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40000 Kalorien fürs Überleben

Bonn 40000 Kalorien fürs Überleben

Ein Zeichen der Solidarität gegen den Hunger: Fast 10 Millionen Rationen schickte die US-Organisation Care ins Nachkriegs- Deutschland. Die erste Lieferung traf vor 70 Jahren ein.

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Bonn. . Margarine, Rindfleisch, Corned Beef, Speck, Zucker, Milchpulver und Kaffee: Begehrt wie ein Schatz ist der Inhalt der legendären Care-Pakete im hungernden Nachkriegsdeutschland. 15 Dollar kostet jede Hilfslieferung, die eine Familie für einen Monat mit dem Notwendigsten versorgt.

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Ein Zeichen der Solidarität gegen den Hunger: Fast 10 Millionen Rationen schickte die US-Organisation Care ins Nachkriegs- Deutschland. Die erste Lieferung traf vor 70 Jahren ein.

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Hinter der Aktion steht die „Cooperative for American Remittances to Europe“, kurz Care, der 22 Organisationen in den USA angehören. Vor 70 Jahren, im Juli 1946, erreichten die ersten Lebensmittellieferungen Bremerhaven. Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) bedankte sich später: „Jedes der fünf Millionen Care-Pakete, die bis jetzt in Deutschland abgeliefert worden sind, hat mit dazu beigetragen, ein Band der Freundschaft zu schaffen.“

General Lucius D. Clay, Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, unterstützte die Kampagne – aus politischen Motiven im aufziehenden Ost-West-Konflikt. Man liefere Deutschland sonst dem Kommunismus aus, warnte er – die Sowjets stellten in ihrer Besatzungszone 1500 Kalorien zur Verfügung; zuerst war es denn auch die US-Armee, die die Bevölkerung mit 2,8 Millionen Essensrationen aus ihrem Fundus unterstützte.

Ab März 1947 stellte Care die Pakete selbst zusammen, die nicht nur nach Deutschland, sondern auch in andere europäische Staaten geschickt wurden. Der Inhalt mit seinen rund 40000 Kalorien wurde speziell auf Familien zugeschnitten. In Zeiten bitterer Armut galten die Pakete wie ein Sechser im Lotto. Die, die ein Paket erhielten, konnten ihr Glück kaum fassen, wie auch der spätere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU): „Den Inhalt sehe und schmecke ich noch heute: Erdnussbutter. Milchpulver. Kakao, ein Getränk, das ich bis dahin nicht kannte. Eipulver, aus dem meine Mutter Omeletts briet. Und eine Tafel Schokolade. Sie wurde planvoll bewirtschaftet, und nur in festlichen Stunden gab es für jeden ein kleines Stück.“

Das Prinzip der Aktion funktioniert bis heute: Die Bürger spenden Geld für die Pakete – Care bringt sie auf die Reise in alle Welt. Anfangs war das Verteilen schwierig, weil die Reichsbahn nicht mehr existierte, die Post stark behindert war und den Spediteuren Fahrzeuge und Lagerräume fehlten. Besserung trat erst ein, als der Deutsche Caritasverband, die Innere Mission und die Arbeiterwohlfahrt die Verteilung der Lieferungen übernahmen. Auf die amerikanischen Zone folgte die britische und zum Schluss auch die französische Zone. Ostdeutschland blieb jedoch außen vor, hingegen bekamen auch Griechenland, Österreich, Großbritannien, Frankreich und viele andere Staaten im zerstörten Europa diese Hilfen. Die Aktion lief bis 1960.

Es gab außer Care noch viele andere Organisationen, die nach dem Krieg halfen. So zum Beispiel die „Schweizer Spende“, die bis 1948 in 18 Ländern, darunter auch Deutschland, Hilfe leistete. Und die US-Organisation Cralog, den „Rat der für Deutschland zugelassenen Hilfsorganisationen“. Der sammelte in US-Gebieten mit hohem deutschstämmigen Bevölkerungsanteil Lebensmittel und lieferte rund 323000 Tonnen Hilfsgüter über den Atlantik – und übertraf somit die Menge der Carepakete um das Vierfache. Care existiert als globale Organisation bis heute.

Insgesamt erhielt Deutschland nach 1945 etwa 600000 Tonnen Sachgüter im Wert von sechs Milliarden Euro aus dem Ausland.

Großes Hilfswerk

Gut 70 Jahre nach ihrer Gründung ist die Organisation Care noch immer aktiv: Als eines der weltweit größten Hilfswerke, das nach eigenen Angaben in rund 90 Ländern Projekte gegen Not und Armut unterstützt. Der Wandel von der Nothilfe- zur Entwicklungsorganisation vollzog sich über Jahrzehnte.

Care wurde am 27. November 1945 von 22 amerikanischen Wohlfahrtsverbänden gegründet, um hungernde Menschen im Nachkriegs-Europa zu versorgen. 100 Millionen Care-Pakete – vor allem mit Lebensmitteln und Kleidung – verschickte das Hilfswerk bis zum Ende der Aktion 1960. Alleine 9,5 Millionen Lebensmittelrationen erreichten Deutschland. Bereits 1949 begann Care auch Hilfsbedürftige in Japan, Israel sowie in Korea und auf den Philippinen zu unterstützen. 1953 erfolgte der offizielle Beschluss, den Hilfsradius auf alle Notgebiete weltweit auszuweiten. 1954 engagierte sich Care als erste private Hilfsorganisation im geteilten Vietnam.

Inzwischen leistet Care nicht mehr nur Nothilfe: Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit ist jetzt das Ziel. Ärzteteams und Entwicklungshelfer werden nach Asien, in den Mittleren und Nahen Osten, nach Afrika und nach Mittelamerika geschickt. Sie bilden medizinisches Personal aus und bauen Gesundheitsdienste auf. Im Jahr 2014 setzte Care International weltweit rund 880 Selbsthilfeprojekte um.

Dirk Baas

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