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Pharrell Williams ist der Mann hinter den (Sommer-)Hits

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Mann der Stunde: Egal, ob als Sänger oder Produzent - Pharrell Williams mischt bei vielen Hits mit.

Quelle: Rankin / EMI

In diesen Tagen wird er wieder gesucht: der Sommerhit des Jahres. Und selten zuvor ließ sich das Bewerberfeld so stark eingrenzen wie 2013: Seit Anfang Juni besetzen "Blurred Lines" von US-R'n'B-Star Robin Thicke und Daft Punks "Get Lucky" die obersten Plätze der deutschen Single-Charts. Ein Gewinner steht damit schon jetzt fest: Sänger und Produzent Pharrell Williams, der bei beiden Songs seine Hände und Stimme im Spiel hat. Und damit nicht genug: Auch bei den neuen Alben von Rapper Jay-Z und Neo-Soul-Darling Mayer Hawthorne sowie beim Soundtrack von "Ich - Einfach unverbesserlich 2", die alle dieser Tage erscheinen, mischte das 40-jährige Multitalent kräftig mit. Aber wer ist dieser Mann, der momentan ein glückliches Händchen für Hits besitzt?

Über den Privatmann Pharrell Williams ist tatsächlich wenig bekannt. Er ist bei vielen Events ein gern gesehener Gast - zuletzt auch auf der Berliner Fashion Week, wo er anlässlich der "Parley"-Konferenz zur Rettung der Ozeane für die von ihm unterstützte Firma "Bionic Yarn" warb, die Garn aus Plastikmüll herstellt. Dennoch: Über Privates spricht Williams ungern. Er habe aufgrund seiner vielfachen Verpflichtungen ohnehin kein Sozialleben, erklärte Williams kürzlich gegenüber dem US-Magazin "Vulture": "Aber ich bin dankbar dafür. Du kannst schließlich nichts erreichen, wenn du den ganzen Tag nur rumhängst."

Dennoch sind die wichtigsten biografischen Eckdaten bekannt: Er ist 1973 in Virginia Beach als ältester von drei Brüdern geboren. Seit 2012 ist er mit dem Model Helen Lasichanh verlobt, die beiden haben einen vierjährigen Sohn namens Rocket. Dessen Name, so verriet Williams dann doch, sei eine Hommage an Elton Johns Hit "Rocket Man". Vorbilder kennt er keine, bewundert aber Michael Jackson, Stevie Wonder, Marvin Gaye sowie Rapper wie Rakim and Q-Tip.

Seine Erfolgsgeschichte zu erzählen, fällt da ungleich leichter. Auch wenn Williams' Talent zwischenzeitlich ein wenig in Vergessenheit geraten war. Vor seinen jüngsten Chartcoup hatte seine letzte aufsehenerregende Auftragsarbeit, "Hard Candy" von Madonna, bereits fünf Jahre zurückgelegen. Bis dahin war er aber eine der ersten Adressen in Sachen Produktion: Nachdem er gemeinsam mit seinem musikalischen Langzeitpartner Chad Hugo - unter dem Namen The Neptunes - "Kaleidoscope" (1999), das Debütalbum von Rapperin Kelis, produziert hatte, konnte er sich Anfang der 2000-er kaum noch vor Anfragen aus dem Musikbusiness retten.

Zu Recht: The Neptunes produzierten, arrangierten und schrieben für Jay-Z, Britney Spears, Busta Rhymes, No Doubt, P. Diddy, Nelly und Beyoncé - und landeten Hits. Sie starteten ihr eigenes Label Star Trak, feierten mit ihrer eigenen HipHop-Band N.E.R.D. ebenfalls Charterfolge. Und Williams wurde dank seiner smoothen Soul-Stimme und seinem lässigen Falsett-Gesang zu einem der gefragtesten Feature-Gäste im R'n'B- und HipHop-Bereich. Zwei ihrer größten Erfolge zu dieser Zeit: The Neptunes produzierten "Justified" (2002), das Solo-Debütalbum von Justin Timberlake, und verhalfen Snoop Dogg zu seinem ersten und bislang einzigen Nummer-eins-Hit, "Drop It Like It's Hot" (2004).

An beiden Arbeiten lässt sich auch ein grundlegendes Prinzip von Williams erkennen: Er lauscht dem Pop-Zeitgeist und versucht "immer bewusst etwas zu machen, das mir gerade in der Musik fehlt". So vermisste er etwa den klassischen Michael-Jackson-Sound der frühen 80er-Jahre, schrieb daraufhin Songs für den King Of Pop - vergeblich: "Sein Manager mochte sie nicht. Und irgendwie glaube ich - er auch nicht." Davon profitierte Justin Timberlake: Viele der abgelehnten Songs landeten auf dem Debüt des Ex-Boygroup-Sängers, der damit in gewisser Weise die Lücke schloss, die Michael Jackson damals schon hinterlassen hatte. Bei Snoop Dogg hingegen erkannte Wiliams, dass dessen von süßem Qualm umnebelten Gangsta-Hymnen die zeitgemäße Coolness fehlte: Mit dem einfachen zungeschnalzenden Beat und der kurzen Synthie-Hook von "Drop It Like It's Hot" rettete er den Rapper - zumindest für kurze Zeit - davor, nur noch als Darsteller seiner selbst wahrgenommen zu werden.

Doch der kühle, punktgenaue Sound, jahrelang ein Markenzeichen seiner Produktionen, zog irgendwann eben nicht mehr. Auch er selbst verlor das Interesse daran. Deswegen habe er sich neu orientiert, so Williams: "Alle anderen setzten auf diesen stählernen Minimalimus. Mir fehlte die Farbe, ich wollte alle Farben des Regenbogens." Dementsprechend begeistert reagierte er auch, als Daft Punk ihm eröffneten, bei ihrer Zusammenarbeit auf sämtliche elektronischen Hilfsmittel zu verzichten und sich an den warmen, analogen Klang der späten 70er-Jahre anlehnen zu wollen. Ihr gemeinsames Ziel sei es gewesen, "in eine Zeit zurückzukehren, in der die Lebendigkeit der Musik noch die Leute bewegte", erklärt Williams. Auch "Blurred Lines" arbeitet mit fast schon vergessenen Tugenden der Popmusik: Williams setzt auf dreistimmige Harmonien im Refrain und einen live eingespielten Funk-Bass, die den Song fast an eine alte Marvin-Gaye-Nummer erinnern lassen.

Sind die Erfolge von Williams also nur ein weiteres Retro-Phänomen? Hat er vielleicht einfach Glück, dass seine Sound-Vorstellungen und der Pop-Zeitgeist momentan deckungsgleich sind? Vielleicht. Er selbst behauptet ohnehin, nicht auf Bestellung Hits schreiben zu können. Stattdessen versuche er stets, sich in die Künstler hineinzuversetzen, mit denen er arbeitet. "Es ist wie die Arbeit eines Stylisten oder Designers", so Williams, "Ich denke darüber nach, was ihrem Körper gut stehen würde. Ihrem spirituellen Körper, ihrer Stimme." Und diese Arbeitsweise ist weiterhin gefragt: Williams arbeitet gerade an neuer Musik für Beyoncé, Frank Ocean, Miley Cyrus und Kylie Minogue. Der nächste Hit - nicht nur für den Sommer - dürfte also nur eine Frage der Zeit sein.

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