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Angst im Urlaubsparadies: Kenia im Visier von Islamisten

Nairobi Angst im Urlaubsparadies: Kenia im Visier von Islamisten

Vier Tage dauerte in einem Einkaufszentrum in Kenia der Kampf gegen die Muslimrebellen. Gestern ging das Geiseldrama zu Ende. Sorge um Tourismus bleibt.

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Urlaubsidyll: Touristen bei einer Safari am Fuße des Kilimandscharo in der Grenzregion zwischen Kenia und Tansania.

Quelle: Fotos: dpa, AFP

Nairobi. Wer Muslim ist, durfte fliehen: Die Terroristen in Kenia hatten ihr Ziel bewusst ausgesucht. Das erstürmte Einkaufszentrum steht für westlichen Lebensstil. Wenn das junge, prosperierende Kenia ein Wahrzeichen hat, dann ist es das Westgate-Zentrum: Wer zur wachsenden Mittelschicht des Landes gehört, kommt ebenso hierher wie Touristen, die in den Läden westlicher Modelabels shoppen, Sushi essen oder einen Latte Macchiato schlürfen. Und wenn sonnabends Hüpfburg und Kinderkochstudio aufgebaut sind, strömen besonders viele Menschen in die mit Glas, Chrom und Gold dekorierte Mall. Das wussten die Terroristen, die das Gebäude am Wochenende stürmten und wild um sich schossen.

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Soldaten an dem Einkaufszentrum, das belagert wurde.

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Wer fliehen konnte, berichtet von blutigen Szenen. 10 bis 15 Kämpfer seien gezielt losgelaufen und hätten auf Besucher geschossen. Muslime wurden aufgefordert, aus dem Einkaufszentrum zu fliehen, wie es heißt. Einige hätten Koransuren aufsagen müssen. Unter den Toten und Verletzten sind zahlreiche Ausländer. Für die Angreifer der islamistischen Shabaab-Miliz war das Einkaufszentrum auch deshalb ein Ziel: Die Islamisten haben den Westen und seinen Lebensstil im Visier. Das garantiert internationale Aufmerksamkeit. Zudem hat das Westgate-Zentrum israelische Eigentümer.

Gestern Abend nun gab Kenias Präsident Uhuru Kenyatta das Ende des viertägigen Geiseldramas bekannt. „Wir haben die Angreifer besiegt und gedemütigt“, sagte er. Fünf Angreifer seien getötet worden, elf weitere Verdächtige wurden festgenommen, so der kenianische Staatschef. „Unsere Verluste sind immens“, fügte der Staatschef hinzu. Während des viertägigen Geiseldramas seien 61 Zivilisten und sechs Sicherheitskräfte getötet worden. Kenyatta ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Spätestens seit November 2011, als Kenias Truppen in Somalia einmarschierten, um gegen die islamistische Shabaab zu kämpfen, war mit einem Anschlag dieser Art gerechnet worden. Doch mit der Zeit ließ die Furcht nach, zudem schien die Shabaab nach internen Streitigkeiten und militärischen Rückschlägen in Somalia geschwächt. Doch nun ist die Angst zurück: Die Shabaab bekannte sich zu dem Angriff auf das Einkaufszentrum. Unter den Angreifern sollen sich nach Angaben der kenianischen Außenministerin auch zwei oder drei US-Bürger sowie eine britische Terrorverdächtige befunden haben.

Eine Rückkehr zur Normalität in Kenia wird schwer. Shabaab-Sprecher Ali Mohamoud Rage kündigte an: „Kenia wird keinen Frieden haben, bevor das kenianische Militär aus Somalia abgezogen ist.“ Die Angst vor Anschlägen droht auch die Wirtschaft zu treffen, die sich gerade von den Unruhen nach der Wahl 2007 erholte. Und es gibt wachsende Sorge um den Tourismus. Das Auswärtige Amt in Berlin sprach bislang keine Reisewarnung aus, doch es bittet deutsche Urlauber, sich in Nairobi mit „erhöhter Umsicht“ zu bewegen. Kenia ist ein auch bei Deutschen beliebtes Reiseziel für Bade- und Safari-Urlaub. 2012 reisten etwa 65 000 Deutsche in das afrikanische Land.

Kenia —Vielvölkerstaat in Ostafrika
Der ostafrikanische Staat ist mit gut 580 000 km2 deutlich größer als die Bundesrepublik, hat aber mit knapp 39 Millionen nur knapp halb so viele Einwohner. Die gehören zu 40 verschiedenen Volksgruppen, die 50 verschiedene Sprachen sprechen. 83 Prozent sind Christen, elf Prozent sunnitische Moslems. 1963 wurde die bis dahin britische Kronkolonie unabhängig.

Das Wirtschaftswachstum war überdurchschnittlich, wegen des starken Bevölkerungswachstums wirkte sich das für viele Kenianer kaum aus. Tourismus, Tee- und Kaffee-Exporte sorgen für Einnahmen, Korruption ist ein großes Problem der präsidial dominierten Republik.

LN

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