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Stars Belgiens König Albert dankt ab
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11:51 04.07.2013
König Albert II. gilt als amtsmüde. Foto: Urs Flueeler
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Brüssel

Nun gibt der sechste König der Belgier kurz vor seinem 20-jährigen Thronjubiläum das Amt zugunsten seines Sohnes Philippe auf.

Sichtlich bewegt wandte sich der König per Fernsehansprache an die Nation: „Mein Alter und meine Gesundheit erlauben mir nicht mehr, meine Funktion so auszuüben wie ich es möchte.“ Er wolle nicht um jeden Preis am Thron festhalten, ohne seine Rolle ganz ausfüllen zu können. Der König las seine Rede, im Palast stehend, von einem Blatt ab. Die nur sieben Minuten lange Ansprache wurde von der Nationalhymne umrahmt. Am Ende ließ der Monarch Belgien hochleben: „Es lebe Belgien. Viva la Belgique.“

Es ist das erste Mal in der Geschichte Belgiens, dass ein Regent ganz aus freien Stücken abdankt. In der konstitutionellen Monarchie des 21. Jahrhunderts hat der „König der Belgier“, wie er in den drei Amtssprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch genannt wird, vor allem repräsentative Aufgaben. Als Symbolfigur kommt dem König in dem zerrissenen Land aber eine viel größere Aufgabe zu, nämlich die Spaltung zu verhindern. Belgien driftet seit seiner Gründung 1830 durch den Streit zwischen Niederländisch sprechenden Flamen und französischsprachigen Wallonen auseinander.

Als eine von Alberts größten Leistungen gilt seine Rolle in der Staatskrise nach den Wahlen 2010. Der Monarch, der in Karikaturen der Zeitung „Le Soir“ gerne im Bademantel dargestellt wird, spielte dabei eine entscheidende politische Rolle. Er war ein steter Vermittler und erteilte den Politikern Aufträge zur Krisenbewältigung. Es dauerte eineinhalb Jahren - so lange wie bis dahin in keinem anderen Land der Welt - dann war eine neue Regierung gefunden. Damit verschaffte sich König Albert viel Respekt.

Doch zuletzt mehrten sich Affären um die royale Familie. Anfang dieses Jahres geriet die greise Exkönigin Fabiola (85) in die Schlagzeilen. Wegen der Gründung einer Familienstiftung zugunsten angeblich bedürftiger Neffen wurde ihr vorgeworfen, Steuergelder zweckentfremdet zu haben.

Als Konsequenz musste das Königshaus kürzertreten. Die Parteien beschlossen Abstriche bei den Unterhaltszahlungen von rund 14,3 Millionen Euro, die die Königsfamilie jährlich bekommt. Und dann verklagte auch noch Alberts angeblich uneheliche Tochter Delphine Boël (45) den König auf einen DNA-Test.

Anders als sein Bruder König Baudouin galt Albert immer als lockerer Typ. Flotte Motorräder, Autos und die Frauen hatten es ihm angetan, was ihm den Spitznamen „Prinz Leichtfuß“ eintrug. Für den Thron war er nicht vorgesehen, doch als sein kinderloser Bruder König Baudouin 1993 plötzlich an Herzversagen starb, musste Albert einspringen. Am Anfang hatte der König es schwer, aus dem Schatten des beliebten Bruders zu treten, er galt als „Übergangskönig“.

„Bei seiner Geburt war Prinz Albert nicht dazu bestimmt, König zu werden“, sagte Belgiens Premierminister Elio Di Rupo. „Aber mit seinem Enthusiasmus, seinem Mitgefühl, seinem Humor und seiner Intelligenz ist er es voll und ganz geworden.“ Der König habe die Herzen der Belgier gewonnen.

Das Volk mag den lebensnahen Monarchen, gerade weil ihm nichts Menschliches fremd ist. Seine Ehekrise sprach Albert II. 1999 freimütig in seiner traditionellen Neujahrsrede an. Und er ermutigte alle Ehepaare, aus Fehlern zu lernen - so wie er es getan habe. Die Belgier werteten dies als stillschweigendes Eingeständnis der Affäre mit einer Adeligen. Aus dieser Liaison soll seine uneheliche Tochter Delphine stammen.

Der Monarch gilt als jovial und humorvoll. Auch Alberts Frau, die süditalienische Prinzessin Paola Ruffo di Calabria, wirkt stets lebenslustig. Sie geriet in den wilden 60er Jahren durch eine enge Beziehung zum Schlagersänger Salvatore Adamo („Dolce Paola“) in die Schlagzeilen. Inzwischen ist sie als Landesmutter aber anerkannt. Das Paar bekam drei Kinder: Philippe (1960), Astrid (1962) und Laurent (1963).

Kronprinz Philippe wird nun neuer König Belgiens. Wie bei seinem Vater damals auch gibt es Zweifel, ob der 53-Jährige ein würdiger Nachfolger sein kann. In der Öffentlichkeit erscheint Philippe oft steifer als sein Vater. In der Online-Ausgabe der Zeitung „Le Soir“ hieß es, Philippe sei chronisch schüchtern und abhängig von seinen Beratern. Das Blatt „La Libre“ schrieb hingegen, Philippe habe an Selbstbewusstsein gewonnen. Der Prinz sei als Vater von vier Kindern ein liebevoller Familienmensch. Der König selbst warb für seinen Sohn: „Prinz Philippe ist auf die Nachfolge gut vorbereitet und hat gemeinsam mit Prinzessin Mathilde mein volles Vertrauen.“

dpa

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