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Politik im Norden Von Sayn-Wittgenstein soll zerstrittene Nord-AfD führen
Nachrichten Politik Politik im Norden Von Sayn-Wittgenstein soll zerstrittene Nord-AfD führen
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08:17 09.07.2017
  Die Politikerin Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein (AfD) schaut am 08.07.2017 in Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein) auf einem AfD-Landesparteitag, der den Landesvorstand neu wählen soll, in die Kamera des Fotografen. Quelle: Georg Wendt/dpa
Henstedt-Ulzburg

Neue Landesvorsitzende der AfD in Schleswig-Holstein ist die Landtagsabgeordnete Doris von Sayn-Wittgenstein. Sie setzte sich am Sonnabend auf einem Parteitag in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) gegen den bisherigen Landesvorsitzenden Jörg Nobis durch. Die 1954 geborene von Sayn-Wittgenstein bekam nach Angaben eines Parteisprechers am Abend im sogenannten Akzeptanzwahlverfahren 68 Prozent der Stimmen. Nobis (41) erhielt demnach 50 Prozent. Bei diesem Wahlverfahren können Wähler für mehrere Kandidaten votieren. Es gewinnt, wer die meisten Stimmen bekommt.

Vor der Wahl war es auf dem Parteitag zum Teil turbulent zugegangen: Begriffe wie widerlich, fies, Lügen, erstunken und erlogen fielen. Persönliche Vorwürfe und harte Kritik am bisherigen Landesvorstand prägten lange die Diskussionen. Kritiker forderten die Abwahl des Vorstandes, obwohl dieser selbst eine Neuwahl beantragt hatte. Der Parteitag geht am Sonntag weiter.

Vor dem Parteitag waren nach Rücktritten nur 6 von 13 Vorstandsposten besetzt. Das Landesschiedsgericht der AfD hatte die Vorstandswahl vom April 2016 für unwirksam erklärt, weil es Unregelmäßigkeiten und Mängel bei der Einladung gegeben habe. Darüber muss noch das Bundesschiedsgericht befinden. Der Parteitag beschloss, den Vorstand auf neun Mitglieder zu verkleinern und statt zwei nur noch einen Vorsitzenden zu bestimmen.

„Es ist zum Teil ausgesprochen fies und widerlich gewesen“, sagte das AfD-Mitglied Rainer Ronke über Sitzungen der letzten beiden Vorstände, an denen er teilgenommen habe. Hier passiere das Widerlichste, was er je erlebt habe, konterte ein anderes Mitglied. Aus dem Vorstand habe es Beleidigungen und Diffamierungen der schlimmsten Art gegeben, sagte der Landesschiedsgerichts-Vorsitzende Gerald Hohmann vor 180 Mitgliedern. Irgendwann platzte der Lübeckerin Andrea Gaidetzka der Kragen: „Ich fange langsam an mich zu schämen“.

Vor Selbstzerfleischung warnte AfD-Landesvize Volker Schnurrbusch: „Wir haben nichts dazugelernt.“ Die Gruppe, die laut kritisiere und nichts tue, werde immer größer. Streit entzündete sich auch daran, dass der Vorstand den finanziellen Teil des Rechenschaftsberichts nicht mit den Parteitagsunterlagen versandt hatte. Dies sei ein Fehler gewesen, keine Absicht, sagte Nobis.

Elf Wochen vor der Bundestagswahl war bei der AfD Verunsicherung zu spüren. Die Partei könne mit dem Landtagswahlergebnis nicht zufrieden sein, sagte der Ex-Landesvorsitzende und Bundestags- Spitzenkandidat Bruno Hollnagel. Die AfD hatte bei der Wahl am 7. Mai mit 5,9 Prozent fünf Mandate geholt.

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