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Entsetzen bei der Nord-FDP: Berliner Träume sind geplatzt

Entsetzen bei der Nord-FDP: Berliner Träume sind geplatzt

Wolfgang Kubicki, Spitzenkandidat der FDP, sah sich schon im Bundestag. Doch die Partei stürzt böse ab. Die Analyse in Kiel ist schonungslos.

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Betretene Gesichter im Kieler „Galileo“, als die erste Wahl-Prognose über den Bildschirm flimmert: Bernd Buchholz (l.), Landeslisten-Zweiter, und FDP-Landeschef Heiner Garg sind konsterniert.

Quelle: dpa

 Als Bernd Buchholz, FDP- Landeslisten-Zweiter in Schleswig-Holstein, eine halbe Stunde vor Schließung der Wahllokale im Kieler Szenelokal „Galileo“ eintrifft, nimmt Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki ihn gleich wieder mit vor die Tür. Es gilt, die jüngsten Hiobsbotschaften zu überbringen. Die Fünf-Prozent-Hürde werde wohl nicht übersprungen, sickert aus Berlin durch. Landeschef Heiner Garg gesellt sich dazu, spricht erregt in sein Smartphone. Die Gesichter der FDP-Anhänger im „Galileo“ sind angespannt. Hier wollten sie feiern. An diesem Abend bleibt es bei der schönen Absicht. Manch Beerdigung ist fröhlicher.„In vier Jahren um zehn Prozentpunkte abzustürzen – das ist schon eine Leistung“, sagt Kubicki ironisch. Später am Abend wird er sich noch pointierter äußern. Kubicki, der eine Karriere in Berlin fest in seinem Lebensplan hatte, ist tief enttäuscht. Natürlich reize ihn Berlin, hat er noch am Sonntagnachmittag gesagt. Eine faszinierende, pulsierende Stadt, schwärmt er. Im Haushaltsausschuss des Bundestages würde er gern mitarbeiten.

Krisengespräche in Berlin

Nun weiß er nur noch „die gute Nachricht“ zu verbreiten, er werde Schleswig-Holstein erhalten bleiben – wahrscheinlich. Er fahre jetzt nach Berlin, Krisengespräch mit Christian Lindner. Und komme danach zurück – wahrscheinlich. Dieses „wahrscheinlich“ lässt aufhorchen. Warten auf Kubicki doch größere Aufgaben? Oder kokettiert er? „Frühestens am Montag mehr“, sagt der Jurist auf Nachfrage.

Schonungslose Abrechnung

Die Abrechnung mit der Bundespartei ist an diesem Abend schonungslos. „Eine Klatsche für die Partei“, sagt Buchholz. Auch die Träume des Ex-Vorstandschefs von Gruner + Jahr sind mit dem verpassten Einzug in den Bundestag geplatzt. Für ihn sei die gescheiterte „Bewerbung“ jedoch nicht das Ende. Er plane „ein längerfristiges politisches Engagement“.

"Wir wussten, dass es eng wird."

Landeschef Garg poltert: „Wir wussten, dass es nach den Zahlen der Landtagswahlen in Bayern kein Spaziergang für uns wird, wussten, dass es eng wird.“ Als sich die Hochrechnungen verfestigen, spricht Garg von einer krachenden Niederlage. „Die erniedrigende Mitleidskampagne der vergangenen Wochen hat uns genau die Stimmen gekostet, die jetzt fehlen.“ Garg meint den Aufruf, um Zweitstimmen betteln zu gehen.

Immerhin ein bisschen besser als im Bund

„Wir wollen weiter starke Liberale in Schleswig-Holstein bleiben“, intoniert er. Später wird klar, dass die FDP im Norden 5,6 Prozent erreicht – immerhin ein bisschen besser als im Bund. „Wer fünf Bundesminister hat und derart abgestraft wird, hat etwas falsch gemacht“, sagt Garg und erntet Applaus. Kubicki verspricht, dass in Berlin jetzt „aufgeräumt“ wird. Heißt: Parteichef Philip Rösler muss weg. Kubickis Favorit heißt Christian Lindner, mit dem er sich gut versteht. So könnte es für den „Lautsprecher“ des Landtags doch noch zu einer Karriere in Berlin reichen. Nicht im Bundestag, sondern in der Bundespartei. Gerüchten zufolge könnte Kubicki als Generalsekretär beim „Aufräumen“ mithelfen. Seine Partei will er nicht beerdigt sehen, nicht nach 42-jähriger Mitgliedschaft bei den Liberalen. Kubickis Fazit des Wahlsonntags: „Nur eine Partei, die sich klein macht, wird auch klein bleiben.“  Curd Tönnemann

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