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22:47 21.06.2013
Ihren Doggenmischling Franky durfte Sonya Kraus zum Dreh von "Tierisch verliebt" mitbringen. Quelle: SAT.1 / Action Press Plus / Jens Koch
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Egal ob Blaumann ("Do It Yourself - S.O.S."), Dirndl ("Die Alm") oder Paillettenfummel ("Talk Talk Talk"): Sonya Kraus kann alles tragen. Die zweifache Mutter hat aber auch ganz normale Klamotten im Schrank. Die trägt sie ab 2. Juni, sonntags, 19 Uhr, als Kupplerin bei "Tierisch verliebt". In der von SAT.1 als "TV-Romanze" angekündigten Doku-Soap bringt die zweifache Mutter einsame Tierliebhaber an den Mann respektive die Frau. In ihrem Alltag steht die Frankfurterin mit dem sonnigen Gemüt mit einem Bein auf der Krabbeldecke, mit dem anderen auf dem Roten Teppich, hält in der einen Hand den Wimpernkleber und in der anderen die Babyrassel. Zwischen den Welten hat es sich Sonya Kraus, die im Kinofilm "Ich - Einfach unverbesserlich 2" ab 4. Juli einer Trickfigur ihre Stimme leiht, bequem gemacht. Und sich aufs Hin- und Herhopsen eingestellt.

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Ihren Doggenmischling Franky durfte Sonya Kraus zum Dreh von "Tierisch verliebt" mitbringen.

teleschau: Nervt es Sie, dass die Leute immer noch von Ihrem Äußeren auf Ihren IQ schließen?

Sonja Kraus: Es amüsiert mich, aber ich bin da sehr nachsichtig und tolerant. Anscheinend darf jemand, der vor gefühlten 100 Jahren mal ein ordentliches Abitur hingelegt hat, nichts von Mode und Make-up verstehen. Ziemlich beschränkt finde ich das. Dass eine Frau mit Grips auch eine gewisse Berufseitelkeit an den Tag legen darf, ist für mich völlig logisch und selbstverständlich. Für andere aber offenbar nicht. Manchmal denke ich schon, dass nach vier Bestsellern langsam klar sein müsste, dass ich lesen und schreiben kann.

teleschau: Sind es eher Frauen oder Männer, die damit ein Problem haben, dass Sie schön und schlau sind?

Kraus: Das liegt beides im Auge des Betrachters. "Schön" hängt in meinem Fall von der aufgetragenen dekorativen Make-up-Schicht ab, und "schlau" im Sinne von mathematischer Intelligenz bin ich auch nicht. Ich denke nicht, dass es eine Geschlechterfrage ist, wie ich wahrgenommen werde. Meiner Erfahrung nach spürt der Fernsehzuschauer schnell, ob sich hinter einem TV-Gesicht ein pfiffiger Mensch verbirgt oder nicht. Natürlich kann man eine gewisse Intelligenz auch ins Schaufenster stellen, aber das hatte ich mir selbst gegenüber nie nötig.

teleschau: Also kein Polit-Talk mit Sonya Kraus?

Kraus: Woher nähme ich denn da meine Kompetenz? Weder bin ich Politologin noch Journalistin. Hingegen eine lustige Gesprächsrunde am Freitagabend mit illustren, eloquenten Gästen: Das würde mir tatsächlich nicht schwerfallen.

teleschau: Schon mal angemerkt bei ProSiebenSat.1?

Kraus: Das fällt mir leider ziemlich schwer. Vielleicht ist das falsch, aber ich lasse mich gerne wie eine Seerose auf einem wilden Bach treiben und schaue, was passiert. Ich setze mir keine festen Ziele, die ich dann vielleicht gar nicht erreichen kann. Das macht einen nur unglücklich.

teleschau: Sprechen wir über "Tierisch verliebt". Sind Sie auch als Beraterin für die Kandidaten im Einsatz?

Kraus: Definitiv. Die meisten der Kandidaten besuche ich im Vorfeld und lerne sie während der Dreharbeiten recht gut kennen - gerade über das Tier. Ein Tier ist der direkte Highway ins Herz eines Menschen. Tier- und vor allem Hundebesitzer kennen das: Man kommt beim Gassigehen mit wildfremden Menschen ins Gespräch, mit denen man unter normalen Umständen vielleicht nie geredet hätte. Das ist auch für mich als Moderatorin schön. Die Scheu vor der Frau aus dem Fernsehen ist vergessen, sobald ich einmal die tierischen Freunde der Kandidaten auf dem Arm hatte.

teleschau: Woran liegt das denn genau?

Kraus: Diesen Zauber, den Tiere ausüben können, kann ich mir auch nicht so genau erklären, obwohl ich selbst zwei Hunde habe. Romeo und Franky kommen übrigens auch in der Sendung vor. Das war für mich ein ganz neues Erlebnis, mit meinem EU-Rudel zu drehen.

teleschau: EU-Rudel?

Kraus: Romeo und Franky waren beide Straßenhunde, einer auf Korfu, einer auf Ibiza. Bevor sie über eine Tierschutzorganisation zu mir kamen, hatten sie bei der Vermittlung schlechte Karten. Große, schwarze Hunde haben nun mal ein schlechtes Image. Aber da ich jemand bin, der sich von Image nicht blenden lässt, war das kein Problem für mich.

teleschau: Apropos Image: Bei "Tierisch verliebt" verabschieden Sie sich von den High Heels und Glitzerkleidchen Ihrer "Talk Talk Talk"-Ära und treten als Moderatorin vergleichsweise dezent auf. Eine Umstellung für Sie?

Kraus: Überhaupt nicht. Es ist sehr angenehm, mal wieder eine andere Facette meiner Persönlichkeit zeigen zu können. Nach wie vor liebe ich aber auch die quietschige Trash-Barbie, die ich bei "Talk Talk Talk" geben durfte.

teleschau: Wie verläuft Ihr Leben im Moment? Wie gut funktioniert der Spagat zwischen Mutter von zwei kleinen Jungs und sexy TV-Blondine?

Kraus: Vor kurzem fand hier in Frankfurt eine Gala statt, bei der ich eine Laudatio halten sollte. Da stand ich also im Minikleid auf dem Roten Teppich, nachdem ich zehn Minuten vorher noch mit der Kittelschürze mein Baby mit Karottenbrei gefüttert hatte. Die Absurdität der Situation wurde mir schlagartig bewusst. Der Kopf reist eben langsamer zwischen den Welten als der Körper.

teleschau: Ist es nicht auch erfüllend, nicht nur als Mutter wahrgenommen zu werden, sondern in verschiedene Rolle zu schlüpfen?

Kraus: Jein, weil man weder dem Anspruch als Löwen-Mutti, noch dem als Karriere-Power-Frau zu einhundert Prozent gerecht wird. Bevor ich Mutter wurde, konnte ich mich ganz und gar in meinen geliebten Job stürzen. Das ist jetzt natürlich anders. Der gesunde Aspekt daran: Ich bin durch die Kinder geerdeter, lockerer. Alles ist nicht mehr so dramatisch und so wahnsinnig wichtig.

teleschau: Wie organisieren Sie Ihr Familienleben?

Kraus: Ich kann es mir Gott sei Dank leisten, mich mit Hilfe zu versorgen und ab und an drei Tage am Stück zu Hause zu sein. Außerdem lebt meine Mutter bei uns im Haus. Ohne sie ginge sowieso gar nichts.

teleschau: Ihren Partner lernten Sie kennen, bevor Ihre TV-Karriere mit dem "Glücksrad" Fahrt aufnahm.

Kraus: Wir kennen uns seit über 20 Jahren. Er hat mit der Branche überhaupt nichts am Hut und weigert sich auch vehement, daran in irgendeiner Form teilzunehmen. Auch wenn wir in vielen - vor allem den wichtigsten - Bereichen des Lebens gleich ticken: Unsere Talente könnten nicht unterschiedlicher verteilt sein. Er kann die Wurzel aus 2.389.572 im Kopf ausrechnen, aber er kann nicht zwischen Petrol und Türkis unterscheiden.

teleschau: Warum leben Sie eigentlich nicht in Köln, München oder Berlin? Ein Schutz vor dem Einfluss der Fernsehbranche?

Kraus: Ja, auch. Das bewahrt mir meine psychische Unversehrtheit. Hier in Frankfurt habe ich noch Freunde aus frühester Jugend, die mit meinem Metier rein gar nichts zu tun haben. Das ist unheimlich erholsam und wichtig für mich. Ich muss aber auch sagen, dass mein Wohnort ein echter Karriere-Killer ist, weil ich nicht so schnell verfügbar bin. Ich treibe mich vielleicht nicht auf jeder Shop-Eröffnung in München oder jedem Event in Berlin herum, aber ich bin passionierte Pendlerin.

teleschau: Es gibt keine "Bunte"-Homestory von Ihnen, auch keine Bilder mit Ihrem Partner auf dem Roten Teppich. Fällt es Ihnen manchmal schwer, die Trennlinie zischen Beruf und Privatleben aufrechtzuerhalten?

Kraus: Überhaupt nicht, weil ich das schon so handhabe, seitdem ich das erste Mal auf der Mattscheibe zu sehen war. Auch wenn ich sehr jung zum Fernsehen kam, habe ich das damals intuitiv richtig gemacht. Journalisten sind da auch sehr fair, finde ich. Und die, die es immer noch nicht mitbekommen haben, erhalten eben Post vom Anwalt meines Lebensgefährten. Meine Freiheit hört für mich dort auf, wo die Freiheit eines anderen anfängt. Ich kann nicht über meine Familie die Doktrin der Öffentlichkeit verhängen, nur weil ich tue, was ich tue. Meiner Erfahrung nach geht es auch ohne diese Art von PR.

teleschau: Worauf werden Sie eigentlich öfter angesprochen, auf Beauty-Tipps oder auf Ihr Einser-Abitur?

Kraus: Wenn mich jemand zum hundertsten Mal nach Beauty-Tipps fragt, stelle ich auf Autopilot und rattere eben vermeintliche Schönheitsgeheimnisse runter. Ich bin deswegen auch nicht böse. Die Leute interessieren sich nun mal dafür, und da ich Unterhalterin bin, liefere ich das auch gerne. Ich sehe mich da als Dienstleisterin.

teleschau: Sie schreiben ab und zu für die "Emma". Auch aktuell?

Kraus: Im Moment arbeite ich an einem Text über die "Optikfalle". Alice (Schwarzer, d. Red.) hat ihn mir allerdings schon mit Korrekturen zurückgeschickt: zu allgemein.

teleschau: Was ist beim Thema Frauenbewegung Ihr persönlicher Aufreger?

Kraus: Da gibt es viele "Baustellen". Es ist grotesk, dass in der heutigen Rentengeneration Frauen halb so viel zum Leben haben wie Männer. Zukünftig sehe ich die größte Bedrohung für uns Frauen im Westen einerseits in fundamentalistischen religiösen Strömungen und andererseits in der Überzeugung, die Emanzipationsdebatte sei obsolet. Dem ist aber nicht so. Die Freiheiten, die wir Frauen - zumindest in Europa - heute genießen, sind geschichtlich gesehen ja nur ein Wimpernschlag. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist immer noch ein zartes Pflänzchen, eine Knospe, die sich noch nicht entfaltet hat.

teleschau: Zugespitzt formuliert: Sind Männer und Frauen in Deutschland im Jahr 2013 gleichberechtigt?

Kraus: Gesetzlich ja, praktisch kämpfen wir darum.

Homepage Sonya Kraus

Sonya Kraus bei Facebook

Homepage "Tierisch verliebt"

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