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Politik im Rest der Welt Auftakt zur Wahl des US-Präsidenten in Iowa
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20:21 30.01.2016
Wahlkampf in der Turnhalle: Im bevölkerungsarmen US-Bundesstaat Iowa finden die Wahlveranstaltungen — wie hier die des Republikaners Marco Rubio — in für amerikanische Verhältnisse ungewohnt kleinem Rahmen statt. Quelle: Fotos: Afp, Dpa

Mitten in der Prärie — genau dort liegt Iowa. Der kleine Bundesstaat im Mittleren Westen der USA hat viel Landschaft, wenige größere Städte und ein großes Privileg: Alle vier Jahre darf Iowa mit den Vorwahlen für die Präsidentschaftswahl beginnen.

In diesen Tagen steht der Agrarstaat damit im Zentrum der globalen Aufmerksamkeit: Donald Trump gegen den Rest der Republikaner, Hillary Clinton gegen Bernie Sanders bei den Demokraten. Wer gewinnt, ist der erste Sieger des Wahljahres, Rückenwind ist ihm gewiss.

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Demokrat Bernie Sanders ist bei jungen Menschen beliebt.

Wochenlang herrscht schon Ausnahmezustand in der Hauptstadt Des Moines. Die Kandidaten touren mit ihren Bussen durchs Land, eine riesige Schar von Beratern und Reportern im Schlepptau. Hillary Clinton tritt in Schulturnhallen auf, Ted Cruz wirbt im Steakhaus um die Gunst der Wähler, Donald Trump besucht den Geburtsort von Westernheld John Wayne.

Die Einheimischen nehmen das weltweit in den Medien gespiegelte Spektakel sehr ernst. „Die Leute in Iowa beschäftigen sich mit Politik und sie wollen einen Präsidenten, der das Land ernst nimmt“, sagte Jenifer Bowen. Die 42-Jährige ist die führende Anti-Abtreibungsaktivistin in Iowa. Als Vorsitzende der Organisation Right To Life ist sie dafür verantwortlich, dass Abtreibung zum Wahlkampfthema wird.

Das Wahlsystem in Iowa will es, dass die Kandidaten an die Front müssen. „Retail Politics“ nennen das die Insider, politischer Einzelhandel. „Die Kandidaten müssen für ihre Einstellungen werben“, sagt Bowen. Am Montag, wenn es am Abend um 19.00 Uhr zur Wahl geht, gilt das weiterhin. Es wird in Caucuses gewählt, fast 1700 kleinen Parteiversammlungen, in denen vorher nochmals eingehend diskutiert wird. Manchmal versuchen die Kandidaten, direkt in diesen Versammlungen ein letztes Mal ihre Botschaft loszuwerden.

„Ich liebe diese Art der Politik“, sagt Stefe Scheffler. Der Republikaner ist seit 1972 politisch aktiv, als Mitglied des Parteikomittees wird er Iowa beim Parteitag im Sommer in Cleveland vertreten.

„Das ist wirklich Demokratie an der Basis.“

Die Basis sind für Scheffler vor allem fromme Christen. 800 000 Menschen in Iowa, das hat eine parteiinterne Erhebung ergeben, gelten als sogenannte Evangelicals, besonders konservative Anhänger von Freikirchen etwa. Sie wählen praktisch ausschließlich Republikaner.

Sozialkonservative Themen wie der Kampf gegen Abtreibung oder die Homo-Ehe bringen deshalb sichere Punkte. In den lokalen Radiosendern der Hauptstadt Des Moines laufen Radiospots rauf und runter. Jeb Bush lässt sich dafür feiern, dass er Geldspritzen für Abtreibungskliniken abgeschafft hat. Mitbewerberin Carly Fiorina tut es ihm gleich.

Doch all diese Regeln könnten diesmal nicht greifen. Mit Donald Trump wurde alles anders. „Er ist ein Gamechanger“, sagt Bowen. Plötzlich haben althergebrachte Gesetze der Parteipolitik keine Gültigkeit mehr. Das verunsichert die Altvorderen. Mit seinen Schimpftiraden auf das politische Establishment kommt Trump auch in Iowa an.

Sein größter Feind ist das Wetter. Die Meteorologen sagen für Montagabend einen gewaltigen Schneesturm voraus. Wenn viele Wähler zu Hause bleiben, ist das schlecht für Trump. „Wenn mehr als 130 000 kommen, wird es ihm in die Karten spielen“, sagt Scheffler. Die Wahlbeteiligung ist bei den Demokraten ebenso ein äußerst heikles Thema — dort würde wohl Linksaußen Bernie Sanders von zusätzlichen Wählern beim Caucus profitieren.

Können also wenige Zehntausend Menschen Einfluss darauf nehmen, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Nachfolger von Barack Obama wird? Zumindest in der Theorie ist Schlussfolgerung nicht falsch. Iowa schickt zwar verschwindend wenige Delegierte zum Parteitag nach Cleveland. Aber die Signalwirkung der ersten Vorwahl ist groß.

Der Bundesstaat Iowa
Der kleine Staat im Mittleren Westen der USA ist ein Agrarstaat, bekannt für seine weitläufigen Maisfelder.



Die rund drei Millionen Einwohner gelten als sehr gläubig, gehören oft
bibeltreuen, evangelikalen Kreisen an. Über 90 Prozent sind Weiße.



Hauptstadt ist Des Moines, das im Zentrum Iowas liegt. Die Ostgrenze
bildet der Mississippi.



Mit seinem „Caucus“ (dts. etwa
Parteiversammlung) eröffnet Iowa
traditionell die Vorwahlen bei US-Präsidentschaftswahlen. Damit ist dem
kleinen Staat zumindest alle vier Jahre internationale Aufmerksamkeit sicher.
Die aussichtsreichsten Kandidaten
Im Rennen um das höchste Amt in den USA hat sich bei den Demokraten früh die Spreu vom Weizen getrennt, als einzige ernsthafte Kandidaten sind Ex-Außenministerin Hillary Clinton und Senator Bernie Sanders übrig. Bei den Republikanern ist der Kreis ungleich größer, neben dem Milliardär Donald Trump sind noch vier andere Bewerber im Rennen.



Demokraten:

Hillary Clinton (68): 2008 unterlag sie Barack Obama in den Vorwahlen. Vielen gilt die Ehefrau von Ex- Präsident Bill Clinton als Top-Favoritin bei den Demokraten. Als einzige aller Bewerber genießt sie international Anerkennung.



Bernie Sanders (74): Er ist seit 2006 Senator für den Staat Vermont. Sanders bezeichnet sich selbst als „demokratischer Sozialist“. Eine breite Basis kann er nicht auf sich vereinen. Aber er ist beliebt, vor allem bei jungen Menschen.

Republikaner:

Donald Trump (69): Er schmeißt mit reißerischen Parolen um sich und beherrscht damit nicht nur die Schlagzeilen, sondern auch die Umfragen. Ein politisches Amt bekleidete der Immobilienunternehmer allerdings noch nie. Trump liegt zwar dank seiner Lautstärke und geschickter Medienauftritte in den Umfragen weit vorne, er polarisiert aber auch stark.

Ted Cruz (45): Der Jurist steht der Tea Party nahe, ist unter anderem gegen Abtreibung und schärfere Waffengesetze. Er genießt großen Rückhalt bei den konservativen Christen und bei der Waffenlobby, beide Interessengruppen haben großen Einfluss.



Marco Rubio (44): Er ist der Sohn kubanischer Einwanderer und buhlt daher vor allem um die wichtigen Stimmen der Latinos. Der Jurist wurde 2010 für Florida in den US-Senat gewählt. Er fordert eine umfassende Einwanderungsreform und lehnt die Annäherung zwischen Havanna und Washington vehement ab.



John Kasich (63): Der Gouverneur von Ohio gilt als politisch sehr erfahren und saß 18 Jahre im Kongress. Er stammt aus einem wichtigen sogenannten „swing state“ und wird als Geheimtipp gehandelt. In „swing states“ ist der Ausgang der Abstimmung nicht von vornherein klar.



Jeb Bush (62): Der Sohn von US-Präsident George Bush und Bruder des Präsidenten George W. Bush war von 1998 bis 2006 Gouverneur Floridas, danach Unternehmer. Bush, stramm konservativ, galt anfangs als klarer Favorit bei den Republikanern, enttäuschte aber und bräuchte dringend messbaren Erfolg, um noch zu punkten.

Michael Donhauser

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