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Stars Seyran Ates: Lasse mir keine Angst machen
Nachrichten Panorama Stars Seyran Ates: Lasse mir keine Angst machen
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16:12 27.08.2017
Die Gründerin und Imamin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, Seyran Ates, beim Erlanger Poetenfest. Quelle: Daniel Karmann
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Erlangen

Die Frauenrechtlerin Seyran Ates will sich trotz jüngster Hasstiraden und Drohungen gegen ihre Person weiter für einen liberalen Islam einsetzen. „Ich lasse mir von diesen A... keine Angst machen“, erklärte Ates bei einer Podiumsdiskussion beim Erlanger Poetenfest.

Das bedeute jedoch nicht, naiv und unvorsichtig zu sein. „Ich muss aufpassen“, fügte Ates hinzu.

Die 54-Jährige hat in Berlin die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee mitbegründet, in der seit Juni Frauen - mit und ohne Kopftuch - und Männer gemeinsam beten können. Seitdem wird Ates massiv bedroht - im Internet, und sogar jüngst auf der Straße, wie die Aktivistin am Samstag beim aktuellen Podium schilderte. „Du stirbst bald“, habe ihr ein fremder Mann im Juni zugerufen.

Dem Landeskriminalamt lägen 3500 angezeigte Hasskommentare wegen der Moschee vor, davon seien mehr als 200 strafrechtlich relevant, sagte Ates. Und es seien längst nicht alle Hass-Postings ausgewertet.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ates wegen ihres Engagements ins Visier gerät: 1984 wurde sie bei einem Attentat auf eine Berliner Beratungsstelle für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen angeschossen und schwer verletzt.

„Ich ärgere Männer mit meiner Haltung“, sagte Ates. Zudem warf sie der türkischen Regierung eine Verantwortung für die Drohungen gegen ihre Person vor. Das Amt für Religionsangelegenheiten in Ankara habe die Gründer der Berliner Moschee als Anhänger der verbotenen Bewegung des Predigers Fethullah Gülen dargestellt. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht Gülen als Drahtzieher hinter dem Putschversuch vom Juli 2016 und dessen Unterstützer als Terroristen an.

Ates steht nun unter ständigem Polizeischutz. Dabei habe sie sich einst von ihrer türkisch-kurdischen Familie gelöst, um in Deutschland frei leben zu können. „Dieses Land hat mir eine andere Freiheit versprochen, und jetzt wird es hier immer enger“, klagte sie. Zudem warnte Ates vor einer zu großen Toleranz gegenüber Hardlinern. Von der Gesellschaft und Politik wünsche sie sich vielmehr „klarere Ansagen, wie wir hier in einer freien, offenen, rechtsstaatlichen Gesellschaft leben wollen.“

Das aktuelle Podium beim Erlanger Poetenfest beschäftigte sich mit dem Thema Hass in Erscheinungsformen wie Online-Hetze, Übergriffe im Alltag, islamistischer Terror und rechts- und linksextremer Gewalt. Neben Ates waren „Spiegel“-Journalistin Susanne Koelbl, der Berliner Philosoph Florian Goldberg und Dramatiker und Regisseur Falk Richter zur Diskussion geladen.

dpa

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