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Politik im Rest der Welt 140 afghanische Soldaten bei Taliban-Attacke getötet
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21:14 22.04.2017
Reguläre afghanische Soldaten riegeln nach dem Überfall der Taliban den Armeestützpunkt nahe der Stadt Masar-i-Scharif ab. Quelle: Fotos: Imago, Dpa

Bei einem ungewöhnlich heftigen Angriff der Taliban auf eine Militärbasis in der afghanischen Nordprovinz Balch sind mindestens 140 Soldaten getötet und mehr als 160 verwundet worden. Das sagte der Vorsitzende des Provinzrates, Mohammed Ibrahim Chair Andesch. Die Taliban sprachen sogar von mehr als 500 Toten und Verwundeten. Balch galt lange als eher sichere Provinz Afghanistans.

Der Angriff am Freitag galt einem Armeestützpunkt nahe der Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif. Am dortigen Flughafen betreibt die Bundeswehr ein großes Feldlager, das aber nicht betroffen war. Im November erst war das deutsche Konsulat in Masar-i-Scharif angegriffen worden.

Einem afghanischen Militärvertreter zufolge trugen die Taliban- Kämpfer Uniformen der afghanischen Streitkräfte und fuhren mit Militärfahrzeugen sowie gefälschten Papieren vor. Zu Beginn ihres Angriffs hätten sie zunächst am Eingangstor eine Rakete gezündet. Zehn Taliban-Kämpfer erschossen dann Soldaten und Offiziere während des Freitagsgebets in der Stützpunkt-Moschee. Anschließend griffen sie die Kantine an. Erst nach stundenlangen Feuergefechten eroberte die Armee die Kontrolle zurück.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundete der afghanischen Regierung ihr Mitgefühl. „Mit großem Entsetzen habe ich die Nachricht über den hinterlistigen, brutalen Angriff der Taliban auf eine Kaserne Ihrer Streitkräfte im Norden Afghanistans aufgenommen“, schrieb die CDU-Politikerin an den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani. „Mein Mitgefühl gilt den vielen Verletzten und den Angehörigen der zahlreichen Opfer.“

Die Bundeswehr wertete den jüngsten Taliban-Angriff aber auch als Beleg für die Schlagkraft der afghanischen Armee. „Letztendlich haben die afghanischen Sicherheitskräfte auch diese Situation in den Griff bekommen“, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos gestern. „Das zeigt auch, dass wir weitermachen müssen mit unserem Trainingsauftrag.“ Die Bundeswehr hat keinen Kampfauftrag mehr in Afghanistan, sie berät und trainiert die Sicherheitskräfte nur noch und darf nur auf Anforderung eingreifen. Doch in der angegriffenen Kaserne sind normalerweise viele deutsche Soldaten im Ausbildungseinsatz – beim Angriff am Freitag aber war die Bundeswehr nicht dort. „Deutsche Soldaten waren zu keiner Zeit des Anschlags vor Ort“, sagte der Sprecher. Das hänge auch mit dem Wochentag zusammen. Freitag sei für die Muslime ein wichtiger Tag. „Da findet üblicherweise keine Beratungen statt.“

Es war der zweite Angriff von Islamisten auf Sicherheitszonen binnen weniger Wochen. Anfang März hatten Kämpfer der auch in Afghanistan aktiven Terrormiliz Islamischer Staat bei einem Angriff auf ein Militärhospital in Kabul 49 Menschen getötet und 76 verwundet. Weil sich in Afghanistan der Konflikt zwischen Regierung und Taliban verschärft, sind auch Abschiebungen in das Land politisch umstritten.

LN

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