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00:00 14.12.2012
"Türkisch für Anfänger"-Star Josefine Preuß verkörperte die Lena aus der hochgelobten ARD-Serie von 2006 bis 2008. Quelle: ARD / Hardy Spitz

Dennoch ist es ein großer Schritt zu jenem Job, den Josefine Preuß nun für "Das Adlon. Eine Familiensaga" (So., 06., Mo., 07., und Mi., 09.01., 20.15 Uhr) abzuliefern hatte. Im opulenten ZDF-Dreiteiler von Regisseur Uli Edel ("Der Baader Meinhof Komplex") spielt Preuß die fiktive Sonja Schadt, welche den 270-Minuten-Film und ein langes Stück deutsche Geschichte durch ihr Leben zusammenhält. Eine Spanne von etwa 40 Lebensjahren sollte der Teenie- und Jugendstar überzeugend vor die Kamera bringen - da rennt einem der Puls schon mal davon. Ein Gespräch mit Josefine Preuß über die Kunst der Maske, ihre Freude an den verruchten Zwanzigern und eine seltsame Lust aufs Alter.

teleschau: In einem Mehrteiler mit großem Starensemble spielen Sie die eigentliche Hauptfigur. Hatten Sie Muffensausen?

Josefine Preuß: Ja, total. Der Produzent Oliver Berben hatte mir die Drehbücher geschickt mit der Bitte, ich solle sie bis Montag mal durchlesen. Er verriet mir allerdings nicht, worum es geht. Auch nicht, welche Rolle ich lesen soll. Ich habe also das erste Mal in meinem Leben sehr objektiv ein Drehbuch gelesen und dachte: Wow, was für eine Geschichte! An jenem Montag rief ich meine Agentin an und fragte sie, um welche Rolle es eigentlich geht. Da erst erfuhr ich, dass ich Sonja Schadt spielen soll, die mit ihrem langen Leben den ganzen Plot zusammenhält - und war total geplättet.

teleschau: Sie mussten also nicht mehr zum Casting?

Preuß: Nein, Oliver Berben und Regisseur Uli Edel wollten mich, ich konnte es kaum glauben. Wir machten dann nur noch Maskentests, um zu sehen, in welchem Lebensalter ich die Rolle noch glaubhaft spielen konnte. Wir landeten schließlich bei 55 Jahren. Bis dahin hat es die Maske hergegeben (lacht).

teleschau: Alle Schauspieler im Film sind voll des Lobes über Regisseur Uli Edel. Was macht ihn aus?

Preuß: Er ist ein absoluter Fachmann und ein Schauspielerregisseur. Er achtet darauf, dass sich alle Leute am Set wohlfühlen. Dazu liebt er Frauen vor der Kamera. Er sagt immer: Frauen müssen bei mir alle wie Göttinnen aussehen. Wenn die Maske nicht perfekt ist, schickt er uns noch mal zurück, damit wir rotere Lippen oder so bekommen. Als ich in meiner Rolle einmal einen Zusammenbruch spielen musste, ließ er 33 Takes dieser Szene drehen - bis ihm das Ganze schön genug erschien. Da fühlt man sich irgendwie gut aufgehoben (lacht).

teleschau: Man identifiziert Sie immer noch mit "Türkisch für Anfänger" und anderen Rollen, in denen es mädchenhaft-leichte Charaktere zu spielen galt. Bedeutet "Das Adlon" für Sie einen Imagewandel?

Preuß: Diese Rolle ist auf jeden Fall ein Geschenk. Weg von der Comedy, hin zum Erwachsenwerden. Dazu die großartigen Kollegen: Wotan Wilke Möhring ist mein Papa, Anja Kling meine Mama. Verlieben darf ich mich in Ken Duken - da kann man nicht meckern.

teleschau: Nervt Sie das ewige Teenager-Image?

Preuß: Ich werde bald 27 Jahre alt - da wäre es nicht schlecht, das Teenie-Alter hinter sich zu lassen (lacht). Genervt war ich jedoch nie. Ich fand es besser, in einer Schublade zu stecken, als gar keine zu haben. Es gibt viele Schauspieler in Deutschland, denen geht es nicht so gut. Da finde ich es etwas vermessen, ewig über die eigenen Rollenklischees zu meckern. Ich freue mich einfach, diese Chance jetzt zu bekommen.

teleschau: Sie spielen Ihre Rolle über mehrere Jahrzehnte. Was war am schwierigsten?

Preuß: Auch wenn es sich ein wenig arrogant anhört: Ich fand in diesem Film eigentlich gar nichts schwierig. Ich war noch nie bei einer so professionell und glatt laufenden Produktion dabei. Ich habe mich immer sicher gefühlt. Natürlich ist eine solche Rolle eine spannende Reise. Ich habe noch nie eine Frau von vierzig oder fünfzig Jahren gespielt. Und natürlich weiß ich nicht, wie sich eine Frau dieses Alters in ihrem Körper fühlt. Angst hatte ich jedoch nicht. Als ich erst mal beim Drehen war, hat sich alles gut gefügt.

teleschau: "Das Adlon" ist ein opulenter Historienfilm. Welche Zeit hat Ihnen am besten gefallen?

Preuß: Zunächst mal stellt man als Schauspielerin in solchen Filmen fest: Kleider machen Leute - tatsächlich. Man fühlt sich ganz anders, je nachdem, in welchem Kostüm man spielt. Am besten haben mir die Goldenen 20-er mit Paillettenkleidchen, Charleston tanzen und dem Verschwimmen der Geschlechter gefallen. Berlin in den 20-ern - das war wie Sodom und Gomorrha: Es wurde getrunken, gefeiert, konsumiert. Eine tolle Ära, bevor es diesem Land für eine längere Zeit richtig schlecht ging. Für mich war es eine durchaus tiefe Erfahrung, in so eine Atmosphäre eintauchen zu dürfen. Irgendwie vergisst man bei der Arbeit ja auch ein bisschen, dass man das alles nur spielt.

teleschau: Sie klingen sehr begeistert. Haben Sie sich schon vorher für die 20-er Jahre interessiert?

Preuß: Nein, da bin ich erst durch den Film drauf gekommen. Privat lebe ich immer noch im Hier und Jetzt. Das tue ich auch gern. Aber ich habe viel über diese Zeit gelesen, Dokumentationen angeschaut und Hedda Adlons Biografie gelesen. Ich glaube, die 20-er waren - in gewissen Kreisen zumindest - wie eine große Hüpfburg für Erwachsene.

teleschau: Was haben Sie aus dem Film von den 20-ern in die Gegenwart gerettet?

Preuß: Viel Wissen und eine neue Liebe für die Musik jener Zeit. Ich habe mir zur Vorbereitung auf einem Musikportal das Album "Tanztee im Adlon" heruntergeladen. Das sind Originalaufnahmen, die damals im Hotel gemacht wurden. Natürlich spielten dort oft großartige Bands, sehr bekannte Künstler. Das Adlon war ein gesellschaftlicher Mittelpunkt - in Berlin, Deutschland, der Welt. Heute mache ich mir diese Musik immer noch beim Abwaschen an. Dann alles geht leichter von der Hand (lacht).

teleschau: Was haben die anderen Kleider aus Ihnen gemacht?

Preuß: Die Rolle war auf jeden Fall eine Zeitreise, über die ich feststellen konnte, dass sich Frauen allein durch ihre Kluft in unterschiedlicher Zeit anders gefühlt haben müssen. Nach den androgynen Kleidern der 20-er wurde die Mode in den 30-ern sehr feminin. Und natürlich hinterlässt auch die kratzige Nachkriegswolle ein gewisses Gefühl bei dem, der sie trägt. Auch die Frauenkostüme der 50-er mit ihren ausfallenden Röcken haben mir gut gefallen. Die Mode ist einfach fantastisch in diesem Film. Unsere Kostümbildnerin hat unglaubliche Arbeit geleistet. Sie fuhr in ganz Europa herum, um die richtigen Sachen zusammenzusuchen. Es sind ja fast alles Originalkostüme! Und das nicht nur bei den Schauspielern, sondern auch bei den ganzen Komparsen.

teleschau: Sie spielen Ihre Rolle bis ins 55. Lebensjahr. Bekamen Sie beim Blick in den Spiegel einen Schock, als Sie auf einmal 30 Jahre älter waren?

Preuß: Ich habe mich damit angefreundet, schließlich war ich beim Entstehungsprozess dieses Kunstwerkes dabei. Und im Gegensatz zu manch anderen war ich auch die ganze Zeit in der Maske wach (lacht). Man muss wissen, dass die Arbeit der Maskenbildner in der Regel sehr früh morgens beginnt. In Maskentests schaut man dann, welche Mimik die gleiche bleibt und was man mehr oder weniger betonen sollte. Das ist eine spannende Sache. Auch, um sich an das neue Ich langsam zu gewöhnen. Ich sage mal - wenn es gut läuft, dann werde ich so wie im Film mit 55 Jahren aussehen (lacht).

teleschau: Man könnte in solchen Masken ja auch eine plötzliche panische Angst vor dem Alter entwickeln.

Preuß: Ich sowieso nicht, ich freue mich auf jedes Alter. Ich kann es kaum erwarten, 40 zu werden.

teleschau: Warum das?

Preuß: Ich weiß es nicht. Das ist einfach der Lauf der Dinge. Ich bin auch niemand, der mal sagen wird: 40 ist die neue 30. Oder jemand, der dann einfach mal zehn Jahre lang 39 ist, weil er Angst vor der 40 hat. Das macht doch alles keinen Sinn. Man sollte in jedem Lebensalter versuchen, das Beste mitzunehmen. Jeder Lebensabschnitt hat tolle Seiten. Ich möchte auch nicht noch einmal 18 oder 20 sein.

teleschau: Sie waren Kinderstar, dann Teenie-Star. Hat Ihre Lust auf das Altern mit einem Überdruss an Jugendlichkeit zu tun?

Preuß: Ich hadere nicht mit der Vergangenheit. Das waren meine Lehrjahre. Wenn ich mir heute meine Kinderserie "Schloss Einstein" anschaue, schlage ich mir an den Kopf und denke: Was hast du denn da vor der Kamera gemacht? Aber da war ich eben auch erst zwölf und wusste es nicht besser.

teleschau: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Preuß: Dass ich die Leute weiter zum Lachen und zum Weinen bringen darf. Darüber hinaus darf mir nichts wünschen. Weil ich keine Darstellerin bin, die sich selbst ihre Rollen schreibt oder schreiben lässt. Aber ich bin gerne Auftragsschauspielerin und neugierig, in welchen Rollen mich die Leute noch sehen wollen. Wenn ich weiterhin so toll arbeiten darf und ich gesund bleibe, muss ich gar keine großen Pläne schmieden, damit es mir gut geht. Das kommt dann von ganz alleine.

teleschau

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