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Politik im Norden Das Ende des Kükentötens rückt näher
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20:00 08.11.2018
Viele männliche Küken sterben einen grausamen Tod. Quelle: Imago
Berlin

Seit Jahren wird daran geforscht, am Donnerstag nun versprach Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) den „Durchbruch“. Mit einem neuartigen technischen Verfahren soll bereits im Brut-Ei das Geschlecht bestimmt werden können. Das bislang praktizierte Töten von männlichen Küken, kurz nachdem sie aus dem Ei geschlüpft sind, könnte damit beendet werden.

Kieler Minister Albrecht erfreut

Klöckner kommt mit dem von ihrem Ministerium geförderten Projekt einer Forderung der grünen Kieler Landwirtschaftsminister nach. „Es ist gut, das nun endlich der Ausstieg aus der Tötung von Eintagsküken konkret angegangen wird. Dies haben wir schon lange gefordert und in Schleswig-Holstein seit 2014 über die Geschlechtsbestimmung des Brut-Eis konkrete Gespräche geführt. Das massenhafte Töten männlicher Küken muss nun mit dem vorgelegten Ansatz endgültig beendet werden“, sagte Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht den LN. Er stützt sich dabei auf die Arbeit seines Vorgängers und Parteikollegen Robert Habeck.

45 Millionen Küken pro Jahr getötet

Pro Jahr werden allein in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken getötet, die von Legehuhnrassen stammen. Sie haben das Pech, dass sie keine Eier legen können wie ihre weiblichen Geschwister. Auch zum Mästen eignen sie sich nicht, weil sie nicht schnell genug Fleisch ansetzen. Aufgrund der hohen Kosten werden die sogenannten „Bruderhähne“ in den großen Brütereien deshalb getötet und zu Tiermehl verarbeitet. Das gestern vorgestellte Verfahren soll diese, dem Tierschutz widersprechende Praxis beenden. Durch die frühzeitige Geschlechtsbestimmung werden Eier mit männlichen Küken dann gar nicht erst ausgebrütet. Was Klöckner gestern als eine „Weltneuheit“ pries, ist ein automatisiertes Verfahren. Mittels Laser wird ein winziges Loch in die Eierschale gepiekst und ein winziger Tropfen der sogenannten „Allantoisflüssigkeit“ entnommen. Binnen einer Sekunde kann anhand dieser Flüssigkeit festgestellt werden, ob das künftige Küken männlich oder weiblich sein wird.

Leipziger Professorin hat Bestimmungs-Methode entwickelt

Ein Forscherteam um die Leipziger Professorin Almuth Einspanier sowie das Technologie-Unternehmen Seleggt, ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Handelskonzern Rewe, hat das patentrechtlich geschützte Verfahren in mehrjähriger Zusammenarbeit inzwischen „bis zur Marktreife“ geführt, erklärte Klöckner. Doch bis zur massenhaften Anwendung in sämtlichen rund 30 Brütereien in Deutschland werde noch Zeit vergehen. „Ab 2020“ werde das Verfahren den ersten Brütereien zur Nutzung übergeben werden können, sagte die CDU-Ministerin. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD dazu bekannt, das Kükentöten bis 2019 zu beenden. Klöckner sprach gestern gleichwohl von „einem großen Tag für das Tierwohl in Deutschland“.

Rewe macht den Anfang

Rewe-Vize-Vorstandschef Jan Kunath sieht seinen Handelskonzern in einer Vorreiterrolle. Bereits ab diesem Monat werde damit begonnen, Eier in den Handel zu bringen, die von Legehennen stammen, deren Brüder nicht getötet werden mussten. Der Testpartner ist allerdings eine Brüterei in Niederlanden, sagte er. Der Mehrpreis je Ei, die als „respeggt-Freiland-Eier“, vermarktet werden, betrage lediglich einen Cent. Das sei für die Kunden verkraftbar, meinte Rewe-Vize Kunath. Und die Kunden könnten zudem mit gutem Gewissen einen Beitrag gegen das Kükentöten leisten.

Test nach acht Tagen

Weltweit wird derzeit an Methoden zur Geschlechtsbestimmung im Ei geforscht. Beim jetzt vorgestellten Seleggt-Verfahren wird die Bestimmung an Eiern vorgenommen, die bereits acht bis neun Tage bebrütet worden sind. Erst dann könne das weibliche Hormon Östronsulfat nachgewiesen werden. Mit einem anderen Verfahren, an dem ebenfalls geforscht wird, soll die Bestimmung bereits am 3. Tag per Spektroskopie vorgenommen werden können. Das Berliner Ministerium fördert zudem die Züchtung sogenannter Zwei-Nutzungs-Hühnerrassen. Die Hühner legen Eier, ihre männlichen Geschwister werden gemästet, wie das viele Biobetriebe bereits heute tun.

Reinhard Zweigler

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