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Stars Fast wie Humphrey
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00:00 19.12.2012
Anneliese Held (Julia Stemberger) genießt während eines Gartenfests die wenigen Stunden, die sie mit ihrem Mann (Stefan Kurt) verbringen kann. Sie weiß nichts von dessen Tätigkeit als verdeckter Ermittler und seinem Einsatz beim Frankfurter Mafiakönig Her Quelle: ZDF / Hermann Fahr

, 07., bis Fr., 11.01., jeweils 22.25 Uhr, 3sat) und bekam dafür den Grimme- und den Deutschen Fernsehpreis. In der Rolle des Adrian Weynfeldt ist er nun ein reicher Erbe, der sich in die melancholische Herumtreiberin Lorena verliebt. Selbstlos geht er auf jede ihrer Notlagen und mehrere Erpressungsversuche ein: ein stiller Kunstkenner und Schweizer Bourgeois, der mit Eleganz und sanften Blicken wunderbar dulden und zuwarten kann. Bis zur Landung seines großen Coups. Stefan Kurt machte die Mischung aus Krimi und Liebesfilm (Regie: Alain Gsponer) sichtlich großen Spaß.

teleschau: Man darf sagen, dass Sie die Figur des reichen Erben und Kunstkenners, der von einer jungen Frau betrogen wird und sich in sie verliebt, äußerst glaubhaft spielen. Bei dem aus der Zeit gefallenen Stoff fühlt man sich manchmal an Humphrey Bogart erinnert.

Stefan Kurt: Es freut mich, dass Sie mich mit Bogart vergleichen. Diese Begabung, nicht ins Geschehen einzugreifen und immer zu reagieren, die die Rolle erfordert, hoffe ich zu haben. Es ist in erster Linie eine Liebesgeschichte, auch eine Art Sittenbild, fast so etwas wie die Auferstehung der Bourgeoisie. Endlich mal eine Figur, bei der Geld wirklich keine Rolle spielt. Das, von dem man sonst zu wenig hat, ist hier überhaupt kein Problem.

teleschau: Im Film sind Sie nicht nur ein schwerreicher Erbe, sondern auch ein Kunstexperte, den man nicht täuschen kann. Der Film geht für eine Komödie erstaunlich detailliert auf Kunstfälschungen ein.

Kurt: Ich habe mich auf die Rolle möglichst genau vorbereitet. Ich bin mit Alain Gsponer, dem Regisseur, in Zürich eigens zum Kunstexperten Hans Peter Keller gegangen - wir haben ihn gefragt, woran man Fälschungen denn erkennen kann. Er hat gleich ein paar Bilder zum Vergleich aus dem Keller geholt. Nicht von Félix Vallotton, wie die "Nackte Frau vor dem Ofen" von 1900 im Film, aber doch von Franz Hodler. Keller hat uns die Tricks gezeigt, etwa wie man mit dem Fingernagel Farbschichten testet oder mit einer Flamme bestimmte Farbsorten am Geruch erkennen kann. Bei alten Bildern sind es Krakelagen. Fälschung, oder nicht? - Das ist es ja, wovon der ganzen Kunstmarkt lebt.

teleschau: Es ist aber auch ein Film über den Wert des Geldes schlechthin. Wenn Marie Bäumer als Lorena eine Million keck an die Schulter drückt und sagt: "Wie unglaublich wenig das doch ist!", dann hat man wirklich das Gefühl, dass sich das in nichts auflöst.

Kurt: Ja, und in zehn Jahren ist es dann vielleicht die Milliarde in Scheinen, die nicht zählt. Adrian ist einfach Erbe, er konnte die Leidenschaft für die Kunst zum Beruf machen. 99 Prozent der Bevölkerung ergeht es da ganz anders.

teleschau: Wie ist ihr eigenes Verhältnis zum Geld?

Kurt: Ich würde Geld nicht überbewerten. Aber es ist schön, genug davon zu haben! Ich bin privilegiert: Ich kann Theater spielen und Filme machen. Das ist schon viel.

teleschau: Dass Sie Schweizer sind, 1959 in Bern geboren, ist einem nicht unbedingt bewusst. Inzwischen drehen Sie aber immer wieder Filme in der Schweiz und identifizieren sich ein Stück weit mit Ihrer Heimat.

Kurt: Ich bin als Wahl-Berliner immer wieder gerne in der Schweiz. Es ist meine Heimat. Die Eltern sind lange tot, aber es gibt alte Freunde, meine Brüder und mehrere Patenkinder! In Bern habe ich meine Schulzeit verbracht. Ich war Lehrer in einer einklassigen Dorfschule, bevor ich auf die Theaterschule ging.

teleschau: In einer einklassigen Dorfschule, wie im Bilderbuch?

Kurt: Nicht ganz! Ich war damals ziemlich jung, nach der Grundausbildung, 21. Die Ältesten, die ich zu unterrichten hatte waren 16. Die aus der sechsten bis neunten Klasse waren alle in einem Raum: zwei in der sechsten, drei in der siebten, und so weiter. Ich war etwas überfordert, aber wir haben auch Theater gespielt, und das hat allen gut gefallen.

teleschau: Nach dem Schweizer Spielfilm "Der Verdingbub", über Waisenkinder, die noch in den Fünfzigern auf Bauernhöfen sklavisch schuften mussten, haben sie gerade wieder einen brisanten Stoff mit dem Regisseur Alain Gsponer abgedreht: "Nur ein Schritt" handelt von einem Polizeibeamten, der in der Nazizeit trotz Verbots Emigranten zur Einreise in die Schweiz verhalf.

Kurt: Es war für mich eine große Ehre, so jemanden zu spielen. Es geht um den St. Galler Polizeikommandanten Paul Grüninger, der kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs trotz der Grenzsperre Hunderte von jüdischen Flüchtlingen aufnahm. Er wurde 1939 entlassen und nach seinem Tod 1972 erst Jahrzehnte später rehabilitiert. Gustav Heinemann, der deutsche Bundespräsident hat ihm als Anerkennung kurz vor seinem Tod übrigens einen Farbfernseher geschenkt.

teleschau: Es ist sicher nicht ganz einfach, so einer Figur aus der Zeitgeschichte gerecht zu werden.

Kurt: Ganz gerecht wird man einer historischen Figur nie! So bleibt Platz für eine eigene Interpretation der Figur. Auf der anderen Seite darf und will ich die historischen Tatsachen nicht verschweigen. Grüninger war wie die meisten seiner Zeitgenossen in dieser schwierigen Zeit überfordert. Das war mir wichtig zu zeigen.

teleschau: Nach Ihren Theatererfolgen am Thalia Theater in Hamburg, besonders unter Bob Wilson, mit dem Sie nach all den Jahren immer noch zusammenarbeiten, zuletzt in der "Dreigroschenoper" als Mackie Messer am Berliner Ensemble, kamen Sie 1996 mit dem Wedel-Fünfteiler "Der Schattenmann" groß raus. Der Rummel danach war Ihnen nicht so recht, oder?

Kurt: Er war mir schon recht, nur mit so viel Erfolg hatte ich einfach nicht gerechnet. Ich kam vom Theater und war diese Menge an Aufmerksamkeit einfach nicht gewohnt. Fremde Klamotten anziehen, Fotografen bedienen, Interviews geben und alles das. Als guter Schweizer zieht man sich da erstmal zurück und lernt ganz allmählich, damit umzugehen.

teleschau: Erst kürzlich, zu Wedels 70., wurde ja wieder von der "Wedel-Familie" gesprochen. Ein zutreffender Begriff?

Kurt: "Familie" würde ich es nicht nennen. Eher schon Ensemble. Wedel hat ganz unterschiedliche Leute zusammengebracht - etwa das Kraftpaket Heinz Hoenig und mich. Es war für ihn sicher nicht einfach, einen Nobody wie mich zu holen. Ich musste allerdings auch mehrere Male zum Casting nach Frankfurt reisen, ich habe da einen Tag lang eigens eine Filmszene mit Mario Adorf geprobt und gedreht.

teleschau: Sie filmen, spielen Theater, nicht ungerne auch mit Gesang, wie soeben wieder als Orpheus in der Offenbach-Operette an der Staatsoper, Sie fotografieren und überarbeiten die Bilder mit dem Computer, und Sie nehmen gerne eigene Geräuschkompositionen auf.

Kurt: Mich interessieren Geräusche und Bilder, wenn ich sie mische. Es entsteht etwas Drittes, dass mich fasziniert. Glocken mag ich ganz besonders.

teleschau: Auch Kuhglocken?

Kurt: Ja, sehr, auch wenn sie meist so etwas Melancholisches haben. Sie dürfen allerdings nicht so nah sein - am besten auf der anderen Seite des Tals. Mit den Geräuschkompositionen ist es wie mit den Bildern. Es macht mir viel Freude, es ist eine wunderbare Erholung. Als Schauspieler arbeitet man ja immer im Team, und hier ist man endlich mal Herr über sein eigenes Produkt (lacht).

teleschau: Sie heimsen jede Menge Preise ein - vom Grimme- bis zum Deutschen Fernsehpreis. Eben haben sie wieder einen bekommen, den "Swissperform" für Fernsehrollen, der ist ja sogar mit immerhin 5.000 Franken dotiert. Was machen Sie mit dem Geld?

Kurt: Die Hälfte spende ich wie immer für wohltätige Zwecke. Die andere ist zum Ausgeben oder zum Rücklagen Bilden da. Ein Krösus wie Weynfeldt bin ich ja leider nicht.

teleschau

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