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Stars "Wahrscheinlich macht es mir Spaß zu leiden"
Nachrichten Panorama Stars "Wahrscheinlich macht es mir Spaß zu leiden"
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22:56 03.07.2013
Mehr Optimistenrollen für Jesse Eisenberg bitte: "Wenn ich eine Person spiele, die sich selbst liebt, fühle ich mich privat auch besser. Spiele ich dann einen Menschen, der sich hasst, dann hasse ich mich auch und bin überzeugt davon, dass ich im Film ganz furchtbar bin." Quelle: 2013 Concorde Filmverleih GmbH
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Ach, wie nett: Bevor das Interview zu seinem neuen Film "Die Unfassbaren - Now You See Me" richtig losgeht, will Jesse Eisenberg erst einmal ein bisschen plaudern. Zum Beispiel darüber, ob man direkt aus der Stadt kommt. Und schon immer hier gewohnt hat. Und, und, und. Aber irgendwann kommt das Gespräch eben doch an den Punkt, an dem der 29-Jährige selbst Fragen beantworten muss. Dann kann es dem Vernehmen nach vorkommen, dass der 2011 oscarnominierte Hauptdarsteller von "The Social Network" bereitwillig Auskunft über seine Zwangsstörungen oder die Sitzungen bei seinen zwei Therapeuten gibt. Oder dass er sein Gegenüber mit Sticheleien fast zum Weinen bringt, wie eine amerikanische Bloggerin kürzlich medienwirksam beklagte.

Natürlich ist es möglich, dass Jesse Eisenberg damals einen schlechten Tag hatte. Oder dass die Bloggerin ihn auf dem falschen Fuß erwischte. Vielleicht aber kam die betreffende Dame auch einfach nicht so richtig mit der Ironie klar, mit der der Charakterdarsteller gern seine Nervosität überspielt. Beispielsweise, wenn er auf die Frage nach seinem prägendsten Charakterzug mit leicht zitternder Stimme behauptet, dass er so charmant sei, dass Menschen manchmal in Ohnmacht fielen, wenn sie ihm begegnen. Eine "richtige" Antwort liefert er aber umgehend nach: "Ich bin sehr in mich gekehrt. Aber wenn ich schauspiele, bin ich auf einmal sehr selbstbewusst. Schauspielerei erlaubt mir, Dinge zu tun, die ich sonst nie tun würde."

Aber das ist nicht der einzige Vorteil, den die Schauspielerei mit sich bringt: Im günstigsten Fall wirke sich eine Rolle positiv auf sein eigenes Wesen aus, erklärt der New Yorker, der seine Locken unter einem Cap der Golden State Warriors versteckt, in gewohnt hohem Tempo: "Wenn ich eine Person spiele, die sich selbst liebt, fühle ich mich privat auch besser." Der Illusionist, den er im Thriller "Die Unfassbaren - Now You See Me" spielt, sei ein gutes Beispiel: "Ich leide unter riesigem Lampenfieber. Meine Figur im Film ist hingegen der selbstsicherste Bühnenkünstler der Welt. Durch ihn habe ich begriffen, dass ich mich nur quäle, wenn ich mir nicht erlaube, mich auf der Bühne wohl zu fühlen. Seitdem kann ich mir einreden, persönlich auch selbstsicher zu sein." Allerdings funktioniert das auch andersherum: "Spiele ich dann einen Menschen, der sich hasst, dann hasse ich mich auch und bin überzeugt davon, dass ich im Film ganz furchtbar bin."

Ungünstigerweise wird Jesse Eisenberg gerade dann gern zum Casting gebeten, wenn verletzliche junge Männer gesucht werden: Auch wenn etwa "Zombieland" (2009) und "To Rome With Love"(2012) witziger ausfielen als beispielsweise "Der Tintenfisch und der Wal" (2005) und "The Social Network" (2010) - auch in Komödien spielt der Schauspiel-Autodidakt meist Außenseiter. Vielleicht, weil ihm diese Rolle schon aus der Schulzeit bekannt ist? "Ich kam mit niemandem zurecht", rekapituliert der Sohn jüdischer Eltern sein Intermezzo an einer Religionsschule und verfällt dabei sogleich wieder ins Ironische: "Wenn Gott der Einzige in der Klasse ist, mit dem du etwas anfangen kannst, macht Schule nicht besonders viel Spaß. Und selbst Gott hat irgendwann aufgehört, mit mir zu reden." Die Religion und er hätten sich mit seinem Schulwechsel übrigens einvernehmlich getrennt.

Wie dem auch sein, dass der Architektur- und Katzenliebhaber prinzipiell den gleichen Rollentyp angeboten bekommt, seit er mit 19 im Film "Sex für Anfänger" die Aufmerksamkeit der Kritiker auf sich zog, störe ihn nicht: "99 Prozent aller Filmfiguren haben keinerlei Innenleben. Sie müssen nur eine Aufgabe erfüllen: 'Das ist der Typ, der das Zigarettenetui bringt'", erklärt Eisenberg. "Vielleicht werde ich eines Tages auch nur noch solche Rollen abbekommen. Bis es soweit ist, werde ich deshalb sehr zufrieden damit sein, die verletzlichen Heranwachsenden zu spielen."

Und wenn er etwas Abwechslung braucht, dann schreibt sich der "New Yorker"-Kolumnist seine Rollen eben selbst. Bis vor Kurzem stand Eisenberg in New York Abend für Abend in einem Stück auf der Bühne, dass er vor einigen Jahren verfasste. "Ich schreibe immer, wenn ich gerade nicht drehe - also sehr oft. Als Filmschauspieler, selbst als erfolgreicher, hat man eigentlich sechs Monate im Jahr frei. Es ist wichtig, sich in dieser Zeit anderen Dingen zu widmen, sonst wird man verrückt." Und wie sind die Parts so, die er sich auf den Leib schneidert? "Das sind immer ganz furchtbare Menschen." Aber meinte er nicht vorhin, dass er sich beim Spielen solcher Rollen auch privat immer mies fühle? "Wahrscheinlich macht es mir Spaß zu leiden", schließt Eisenberg mit einem leisen Seufzer.

Fanpage Jesse Eisenberg

Fanpage Jesse Eisenberg

Homepage "Die Unfassbaren - Now You See Me"

teleschau

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