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Politik und Wirtschaft im Norden reagieren entsetzt

Kiel/Hamburg Politik und Wirtschaft im Norden reagieren entsetzt

Mit Entsetzen haben Politiker im Norden auf den Wahlausgang in den USA reagiert. In den sozialen Netzwerken verschafften sich am Morgen einige von ihnen Luft. Auch Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ist in Sorge.

Unter anderem Torsten Albig reagierte fassungslos auf das Wahlergebnis in den USA und dass Donald Trump neuer Präsident wird.

Quelle: dpa

Kiel/Hamburg. Torsten Albig zu Trump: "Immer am 9. November gucken wir mit Sorge, was in der Welt geschieht. Selten sind wir an einem Morgen so verunsichert in einen Tag gestartet. Rassisten und Spalter haben uns immer Unglück gebrsacht." Das sagte Albig zur Eröffnung des Flüchtlingsgipfels in der Lübecker MuK.

Unter anderem sprach auch Ralf Stegner, Landes- und Fraktionsvorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein von einem "politischen GAU", wenngleich er das Ergebnis der demokratischen Wahlen respektieren werde.

Wolfgang Baasch, Lübecker Landtagsabgeordneter in Kiel, nennt Trump auf Twitter einen "Rechtspopulisten". Die Wahl sei "bitter und die Folgen eine Herausforderung für die ganze Welt".

Ähnlich fassungslos äußerte sich Katharina Fegebank auf Twitter. Die Wissenschaftssenatorin und Zweite Bürgermeisterin Hamburgs wollte nicht glauben, dass ihre schlimmsten Befürchtungen tatsächlich wahrgeworden sind.

Katja Suding, Vorsitzende der FDP-Fraktion in Hamburg und stellvertretende Bundesvorsitzende, wiederum sei heute Morgen "schweißgebadet aus meinem Albtraum" aufgewacht, schreibt sie auf Twitter.

Er hätte sich ein anderes Wahlergebnis gewünscht, sagte Hamburgs Bürgermeister und SPD-Bundesvize Olaf Scholz am Mittwoch in Hamburg, wo Trump im kommenden Juli nun zum G-20-Treffen erwartet wird. „Jetzt hilft aber kein Lamentieren. (...) Das westliche Bündnis ist zu wichtig.“ Auch die Wirtschaft zeigte sich skeptisch.

„Ich bin sehr traurig über dieses Ergebnis“, erklärte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne). Europas Bürger müssten nun alles dafür tun, um den Schaden für die internationalen Beziehungen, die Weltwirtschaft und den Klimaschutz so gering wie möglich zu halten. „Bei vielen Trump-Wählerinnen und -Wählern wird sich schnell Ernüchterung breitmachen, wenn sie merken, dass es ihnen wirtschaftlich nicht besser, sondern schlechter geht“, prognostizierte Fegebank.

Die Hamburger FDP-Fraktions- und Parteivorsitzende Katja Suding twitterte: „Wache schweißgebadet aus meinem Albtraum auf. Und stelle fest, dass er Realität geworden ist.“ Die Grünen-Abgeordnete Stephanie von Berg erklärte über den Kurznachrichtendienst schlicht: „Ich fühle mich wie nach Tschernobyl.“

Wenige Freude herrschte auch bei der Umweltorganisation BUND. „Ein neuer Präsident, der den Klimawandel für eine Erfindung hält und alles den (Wirtschafts-) Interessen Amerikas unterordnen will...Hoffen wir auf eine Demaskierung und die Kongresswahlen in zwei Jahren“, erklärte BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch über Facebook.

Bürgermeister Scholz setzt nun auf eine reformierte starke Europäische Union. Die EU müsse sich spätestens jetzt so erneuern, „dass sie eigenständig handlungsfähig wird“. Auch hoffe er, dass die politische Landschaft in den USA nach diesem Wahlkampf zurückfinde zu Vernunft, Verantwortung, zu Maß und Mitte. Ressentiments dürften das politische Handeln nicht leiten, betonte der Regierungschef - und fügte an: „Ich bin sehr besorgt.“

SPD-Bundesvize und Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner twitterte: „Der politische GAU ist eingetreten. Dennoch muss man Ergebnis demokratischer Wahlen respektieren. Auch wenn es einem überhaupt nicht gefällt.“

Der Ökonom und US-Bürger Dennis Snower befürchtet nach Trumps Wahlsieg negative Folgen für die Welt. „Trump muss jetzt beweisen, dass er mehr kann als polarisieren und die Wut auf das Establishment schüren“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. „In Zeiten wachsender globaler Unsicherheit ist Trumps Wahlsieg ein weiterer, großer destabilisierender Faktor.“

Viele von Trumps Äußerungen im Wahlkampf seien Kampfansagen an Grundprinzipien der globalen Ordnung, den Freihandel und die offene Gesellschaft gewesen, sagte Snower. „Vor allem in ökonomischen Fragen hat Trump längst überwunden geglaubte Handelsbarrieren als neue Ideen für amerikanischen Wohlstand verkauft.“ Das Gegenteil werde passieren, wenn Trump seine Ankündigung von Zöllen, Subventionen und einem abgeschotteten Binnenmarkt wahr mache. „Amerika wird ärmer werden, der weltweite Wohlstand durch weniger Handel zurückgehen.“

Der Außenhandelsverband AGA warnte vor Einschränkungen des Freihandels. „Wenn der neue Präsident seine Drohung wahr macht (...), wird dies negative Folgen für den Welthandel, für die USA, aber auch für Deutschland haben“, erklärte AGA-Präsident Hans Fabian Kruse. Kurzfristig würden die TTIP-Verhandlungen ebenfalls massiv erschwert, „aber vielleicht ergeben sich mittelfristig neue Perspektiven“.

Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer warnte ebenfalls vor den Folgen: „Uns bleibt die Hoffnung, dass der neue amerikanische Präsident seine angekündigte wirtschaftliche Abschottungspolitik nicht Eins zu Eins umsetzen wird, denn auch die US-Wirtschaft ist ja darauf angewiesen, ihre Produkte auf den Weltmärkten abzusetzen.“

Die AfD Hamburg wünschte Trump eine glückliche Hand für die Aufarbeitung zahlreicher Probleme und Verwerfungen in den USA. „Vieles, was Trump im Wahlkampf ansprach, wie die Notwendigkeit gesicherter Grenzen, die Verurteilung von Merkels Flüchtlingspolitik und mehr Klugheit bei außenpolitischen Interventionen, vertritt auch die AfD“, erklärte Hamburgs Parteichef Bernd Baumann. Die neue Administration müsse nun zeigen, „dass sie andere Wege weisen kann, als jene des alten Establishments, deren die Wähler - oft zu recht - überdrüssig waren“.

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