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AfD: Griechenland kostet uns Milliarden

Kiel AfD: Griechenland kostet uns Milliarden

Spitzenkandidat Jannis Andrae nennt zweiten Schuldenschnitt unvermeidbar und fordert Ende der EEG-Umlage.

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Jannis Andrae bei einer Rede während einer Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland.

Kiel. Kiel — Griechenland muss freiwillig aus dem Euroraum austreten, sonst kommt das Land nicht wieder auf die Beine. Das fordert Jannis Andrae, Spitzenkandidat der Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Schleswig-Holstein. Aber auch das werde die deutschen Steuerzahler einen zweistelligen Milliarden-Betrag kosten. Mit Andrae sprach unser Kieler Korrespondent Wolfram Hammer.

LN: Herr Andrae, eines Ihrer Haupt-Wahlkampfthemen ist, Griechenland aus dem Euro zu drängen. Was haben Sie gegen unseren kleinen EU-Partner?

Jannis Andrae: Absolut nichts. Wir wollen Griechenland nahelegen, aus eigenem Interesse aus dem Euro auszutreten. Sonst kommt das Land nie aus eigener Kraft wieder auf die Beine.

LN: Dann käme die Drachme, Griechenland wertet ab, könnte Güter billiger exportieren — verfügt aber dummerweise kaum über Export-Industrie. Importe werden für die Bürger unerschwinglich.

Sind Sie sicher, dass Sie es wirklich gut meinen mit den Griechen?

Andrae: Sie werden anders nicht wettbewerbsfähig, müssten Löhne und Gehälter um zirka 30 Prozent kürzen, was sozial unzumutbar wäre. Es ist richtig, es gibt wenige Export-Produkte. Aber eine solche Industrie kann sich entwickeln. Außerdem würden sich zum Beispiel touristische Dienstleistungen verbilligen.

LN: Griechenland ist doch meist schon ausgebucht.

Andrae: Da gibt‘s noch Potenzial. Und es bleibt dabei: Es gibt zwei Hebel, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Der erste ist sparen, das ist bereits ausgereizt. Das zweite ist die Abwertung nach dem Euro-Austritt.

LN: Was passiert dann mit den Euro-Schulden Griechenlands?

Andrae: Es wird einen Schuldenschnitt geben müssen, so oder so.

LN: Ganz umsonst würde also auch der griechische Euro-Austritt für Deutschland nicht? Wie hoch wären denn die Verluste für deutsche Gläubiger, Sparer, Steuerzahler?

Andrae: Das wird auf die konkreten Verhandlungen ankommen. Es wird aber ein hoher zweistelliger Milliardenbetrag sein.

LN: Wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, dass die EU bei einem Euro-Austritt Griechenlands zu zerbrechen beginnt? Oder sehen sie das eher als Chance, die ungeliebte EU los zu werden?

Andrae: Wir sind überhaupt nicht gegen die EU. Griechenland soll auch nicht aus der EU ausscheiden. Die Währungsunion ist aber nur eine spezielle Form der Zusammenarbeit innerhalb der Union.

EU und Euro muss man strikt trennen.

LN: Muss man innerhalb einer Staatengemeinschaft wie der EU nicht solidarisch sein?

Andrae: Ja. Deshalb soll Griechenland nach dem Euro-Austritt weiter geholfen werden. Es gibt schon jetzt Transfers über die Strukturfonds. Man könnte griechische Schulkinder, die sich kein warmes Mittagessen leisten können, direkt unterstützen. Aber bitte: den Griechen soll geholfen werden, nicht den Gläubigern Griechenlands, wie es jetzt der Fall ist. Fast die Gesamtheit unserer Hilfsgelder fließen bislang an Banken, Versicherungen oder Hedgefonds in New York, London, Paris. Und die Troika stellt Griechenland mal eben unter eine undemokratische Zwangsverwaltung. Im Übrigen hat der Vertrag von Maastricht Deutschland zugesichert, dass in der EU kein Land für die Schulden eines anderen haften muss. Die derzeitige Politik ist rechtswidrig.

LN: Ist der Vertrag von Maastricht für Sie der Schlusspunkt der europäischen Integration? Kein Bundesstaat Europa?

Andrae: Unser Konzept ist das „Europa der Vaterländer“, wo Staaten in guter Nachbarschaft nebeneinander leben und über den europäischen Binnenmarkt miteinander kooperieren. Man hätte die EU im Übrigen auch ohne den Euro weiter zusammenbringen können. Jetzt spaltet er eher.

LN: Können Sie verstehen, dass viele Bürger die AfD für eine sehr rechte Partei halten?

Andrae: Nein. Nicht anhand dieses Konzepts. Die europäischen Nationalstaaten bestehen ja de facto heute noch. Es hat auch nie eine Volksabstimmung in Deutschland darüber gegeben, dass man sich zu einem europäischen Bundesstaat zusammenschließen möchte. Ich wage die Hypothese, dass es von den europäischen Völkern gar nicht gewünscht ist, die Nationalstaaten zu dessen Gunsten aufzulösen.

LN: Was sind Kernforderungen Ihrer Partei jenseits der Wirtschafts- und Finanzpolitik?

Andrae: Wir wollen mehr direkte Demokratie, insbesondere dann, wenn Kompetenzen an Brüssel abgegeben werden sollen. Bei allen lebenswichtigen Fragen der Nation muss das Volk gefragt werden.

LN: Sozialpolitik?

Andrae: Sozialpolitik ist eine Querschnittsmaterie. Beispiel: Wir fordern im Energiebereich, die EEG-Umlage abzuschaffen und die Subventionen aus dem Steueraufkommen zu zahlen. Das würde Strom für Verbraucher verbilligen. Energie muss sozial verträglich erzeugt werden. Das kann auch durchaus bedeuten, dass der Einspeisevorrang erneuerbarer Energien zumindest zurückgefahren wird. In der Bildungspolitik sollen die Länder hohe bundesweite Standards einhalten müssen. Wir sprechen uns außerdem klar für das traditionelle Familienmodell aus.

LN: Welche Wählerklientel wollen sie damit ansprechen?

Andrae: Wir wollen allen eine Alternative bieten, die mit der Euro-Rettungspolitik, wie sie jetzt gefahren wird, nicht einverstanden sind.

LN: Sehen Sie eine Chance, in den Bundestag zu kommen?

Andrae: Sie werden unter unseren Leuten kaum noch jemanden finden, der tatsächlich daran zweifelt, dass wir in den Bundestag kommen werden.

Einer von zwei Chefs in Schleswig-Holstein
Jannis Andrae (29) ist einer der beiden Vorsitzenden der Alternative für Deutschland (AfD) in Schleswig-Holstein. Der gebürtige Kieler studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre sowie Internationale Beziehungen in St. Gallen, St. Petersburg und Paris. Nach dem Studium arbeitete er als Unternehmensberater in Hamburg und promoviert derzeit. Er lebt mit seiner Frau und seinen Zwillingen in Bargteheide.

LN

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