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Politik im Norden Schon Grundschüler sollen Programmieren lernen
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20:16 27.10.2017
Ein Viertklässler sitzt am 17.12.2015 in der Grundschule Neu-Ulm Offenhausen (Bayern) während des Programmier-Unterrichts an einem Computer. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Kiel

„Ich finde es richtig, schon Grundschüler spielerisch an das Thema Programmieren heranzuführen“, sagt die Kieler Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Das wohl größte Problem: Nicht nur die Schüler, sondern auch viele Lehrer müssen den Umgang mit digitalen Medien lernen. Ein anderes Problem heißt: Wer zahlt? Spendierfreudige Wirtschaftsunternehmen sichern sich bereits Marktanteile.

Gerade ein Jahr ist es her, dass Ex-Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) in Berlin vollmundig einen „Digitalpakt“ ankündigte. Mit fünf Milliarden Euro sollten Deutschlands Schulen innerhalb von fünf Jahren fit gemacht werden. Doch im Bundeshaushalt für das nächste Jahr ist dafür kein Geld verankert.

Schleswig-Holstein wollte nicht länger warten, hat 113 Modellschulen ausgesucht, damit es los geht. Schon Grundschüler sollen mit Mini-Computern lernen. Der Miniprozessor „Calliope“ als Einstieg sei dabei eine von vielen Möglichkeiten, teilt das Kieler Bildungsministerium mit. Eine Entscheidung für ein bestimmtes Produkt und einen bestimmten Anbieter sei noch nicht getroffen. Das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) sei dabei, verschiedene Anbieter und Produkte zu sichten. Letztlich entscheidet der jeweilige Schulträger über die Ausstattung.

Eine gemeinnützige Firma aus Berlin ist dabei, digitale Pilotschulen kostenlos mit dem Einplatinen-Computer „Calliope mini“ auszustatten, maßgeblich finanziert vom Internet-Giganten Google. Drei digitale Klassenzimmer im Land werden für eineinhalb Jahre bereits von Samsung finanziert. Die Lehrer-Gewerkschaft GEW sieht die Einmischung der Wirtschaft skeptisch. Landesgeschäftsführer Bernd Schauer: „Schulen begeben sich zu sehr in die Abhängigkeit einzelner Unternehmen.“

Eine der Modellschulen ist die Elisabeth-Selbert-Gemeinschaftsschule in Bad Schwartau, wo jeweils eine Klasse des fünften und sechsten Jahrgangs am iPad lernt. Die Eltern der Schüler hatten die Geräte allerdings nach Auskunft von Schulleiter Torsten Hardt selber anschaffen müssen. Die Modellschulen wurden vom Land im vergangenen Jahr mit insgesamt 300 000 Euro gefördert, im laufenden Jahr fließt eine halbe Million.

Der GEW-Landesverband mahnt die Kieler Jamaika-Koalitionäre, auch die Pädagogen für die digitale Welt fit zu machen. Schauer: „Es fehlt an attraktiven Fortbildungsangeboten, damit Lehrer mit ihren Schülern mithalten können.“

Die Bertelsmann-Stiftung hatte Schleswig-Holstein erst jüngst attestiert, bei der IT-Ausstattung der Schulen im Bundesvergleich hinterherzuhinken. Selbst etablierte Medien wie Youtube oder Wiki-Nachschlagehilfen kämen im Unterricht nur gelegentlich zum Einsatz. „Die Aufholgeschwindigkeit bei uns ist aber enorm“, sagt Ministeriumssprecher Thomas Schunck.

Von Curd Tönnemann

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