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Richards Groupie - ZDF-Film über den Wagner-Clan

München Richards Groupie - ZDF-Film über den Wagner-Clan

Wagners 200. Geburtstag ist vorbei, die Jubiläums-Festspiele in Bayreuth stehen bevor und landauf landab ist Wagner aus Spielplänen nicht wegzudenken. Jetzt will auch das ZDF noch seinen Beitrag leisten - und dreht einen Film über das Erbe des Komponisten.

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Iris Berben soielt die Rolle der umstrittenen Clan-Chefin Cosima Wagner. Fotos: Jörg Carstensen Foto: Jörg Carstensen

München. Die Villa mitten im schönen Salzkammergut ist malerisch und beschaulich. Nicht weit vom Traunsee im österreichischen Gmunden unterbricht nur das Zwitschern der Vögel und das Surren der Mücken die himmlische Ruhe. Hinter den Mauern aber spielt sich ein wahres Drama ab. Denn dort tobt ein Kampf um die Thronfolge auf dem Grünen Hügel. Wer soll künftig die berühmten Wagner-Festspiele in Bayreuth leiten? Der ambitionierte und talentierte Dirigent Franz Beidler - oder doch lieber Richard Wagners eigen Fleisch und Blut Siegfried?

„Heute ist Silvester 1899/1900“, sagt Filmproduzent Oliver Berben. Die Gmundner Villa wird in diesen Tagen zum berühmten Haus Wahnfried in Bayreuth - und zum Schauplatz für den neuen ZDF-Film „Der Clan: Die Geschichte der Familie Wagner“. Nach dem Riesen-Erfolg mit der Familien-Saga „Das Adlon“ widmet sich Produzent Berben der Geschichte der Familie, die heute so etwas ist wie der royale Ersatz für die Bundesrepublik Deutschland. Und die Rolle der mehr als umstrittenen Clan-Chefin spielt seine Mutter Iris Berben.

Ganz in das Cosima-typische Schwarz gekleidet, streng hochgeschlossen mit großem Hut stapft sie durch die Wiesen um die Villa und versucht zu erklären, was sie mag an der Rolle dieser Frau, die mit Wagner-Wahn und Hitler-Freundschaft alles andere ist als eine historische Sympathieträgerin. Ihre Kraft sei bewundernswert, sagt Berben. Und dass sie es in einer Zeit, in der das alles andere als üblich war für eine Frau, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führte - zumindest nach dem Tod ihres vergötterten Mannes.

„Was sie alles getan hat und wie sie an diesem Mann gehangen hat - wahrscheinlich war sie auch das erste Groupie“, sagt die Schauspielerin. „Das ist eine PR-Maschine gewesen.“ Vor allem aber sei sie eine negative Figur - antisemitisch und die eigenen Kinder systematisch unterdrückend.

Und genau darum soll es gehen in dem ZDF-Film, der voraussichtlich am 29. oder 30. Dezember - gerade noch rechtzeitig im großen Wagner-Jahr - ausgestrahlt werden soll.

Der Film von Regisseurin Christiane Balthasar erzählt die Geschichte der Familie Wagner nach dem Tod des großen Komponisten bis in die 1920er Jahre - „als Hitler einfiel auf dem Grünen Hügel“, wie Produzent Oliver Berben sagt. Auch Adolf Hitler wird vorkommen in dem Film.

Er habe ganz bewusst keinen Film über das Leben Richard Wagners machen wollen, sagt Berben. „Da fällt mir nichts ein, was nicht schon 100fach erzählt wäre. Es geht darum, was aus dieser Familie wird, wenn ein solcher Virtuose gestorben ist.“ Und: „Das Besondere an historischen Stoffen ist, sie nicht als historische Stoffe zu erzählen.“ In den Rollen der Wagner-Kinder Isolde, Siegfried und Eva sind Petra Schmidt-Schaller, Lars Eidinger und Eva Löbau zu sehen. Heino Ferch spielt den antisemitischen Intriganten Houston Chamberlain. „Er ist ein Intrigant, der sein Unwesen treibt“, sagt Ferch. „Das ist etwas, das ich eigentlich total verabscheue.“

Ein Familiendrama soll der Film werden - und ein opulentes und modernes noch dazu. Auf historische Genauigkeit kommt es Produzent Berben nicht an - eher auf das Gefühl für die Familie Wagner und die Zeit von Herrin Cosima. Und das soll ganz ohne übertriebene Ehrfurcht auf den Bildschirm kommen.

Kai Hafemeister, der das Drehbuch vor allem auf der Grundlage des Buches „Der Wagner-Clan“ von Jonathan Carr geschrieben hat, habe „erstmal erzählt, was er alles an Wagner scheiße findet“, sagt Oliver Berben. Und auch er selbst ist alles andere als ein fanatischer Wagnerianer. Wagners Musik gefalle ihm sehr, sagt er - Texte und Gesang weniger. „Ich finde die Gesänge grauenvoll und die Musik großartig.“ Heino Ferch formuliert anders: „Man muss wohl eine ziemliche Meise haben, um solche Musik zu komponieren.“

dpa

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