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Politik im Norden Albig auf Jobsuche: Ex-MP bietet sich der Wirtschaft an
Nachrichten Politik Politik im Norden Albig auf Jobsuche: Ex-MP bietet sich der Wirtschaft an
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21:02 11.09.2017
Ist das in Ordnung? Nur wenige Monate nach seiner Abwahl als Ministerpräsident bietet sich Torsten Albig der Wirtschaft an. Quelle: Neelsen
Kiel

„Ich kann sehr gut in einem Team arbeiten“, preist Albig seine Qualitäten an. Er sei „Jurist, Verwaltungsprofi und Generalist“. Und: „Ich muss nicht immer die Nummer eins sein.“ Dass sich ein ehemaliger Regierungschef noch unterordnen könne, würden zwar viele nicht glauben. Ex-Ministerpräsidenten seien daher „nicht ganz leicht vermittelbar“. Aber: „Wer eine Regierung geführt hat, weiß auch die Bedeutung der zweiten Reihe zu schätzen.“

Daniel Günther und sein neues Kabinett in Kiel

Ein Jobangebot hat der 54-jährige SPD-Ex-MP nach eigenem Bekunden bislang allerdings noch nicht vorliegen. 2001, zwischen seiner Tätigkeit als Sprecher des Bundesfinanzministeriums und seinem Wechsel als Stadtrat nach Kiel, hatte er bereits schon einmal ein gut einjähriges Intermezzo in der Wirtschaft gegeben – als Konzernsprecher der Dresdner Bank. SPD-Chef Ralf Stegner wünscht Albig für einen zweiten Wechsel denn auch „alles Gute“. Albig müsse jetzt eben „das tun, was er gerne möchte“. „Wir freuen uns über jeden, der sich beruflich weiterbringen möchte“, sagt auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki.

Den Landtags-Grünen hingegen stoßen Albigs schnelle Wechsel-Absichten sauer auf. Der Wirtschaftspolitiker Andreas Tietze (Grüne) fordert „volle Transparenz“. Albig müsse offenlegen, zu welchem Unternehmen er wechseln wolle. Dann müsse man sich den Vorgang sehr genau ansehen. Er dürfe als MP keinen Einfluss auf Entscheidungen gehabt haben, die die Interessen dieser Firma berühren. Und er müsse auf jeden Fall eine mindestens einjährige Karenzzeit wahren. Schließlich habe gerade Albigs Küstenkoalition die Regeln für Politiker-Wechsel in die Wirtschaft verschärft. Der Ex-MP sei ja auch finanziell gut abgesichert, bekomme Übergangsgeld vom Land. CDU-Fraktionschef Tobias Koch fordert Albig sogar auf, zwei Jahre Karenzzeit einzuhalten.

Albig hatte gleich nach der Wahlniederlage seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Sein Landtagsmandat nahm er gar nicht erst an. Für das schlechte Abschneiden macht er im Interview vor allem eine falsche Kampagne verantwortlich: „Der mehr nach links ausgerichtete Gerechtigkeitswahlkampf hat uns leider auch Stimmen in der Mitte gekostet.“ Man hätte viel stärker die Regierungserfolge in den Mittelpunkt stellen müssen. Und er selber hätte sich den Diskussionen mit Günther stellen und nicht Stegner vorschicken sollen.

Bei der Bundestagswahl sieht Albig für die SPD ebenfalls nur minimale Siegchancen. Es sei „unglaublich schwer, gegen eine Politikerin vom Typus Angela Merkel erfolgreich Wahlkampf zu machen“. Sie ströme „eine unendliche Langeweile aus, und das kommt bei den Deutschen leider gut an“. 

Von Wolfram Hammer

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