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13:23 12.01.2018
Die Porta Nigra ist 1848 Jahre alt. Quelle: Fredrik von Erichsen
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Trier

Es war ein Stück Eichenholz, das den Durchbruch brachte. Es lag sechs Meter tief gut konserviert im aufgeweichten Boden zwischen Steinquadern an der römischen Stadtmauer nahe der Porta Nigra in Trier.

Anhand seiner Jahresringe konnte es genau auf den Winter 169/170 nach Christus datiert werden und Wissenschaftlern das Datum liefern, nach dem sie schon lange gesucht haben. „Jetzt wissen wir endlich, dass der Bau der Porta Nigra im Frühjahr 170 begonnen hat“, sagte der Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Marcus Reuter, am Freitag. Und fügte hinzu: „Das ist ein Meilenstein für die Trierer Stadtgeschichte.“

Und das sorgt für Aufsehen weit über die Moselstadt hinaus. Denn das „Schwarze Tor“ gilt als das besterhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen und als bundesweit ältestes Baudenkmal seiner Größe. Es sei schon „bitter gewesen“, dass im Grunde vorher niemand wusste, wann diese weltberühmte Porta gebaut wurde, sagte Reuter. Die Vermutungen der Forscher reichten bisher von 150 bis 320 nach Christus. „Ein wissenschaftliches Rätsel kann heute gelöst werden“, sagte der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf (SPD). Diese frühe Datierung sei eine „wissenschaftlich höchst bedeutende Erkenntnis“.

Um diese Klarheit zu bekommen, war im vergangenen Herbst an einer Stelle gegraben worden, an der zu antiken Zeiten der Mosel-Altarm verlief. „Wir dachten, im Grundwasser könnten sich Bauhölzer erhalten haben“, sagte der Museumschef. 25.000 Euro kostete die Grabung, 15.000 Euro kamen von der Gerda-Henkel-Stiftung. „Ohne die wäre es nicht gegangen.“ Dann stiegen Studenten in den mit Spundwänden gesicherten runden Schacht - und der Krimi begann.

„Wir haben erstmal gar nichts gefunden. Nur ganz wenige römische Scherben“, erzählte Reuter. Eine Woche nichts, zwei Wochen nichts. „Dann haben wir gesehen, dass die Römer damals eine Spundwand aus Holz eingezogen haben, wohl um das Abrutschen des Erdreichs während des Bauens zu verhindern.“ Zwei große Bretter und einen runden Pfahl habe man dann geborgen. Freude im Team, aber: „Da wussten wir noch nicht, ob das Holz auch datiert werden kann.“

Am Museum übernahm die Dendrochronologin Mechthild Neyses-Eiden, die dort das Forschungslabor zur naturwissenschaftlichen Holzdatierung leitet, mit ihrem Team. Und der Krimi ging weiter. „Die Hölzer sahen erst toll aus, waren aber superschlecht erhalten“, sagte sie. Teils waren sie so weich, das man sie nicht präparieren konnte. „Daher haben wir sie eingefroren.“ Dann ging es besser. Zunächst bekamen sie bei einem Querschnitt aber nur ein „Um-Datum“. Und dann noch eines.

Doch dann fanden sie an einer kleinen Stelle der Spundwandbohle ein Stück Rinde und damit die kompletten Jahresringe. „Das hat ein jahrgenaues Datum gebracht, sonst hätte man nur eine Schätzung gehabt“, erklärte die Expertin. „Das ist schon ein Glücksfall.“ Dass man vom Fälldatum auf das Baudatum schließe, hinge so zusammen: „Das Holz wurde damals sofort nach der Fällung verarbeitet.“

Reuter geht davon aus, dass der Bau der Porta Nigra ein bis zwei Jahre dauerte. Die komplette rund 6,4 Kilometer lange Stadtmauer habe vermutlich ein paar Jahre länger gedauert. „Aber auf keinen Fall so lange wie der Berliner Flughafen und auch keine zehn Jahre.“ Der Teil der Mauer, an dem das Holz geborgen wurde, und die Porta Nigra seien seiner Ansicht nach in einem Abschnitt gebaut worden.

Besonders an dem Entstehungsdatum sei, dass es damals überhaupt keine „militärische Notwendigkeit“, sprich keine Bedrohung, für das antike Trier gab, solch eine Mauer mit vier Stadttoren zu bauen. „Das ist ein reines Prestigeobjekt gewesen. Das war rein zum Angeben.“

Der naturwissenschaftliche Beweis für das Alter von Stadttor und Mauer bringt Licht in ein Kapitel der Stadtgeschichte, in dem es noch viel Unbekanntes gibt. „Wir wissen zwar, dass Trier 17 vor Christus gegründet wurde, aber wir wissen relativ wenig, wie sich die Stadt in den ersten 300 Jahren entwickelt hat“, sagte Reuter. Nun könne vieles neu bewertet werden.

Doch ein Geheimnis wird auch die Porta weiter haben: Warum sie denn so schwarz ist? „Das weiß keiner“, sagte Reuter. Die Kruste gehe wohl auf irgendwelche Ablagerungen zurück, die den Stein aber auch schützten. Das Bauwerk sei bereits im 11. Jahrhundert als „Schwarzes Tor“ bezeichnet worden. „Autoabgase waren es jedenfalls nicht.“

dpa

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