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Panorama Weiße Weihnachten 2018: Chancen auf Schnee an den Weihnachtstagen
Nachrichten Panorama Weiße Weihnachten 2018: Chancen auf Schnee an den Weihnachtstagen
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11:59 14.12.2018
Weihnachten ganz in weiß? Eine schöne Vorstellung, doch wie stehen eigentlichen die Chancen für Schnee an Weihnachten 2018? Quelle: Arne Dedert/dpa
Hannover

„I’m dreaming of a white christmas...“ - nicht nur Bing Crosby träumte von einer weißen Weihnacht. Jedes Jahr lautet die Frage, die sich viele schon im Sommer stellen: Wird es dieses Jahr an Weihnachten schneien? Laut einer Umfrage von Statista fänden es 70 Prozent der Deutschen „schön“, wenn es an Weihnachten schneit. Kein Wunder, schließlich sind in der Vorstellung vieler Menschen Weihnachten und Schnee eng miteinander verknüpft.

In unzähligen Weihnachtsliedern, Geschichten, Filmen und natürlich auch in der Werbung, verwandelt sich die Welt an Weihnachten in ein zauberhaftes Schneeparadies. Das Bild, das wir von Weihnachten haben, ist somit stark verzerrt. Denn meteorologisch betrachtet sind weiße Weihnachten - zumindest in weiten Teilen Deutschlands - eher die Ausnahme.

Was sagen Meteorologen zu Schnee an Weihnachten?

Aus kalendarischer Sicht ist der Wunsch nach Schnee an Weihnachten in unseren Gefilden leider meist zu optimistisch. Offiziell beginnt der Winter auf der Nordhalbkugel nämlich erst wenige Tage vor Heiligabend. Dieses Jahr findet die sogenannte Wintersonnenwende am 21. Dezember statt. An diesem Tag steht die Sonne an ihrem tiefsten Punkt. Es handelt sich somit um den „kürzesten“ Tag des Jahres.

Nun mag man einwenden, dass es ja auch noch den meteorologischen, auch klimatologisch genannten, Winteranfang gibt. Doch der vermeintlich vertrauenswürdige Begriff täuscht. Tatsächlich wurde der 1. Dezember von Meteorologen als Winteranfang festgelegt, um Wetterdaten und Klimaentwicklungen besser auswerten zu können. Das rein praktisch gewählte Datum sagt also herzlich wenig über die Chancen weißer Weihnachten aus.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) klärt auf

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert in diesem Video über die Hintergründe zur Entstehung des Weihnachtstauwetters und zeigt anhand von Statistiken, wie oft man in verschiedenen Regionen in Deutschland mit „Weißen Weihnachten“ rechnen kann.

Welche Bedingungen müssen für Schnee an Weihnachten vorliegen?

Aus meteorologischer Sicht kann von einer „weißen Weihnacht“ nur dann gesprochen werden, wenn an allen drei Festtagen eine mindestens ein Zentimeter hohe Schneedecke liegt. Die klimatischen Bedingungen dafür sind in den meisten Regionen Deutschlands denkbar schlecht. Stattdessen ist ein anderes Wetter deutlich wahrscheinlicher an Weihnachten: das sogenannte Weihnachtstauwetter. Unter Meteorologen wird eine solche, von dem normalen Wetterverlauf abweichende, Wetterlage als Singularität bezeichnet. Andere Beispiele sind die Eisheiligen im Mai oder der Martini-Sommer Mitte November.

Damit es an Weihnachten schneit und der Schnee auch liegen bleibt, muss die Frost- beziehungsweise Schneegrenze dauerhaft tief genug sein. Darüber hinaus spielen die örtliche Höhenlage und Witterung sowie die Windverhältnisse eine entscheidende Rolle. Friert der Boden vor den Feiertagen aus und gibt es ausgiebigen Schneefall, der durch eine kalte Hochdruckphase verfestigt wird. Dann sieht Weihnachten tatsächlich so aus wie in den Filmen.

Weiße Weihnachten 2018: Wie sind die Prognosen?

Eine zuverlässige Wettervorhersage kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gemacht werden. Frühestens fünf bis zehn Tage vor den Feiertagen sind Vorhersagen möglich - und selbst dann ist nicht hundertprozentig Verlass auf sie. Wohl lässt sich aber sagen, dass nach einem besonders heißen Sommer, so wie wir ihn 2018 erlebten, meist ein milder Winter folgt. Das bezieht sich allerdings auf den Durchschnittswert - frostige Perioden, etwa zum Winteranfang oder im Spätwinter sind deswegen nicht automatisch auszuschließen. In ersterem Fall würde das die Chancen auf weiße Weihnachten durchaus erhöhen.

Wer sich damit nicht zufriedengeben möchte, dem seien noch alternative Wetterprognosen, etwa in Form von den berühmten Bauernregeln, ans Herz gelegt. Ob diese eine verlässlichere Form der Wettervorhersage sind, sei dahingestellt: „Dezember warm - Gott erbarm.“

In welchen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten am größten?

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gibt es nur an einem einzigen Ort in Deutschland kontinuierlich Schnee über die Weihnachtstage: Allerdings werden die wenigsten bereit sein, Weihnachten auf der Zugspitze, dem höchsten Berg in Deutschland, zu verbringen. Abgesehen davon sind die Chancen für weiße Weihnachten im Alpenvorland und im Mittelgebirge relativ gut.

Unter den deutschen Großstädten liegen die bayerischen vorne. In München lag zwischen 1971 und 2015 an 13 von 45 Jahren Schnee an Heiligabend. Das entspricht einem prozentualen Anteil von 29 Prozent. In Regensburg und Augsburg sind es gar 38 beziehungsweise 31 Prozent. Dahinter folgen ostdeutsche Großstädte: Potsdam (27 Prozent), Chemnitz (29 Prozent) und Erfurt (27 Prozent) waren seit 1971 vergleichsweise häufig an Heiligabend von Schnee bedeckt.

Im norddeutschen Tiefland, im Rheinland und an der Küste ist die Wahrscheinlichkeit für Schnee an den Weihnachtsfeiertagen dagegen statistisch betrachtet eher gering. So lag in Cuxhaven zwischen 1971 und 2015 an gerade einmal vier, in Helgoland sogar nur an zwei Jahren Schnee an Heiligabend. In Hamburg liegt der prozentuale Anteil bei 11, in Hannover bei immerhin 18 Prozent. Schlechter sieht es dagegen in Düsseldorf (9 Prozent) und Köln (11 Prozent) aus.

Einen Überblick über die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten in Deutschland gibt die folgende Karte des Deutschen Wetterdienstes:

(Quelle: Deutscher Wetterdienst)

Gab es früher häufiger weiße Weihnachten?

Früher war alles besser. Natürlich auch das Wetter. Mindestens genauso häufig wie die Frage, ob es an Weihnachten Schnee gibt, ist die Behauptung zu hören, dass es „früher“ viel häufiger weiße Weihnachten gegeben habe. Statistisch betrachtet eine schwer haltbare Behauptung. Tatsächlich sticht ein Zeitraum in den letzten sechzig Jahren heraus: Von 1961 bis 1964 gab es eine Folge sehr kalter Winter mit weißen Weihnachten in vielen Orten. Allerdings handelt es sich hierbei um vier außergewöhnliche Jahre. Eine vergleichbare Serie hat es in Deutschland seitdem nicht mehr gegeben.

Landesweit Schnee an Weihnachten gab es zuletzt 2010. Damals sorgten frostige Temperaturen in der Winterfrühphase vielerorts für weiße Weihnachten. Abrupt vorbei mit dem Winterzauber war es dann aber ab Januar 2011. Wenn also von mehr weißen Weihnachten in der Vergangenheit gesprochen wird, liegt meist ein verzerrtes Bild zugrunde. Einerseits bleiben schöne Kindheitserinnerungen - und weiße Weihnachten zählen sicherlich dazu - oftmals besser im Gedächtnis. Andererseits ist es auch denkbar, dass sich ältere Generationen noch gut an die außergewöhnliche Kälteperiode in den frühen Sechzigern erinnern.

Die animierte Karte zeigt, wo es in den Jahren seit 1971 mindestens einen Weihnachtstag mit Schneedecke gegeben hat.

(Quelle: Deutscher Wetterdienst)

Ist die globale Erderwärmung Schuld, dass es keine weißen Weihnachten mehr gibt?

Zunächst einmal ist die Fragestellung problematisch, denn sie geht davon aus, dass es früher häufiger Schnee an Weihnachten gegeben habe. Das ist aber angesichts der Daten, die Wetterforscher seit Jahrzehnten sammeln, ein Mythos. Tatsächlich ist mildes Wetter an Weihnachten typisch für viele Regionen in Deutschland. Ganz unschuldig ist der Klimawandel aber auch nicht. Zwar ist er nicht dafür verantwortlich, dass es über die Weihnachtsfeiertage selten Schnee gibt, wohl aber dafür, dass milde Winter insgesamt häufiger vorkommen. Die Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes ergeben, dass die letzten sieben Winter überdurchschnittlich mild waren.

Weiße Weihnachten 2018?

Schlittschuhlaufen und Schneeballschlachten - auf diese und weitere Winterfreuden muss in vielen Regionen möglicherweise auch 2018 verzichtet werden. Trotzdem sollte man sich deshalb nicht das Fest verderben lassen. Und den Winterurlaub gibt es ja schließlich auch noch.

Von RND/pf

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