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Politik im Norden Küsten-SPD kämpft im Wahl-Endspurt mit Gegenwind
Nachrichten Politik Politik im Norden Küsten-SPD kämpft im Wahl-Endspurt mit Gegenwind
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16:04 27.04.2017
Der SPD-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gestikuliert am 21.03.2017 bei einem Interviewtermin in seinem Büro. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Für Torsten Albig (53) kommt es kurz vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein ziemlich dick: Ein verunglücktes Interview, offener Widerspruch von Parteichef Martin Schulz und kein Sieg im TV-Duell gegen CDU-Herausforderer Daniel Günther (43) - das ist alles nicht schön für den Ministerpräsidenten in den letzten Tagen vor der Abstimmung. Nun verhagelt den Sozialdemokraten noch eine Umfrage die Stimmung. Laut ZDF-„Politbarometer“ hat erstmals in diesem Jahr die CDU die Nase vorn. Sie kann demnach für den 7. Mai mit 32 Prozent rechnen, die SPD nur noch mit 30 Prozent.

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Wie in Nordrhein-Westfalen, wo eine Woche später gewählt wird, ist die Demoskopie derzeit kein Freund der Genossen. Das ist gerade für den als Überflieger gestarteten Merkel-Herausforderer Schulz misslich. Sollte es nach dem Saarland an der Küste den nächsten Rückschlag geben, würde vom „Schulz-Effekt“ wohl nicht mehr viel übrig sein.

Noch bis zur Vorwoche hatten alle Umfragen dieses Jahres SPD, Grünen und SSW (Südschleswigscher Wählerverband) große Hoffnungen auf eine Neuauflage ihrer seit 2012 bestehenden Koalition gemacht. Nach der aktuellen Umfrage würde es dafür nicht reichen. Das „Politbarometer“ verheißt den Grünen 12 Prozent, dem SSW 3, der FDP 9, der AfD 6 und der Linken 5 Prozent. Damit wäre - abgesehen von einer großen Koalition - eine „Ampel“ aus SPD, FDP und Grünen ebenso möglich wie ein „Jamaika“-Bündnis aus CDU, FDP und Grünen - politisch beides denkbar. Und auch Rot-Rot-Grün, eventuell unter Einbeziehung des SSW, rückt wieder näher in den Fokus. Albig hat dies auch im TV-Duell am Dienstag nicht ausgeschlossen.

Visualisierungen der Ergebnisse:

Günther verlangt von Albig am Donnerstag eine klare Stellungnahme dazu. Zugleich sieht er sich im Ziel bestärkt, mehr als 35 Prozent zu erreichen. Albig gibt sich unerschütterlich optimistisch. „Die heutige Umfrage spornt uns an.“ Die SPD werde bis zum 7. Mai um jede Stimme kämpfen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir als SPD stärkste Kraft werden und unsere Küstenkoalition fortsetzen können.“

Der bizarrste Moment des TV-Duells zwischen Albig und Günther könnte der SPD zur Wahl richtig wehtun. „Sie haben mich mal Verdi-Schlampe genannt im Landtag“, warf eine Verdi-Frau mit SPD-Parteibuch dem CDU-Kandidaten vor, der dies sofort zurückwies. Ein Beleg für die Anwürfe der Gewerkschafterin, die dem SPD-Kreisvorstand Flensburg angehört, ist in den Landtagsunterlagen nicht zu finden. Dass dahinter eine „SPD-Schmutzkampagne“ steckt, wie CDU-Spitzenkandidat Günther es darstellt, kann dieser ebenfalls nicht beweisen. Spekulationen dazu gibt es im Internet dennoch zuhauf.

Der Vorfall löste ein enormes Medienecho aus. Auf der Zielgeraden bekommt der bis dato sauber gelaufene Wahlkampf in dem früher von Politik-Skandalen erschütterten Land doch noch einen Schmutzfleck.

Auch politisch läuft es für Albig in dieser Woche nicht so gut. SPD-Chef Schulz geht bei Wahlkampfauftritten im Norden ebenso auf Distanz zum Abschiebestopp der Landesregierung für Flüchtlinge aus Afghanistan wie zuvor schon Außenminister Sigmar Gabriel.

In der Öffentlichkeit löst Albig auch mit einem Interview im Magazin „Bunte“ Kritik aus. Diese bezieht sich sowohl auf die Verkündung von Heiratsplänen so kurz vor der Wahl als auch auf Albigs Schilderungen zur Trennung von seiner langjährigen Ehefrau. Sein Leben habe sich schneller entwickelt als ihres und man habe sich kaum noch auf Augenhöhe ausgetauscht, sagt Albig. „Ich war beruflich ständig unterwegs, meine Frau war in der Rolle der Mutter und Managerin unseres Haushaltes gefangen.“ Dies werfe er sich insbesondere selbst vor, sagt Albig aber auch.

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