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Abschied von der Weltbühne

New York Abschied von der Weltbühne

Guido Westerwelle tritt bei der Uno letztmals als Außenminister auf.

New York. Für Guido Westerwelle schließt sich der Kreis. Ende Oktober 2009 hatte ihm Kanzlerin Angela Merkel kaum die Ministerurkunde ausgehändigt, da saß er schon eine gute Stunde später im Flugzeug zum EU-Gipfel. Und in dieser Woche berät sich der Außenminister noch einmal mit den Mächtigen der Welt bei den Vereinten Nationen — obwohl das Ende seiner Amtszeit unmittelbar bevorsteht. Als eine Art Schlussgong dürfte dann seine Rede am Sonnabend vor der UN-Vollversammlung zu verstehen sein. Das Trümmerfeld daheim überlässt er anderen.

Der „Draußenminister“ gibt sich in der Ferne sichtlich gefasst. Mit ernstem Blick sagt er, dass er sich in dieser Woche „voll einbringen“ wolle. Mit diesem für manche etwas seltsam anmutenden Besuch in den USA endet eine der eindrucksvollsten Politikerkarrieren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Vier Jahre Außenminister, 17 Jahre Bundestagsabgeordneter, fast drei Jahrzehnte im politischen Nahkampf auf dem Weg nach oben, in denen Westerwelle polarisierte und die liberale Partei zu einer schlagkräftigen Truppe formte, die mit ihm an der Spitze das beste Ergebnis seit ihrer Gründung erzielte. Im Jahr 2009 folgte der jähe Absturz. Als Steuersenkungspartei waren sie angetreten, und als zerstrittener Haufen, der kaum Ergebnisse liefern konnte, liegen die Liberalen nun am Boden.

Guido Westerwelles parteiinterne Zöglinge stießen ihn vom Sockel des FDP-Chefs. Doch während ihnen die Kraft zu einem echten Neustart fehlte, entwickelte sich der heute 51-Jährige im Ministeramt zu einem seriösen Arbeiter, der sich am Ende bestätigt fühlen darf: US-Präsident Barack Obama versicherte der internationalen Staatengemeinschaft, nicht nur in Syrien, auch im Ringen um Irans Atomprogramm werde Washington auf eine diplomatische Lösung setzen.

Auch wenn Westerwelle nicht für sich beanspruchen kann, den Kurs der USA ernsthaft beeinflusst zu haben: Während seiner letzten Diensttage erlebt der langjährige Politiker, dass er zumindest als Außenminister, der stets ganz ähnlich argumentierte, den richtigen Kurs eingeschlagen hatte. Stefan Koch

LN

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