, die er nicht habe enttäuschen wollen. „In der Euphorie der Planung macht man sich keine Vorstellung, wie schwer so etwas in Wirklichkeit ist.“

Berti war meist allein unterwegs, mit einem 14 Kilogramm schweren Rucksack. Die Kleidung haber er unterwegs selbst gewaschen. Für die Füße war ein Enzymspray im Gepäck, das den Stoffwechsel anregt, sagt er. Nach der Euphorie des Planens und dem Tal der Realität packte ihn am Samstag die Euphorie des Erfolgs: „Ich könnte eigentlich schon wieder loslaufen“, sagte er. Vielleicht nehme er im kommenden Jahr an einem Marathon in Hamburg teil. Barfuß, versteht sich.

dpa

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