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Politik im Rest der Welt AfD im Norden: Viel Streit und zwei neue Chefs
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20:18 16.04.2016
Neu im Amt: Jörg Nobis (l.) und Bruno Hollnagel. Quelle: Axel Heimken/dpa

Schleswig-Holsteins AfD streitet mit sich selbst. Während die aktuelle Forsa-Umfrage für Kieler und Lübecker Nachrichten der rechtspopulistischen Partei nur neun Prozent der Stimmen bei der Landtagswahl voraussagt — bei den drei Landtagswahlen Anfang März in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen- Anhalt kam sie noch auf 12,6 bis 24,3 Prozent —, gelang es ihr gestern auf einem Parteitag in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) kaum, einen neuen Vorstand zu wählen.

Stundenlang stritten die Delegierten zuvor über Satzungsfragen und wer die Schuld am Scheitern des alten Landesvorstands trägt. Eine Gruppe von Mitgliedern bezweifelte wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Einladung sogar die Rechtmäßigkeit des gesamten Treffens, drohte mit Klage vor einem ordentlichen Gericht, allen voran Lothar Löser vom Kreisverband Pinneberg. Der kündigte an, etwa 20 Parteimitglieder würden sämtliche Ergebnisse des Parteitags anfechten, egal, was dieser beschließen werde.

Hintergrund der beschlossenen Neuwahlen waren monatelange Querelen im Landesvorstand, der mehrheitlich den Rücktritt des bisherigen Landesvorsitzenden Thomas Thomsen gefordert hatte. Dieser rief dazu auf, die Schmutzkampagne der Vergangenheit — Dreck, Schmutz und Denunziationen — zu beenden. Einen Tätigkeitsbericht könne er nicht geben, da es vom Landesvorstand eine Tätigkeit im Positiven in den acht Monaten seiner Amtszeit nicht gegeben habe. Ein ebenso vernichtendes Urteil fällte auch Vorstandsmitglied Jörg Nobis: „Es lag alles brach, es funktionierte nichts.“ Es habe viel Sand im Getriebe gegeben — und er wisse auch, wer ihn hineingeschaufelt habe.

In einem am Vortag verfassten schriftlichen Grußwort äußerte die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry im Namen des Bundesvorstandes Missfallen an Äußerungen und am Verhalten von Thomsen. Dieser habe die Vertraulichkeit nicht mehr geachtet, die Außenwahrnehmung der Partei sei zunehmend negativ verlaufen.

Am Ende einigte sich der Parteitag auf Bruno Hollnagel und Jörg Nobis als neue Co-Vorsitzende. Der 68-jährige Hollnagel bekam 162 von 180 Stimmen. Es gab acht Neinstimmen, vier Enthaltungen und sechs ungültige Stimmen. Hollnagel ist Ruheständler, früherer Unternehmer, stammt aus dem Kreis Stormarn. Der 40-jährige Nobis ist Kapitän, setzte sich mit 148 von 188 Stimmen gegen zwei Gegenkadidaten durch. Erklärtes Ziel der beiden: Für die AfD bei der Landtagswahl am 7. Mai 2017 ein zweistelliges Ergebnis einfahren. Ihr Potenzial schätzt Hollnagel auf 18 Prozent.

Der Parteitag der Rechtspopulisten fand unter erheblichem Polizeischutz statt. 224 der laut Vorstandsangaben derzeit etwa 780 Mitglieder waren nach Henstedt-Ulzburg gekommen. Draußen protestierten derweil 150 SPD-, Juso- und Linke-Mitglieder und -Anhänger gegen die AfD und ihre politischen Forderungen.

Von wh

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