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Britta Ernst wird Bildungsministerin in Brandenburg

Kiel/Potsdam Britta Ernst wird Bildungsministerin in Brandenburg

Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 7. Mai ging für die SPD verloren. Die Karriere ihrer Bildungsministerin Britta Ernst geht weiter. Die 56-jährige Sozialdemokratin und Ehefrau von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz übernimmt jetzt das gleiche Amt in Brandenburg.

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Britta Ernst (SPD) wird am 26.09.2017 in Potsdam (Brandenburg) in der Staatskanzlei als neue Bildungsministerin vorgestellt.

Quelle: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa

Kiel/Potsdam. Britta Ernst, 56 Jahre alt, gelernte Immobilienkauffrau, studierte Sozialökonomin. Hamburgerin durch und durch. Sie lebt im Herzen der Stadt, in Altona. Als „hanseatisch unaufgeregt und pragmatisch“ wird sie oft bezeichnet.

Was das bedeutet, machte sie gleich  bei ihrer Ankunft in Kiel im September 2014 klar. Ein  turbulenter Sommer lag hinter der Regierung von SPD-Ministerpräsident Torsten Albig. Ernsts Vorgängerin Wara Wende, eine parteilose Bildungs-Professorin, war monatelang durch eine Affäre um ein dubioses Rückkehrrecht gestolpert, das sie sich an ihrer Ex-Uni hatte einräumen lassen. Auch davor schon hatte Wende die Schlagzeilen beherrscht. Und dass nicht nur, weil sie das zweigliedrige Schulsystem einführte und die Lehrerbildung an den Unis neu aufstellte, sondern vor allem, weil all das bei ihr nie ohne großen Krach mit allen Beteiligten abging.

Schließlich ließ Albig Wende fallen. Britta Ernst kam. Und nach zwei Monaten fand das Bildungsministerium in der Presse kaum noch statt. Die neue Ministerin reiste durch die Schulen und erntete dort trotz ihrer nach außen hölzernen Art schnell die Anerkennung der Praktiker. Sie halte keine Vorträge,  sie höre tatsächlich zu, hieß es. Ministeriumsmitarbeiter lobten ihre klaren Ansagen.  Die Reduzierung des Unterrichtsausfalls setzte sie sich selbst zum Ziel.  Ideologische Reformen hingegen seien nicht so ihr Ding, ließ sie schnell auch öffentlich durchblicken. Das enttäuschte manchen Sozialdemokraten und Grünen. Als Angriffsfläche für Kritik der CDU- und FDP-Landtagsopposition eignete sie sich damit aber kaum noch. Ihr selber liegen Polemik und scharfe Reden ohnehin nicht.

Dabei beackerte sie das Thema Bildung seit Jahren schon mit Herzblut. „Erst die sozialdemokratischen Bildungsreformen der 70er Jahre haben es mir möglich gemacht, Abitur zu machen und zu studieren“, sagt die 56-Jährige. Das habe sie geprägt und ihr gezeigt, dass  „Politik die Gesellschaft zum Besseren verändern kann“. 1978 trat sie in die SPD ein. Bald schon saß sie in der Bezirksversammlung Altona. Als sie 1997 in die Hamburgische Bürgerschaft einzog, wurde sie gleich bildungspolitische Sprecherin.

Als ihr Mann Bürgermeister wurde, legte Britta Ernst das Mandat nieder und arbeitete für die Bundestagsfraktion. Schon 2009 allerdings hatte SPD-Nord-Chef Ralf Stegner sie als Bildungsexpertin in sein Schattenkabinett zur Landtagswahl geholt. Damals gewann die CDU. 2014 aber regierte Albig, und er berief sie tatsächlich nach Kiel.  Britta Ernst ließ sich von dem Trubel, der damals um ihr Ministerium herrschte, nicht beeindrucken. Sie werde sich jetzt erst mal in aller Ruhe einarbeiten und dann „die gute Bildungspolitik im Land fortsetzen“, erklärte sie. Ihr Ziel: „Alle Eltern müssen ihre Kinder ohne Sorgen an die jeweilige Schule schicken können.“ Die Unterrichtsversorgung habe dabei hohen Stellenwert, und die Qualität des Unterrichts ebenso. Und auch die Inklusion wolle sie vorantreiben.

Wie weit ihr das dann gelungen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Sie hat vieles nur mit ruhiger Hand verwaltet, was sie besser hätte gestalten sollen“, sagt die Kieler CDU-Bildungspolitikerin Britta Franzen. Die Idee, Inklusions-Zentren zu schaffen etwa, sei in ihrer Amtszeit versandet. Britta Ernst habe viele wichtige Dinge umgesetzt, lobt hingegen ihr SPD-Kollege Martin Habersaat. Sie habe zum Beispiel Digitale Modellschulen ins Leben gerufen, Jugendberufsagenturen gegründet, die Wiedereinführung des Bildungsberichts und zahlenorientierte Steuerungsprozesse im Ministerium durchgesetzt. Ihre persönliche Art allerdings loben auch die damaligen Gegner. „Man konnte immer mit ihr reden“, sagt Heike Franzen. Und auch CDU-Ministerpräsident Daniel Günther, damals Oppositionsführer im Landtag, betont: „Ihr Umgang war immer fair.“ Man müsse ja nicht alles richtig finden, was Britta Ernst entschieden habe, sagt Günther, „aber sie hat  immer unaufgeregt ihre Arbeit gemacht“.

Von Wolfram Hammer

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