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Politik im Norden Schulzeugnisse: Lehrer sollen wieder Noten geben müssen
Nachrichten Politik Politik im Norden Schulzeugnisse: Lehrer sollen wieder Noten geben müssen
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18:39 29.05.2018
Schleswig-Holstein führt zum kommenden Schuljahr wieder verbindlich Noten ab der dritten Klasse ein. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Kiel

Trotz Kritik etwa von Kinderschutzbund, Bildungsgewerkschaft GEW und SPD bleibt es dabei: Schleswig-Holstein führt zum kommenden Schuljahr wieder verbindlich Noten ab der dritten Klasse ein. Die entsprechende Grundschulverordnung solle am 1. August in Kraft treten, teilte das Bildungsministerium auf Nachfrage mit.

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte, sie wolle nicht zurück zur Paukschule der 1950er und 1960er Jahre. Aber Noten seien ein gutes Rückmeldesystem für Eltern und Schüler. „Deshalb sollen Notenzeugnisse ab Jahrgang drei in Schleswig-Holstein wieder den Regelfall darstellen.“

Notenzeugnisse können - soweit die Schulkonferenz dies beschließt - nach Angaben des Bildungsministeriums durch mündliche Rückmeldungen zu den Leistungen in den Fächern ergänzt werden. Zudem können Grundschulen Notenzeugnisse mit Beschluss des mit Eltern und Lehrern besetzten Gremiums auch gänzlich durch Berichtszeugnisse ersetzen. Der Beschluss für Berichtszeugnisse ist gültig, wenn ihm die Mehrheit der gewählten Vertreter der Lehrkräfte in der Schulkonferenz zugestimmt hat.

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Auch in den Jahrgangsstufen fünf bis sieben sollen Notenzeugnisse der verordnungsrechtliche Normalfall werden. Bisher erhalten Schüler dieser Klassenstufen an Gemeinschaftsschulen grundsätzlich ein Berichtszeugnis. Auch hier gilt: Per Beschluss der Schulkonferenz können Notenzeugnisse ergänzt oder komplett durch Berichtszeugnisse ersetzt werden.

Die SPD kritisierte die Verpflichtung zu Noten in Grundschulen. „Schulnoten sind schon immer fast ausnahmslos nur für gute Schülerinnen und Schüler ein unterstützendes Bewertungsmaß“, sagte der schulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Kai Vogel. Schwächeren Kindern hülfen sie in der Regel nicht, sondern führten häufig zu ihrer Stigmatisierung und damit verbundenen Schulängsten. Vogel kritisierte, „die Landesregierung stellt mit ihrem Vorhaben die Leistungsmessung von Kindern in Grundschulen deutlich stärker in den Vordergrund als eine altersangemessene Pädagogik, von der alle Schülerinnen und Schüler profitieren.“

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24. Juli 2014: Wende schafft Noten an Schleswig-Holsteins Grundschulen ab

24. Juli 2014: Grundschule ohne Noten — wie geht das?

21. Oktober 2014: Lübecker Schulrat: „Noten sind ein grobschlächtiges Instrument“

12. November 2014: Reportage von Reformschule in Winterhude: Schule ohne Noten - Jeder, wie er kann

19 Mai 2016: Notenkampf: Immer mehr Eltern verklagen Lehrer ihrer Kinder

8. Dezember 2016: Kommentar: Noten sind nicht alles

7. Februar 2017: stärkster und schwächster Abijahrgang kommen aus Lübeck - was sagt das aus?

21. Juni 2017: Berlinder Schulpädagoge: „Eine schlechte Note zu geben, hilft nicht“

GEW und Kinderschutzbund hatten die Änderungen bereits Ende März als nicht nachvollziehbar kritisiert. Eine Reihe von wissenschaftlichen Studien belege, dass Ziffernnoten insbesondere in der Grundschule wesentliche pädagogische Funktionen nicht erfüllen, heißt es etwa in einer Stellungnahme des Kinderschutzbundes. Sie verringerten etwa die Lernfreude.

Die GEW betonte, wer individuelle Förderung und Inklusion ernst nehme, dürfe Schüler nicht über einen Kamm scheren. Individuelle Rückmeldungen und Förderhinweise eigneten sich viel besser als Instrumente der Leistungsbewertung. Die Kritik gelte weiterhin, betonten jetzt Sprecher der beiden Organisationen.

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