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Politik im Rest der Welt Auge in Auge: Das erste Duell
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21:12 24.09.2016
TV-Premiere: Vor 56 Jahren debattierten mit John F. Kennedy (l.) und Richard Nixon erstmals Kandidaten in einem Fernsehstudion.

. Die Erwartungen könnten höher nicht sein. Die Symbolik erst recht nicht. Da wäre das Datum, der 26. September. Es wird dann genau 56 Jahre her sein, dass Richard Nixon auf John F. Kennedy traf: Erstmals traten zwei Präsidentschaftskandidaten im Fernsehen gegeneinander an. Morgen begegnet Hillary Clinton 90 Minuten lang Donald Trump. Es könnte das wichtigste Duell in der Geschichte der USA werden.

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Zwei Kandidaten, eine Bühne: Direkt trafen Clinton und Trump im TV noch nie aufeinander – morgen ist es soweit.

Die Vorbereitungen für den Abend in der Hofstra Universität auf Long Island laufen seit Wochen auf Hochtouren. Beide Lager schickten Anwaltsheere los, um die Details auszuhandeln. Licht, Bühne, Raumtemperatur – alles wurde penibel genau abgestimmt. „Es geht um viel“, sagt Debattenforscher Aaron Kall von der Universität Michigan. „Beide Kandidaten sind so verschieden. Sie haben radikal unterschiedliche Ansichten.“

Das Rennen ist eng. Lange führte Clinton in den landesweiten Umfragen deutlich, dann verlor sie ihren Abstand. Hustenanfälle, Lungenentzündung, Gesundheitsfragen, Wählerbeschimpfung: Die Demokratin hat keine guten Wochen hinter sich.

Die Frage, wie gesund Clinton ist, trat dann mit dem Bombenanschlag von New York in den Hintergrund. Doch wenn dann in einer Umfrage 56 Prozent angeben, die Lage in den USA sei bedrohlich, nützt das eher Trump mit seinem Hang, holzschnittartig Härte zu verlangen und sich selbst als harten Kerl zu präsentieren, der den Terroristen das Handwerk legt. So kann Clinton manchmal kaum den Eindruck verhindern, dass der großmäulige Herausforderer sie vor sich hertreibt. Die Debatte ist eine Gelegenheit, das Blatt zu wenden.

Das Clinton-Lager bereitet sich entsprechend intensiv vor. Etliche Stunden habe die Demokratin schon in Probedebatten geübt, schreibt die „New York Times“. Ihr Team engagierte demnach Trumps Ghostwriter Tony Schwartz, um Einblick in die Angriffspunkte des 70-Jährigen zu bekommen.

Ihr Plus: Sie hat mehr Erfahrung in direkten TV-Duellen als er, bleibt souverän, wenn sie angegriffen wird. Im vergangenen Oktober musste sie im Kongress Rede und Antwort stehen zu dem Anschlag in Bengasi. Elf Stunden lang grillten die republikanischen Abgeordneten sie mit ihren Fragen, Clinton behielt die Ruhe. Entscheidend sei, ob sie ihre Glaubwürdigkeit erhöhen könne, so Debattenforscher Kall.

Laut einer Umfrage von CNN gehen 53 Prozent davon aus, dass sie die Debatte gewinnen wird. Ein Vorteil sei das nicht für Hillary Clinton, meint Kall. „Als Kandidat will man diese Bürde nicht haben, man will lieber der Unterlegene sein.“ Diese Rolle kommt Trump zu. Er hat schlicht weniger Übung. Im Vorwahlkampf musste er sich nie in einem direkten Duell einem Rivalen stellen;

selbst bei der letzten TV-Debatte der Republikaner standen noch drei weitere Bewerber auf der Bühne. „Während der Vorwahlen konnte Trump in den Debatten abtauchen. Er hat etwas Verrücktes gesagt, dann hat der Moderator ihn für dreißig Minuten in Ruhe gelassen“, sagt Kall. „In einem direkten Duell kann er sich nicht verstecken. Er wird unter einem viel größeren Druck stehen.“

In vielen Fragen zeigte sich Trump schlecht informiert, was seine Wähler kaum irritiert, die Trumps Bereitschaft, simples Schwarz-Weiß-Denken zu bedienen, schätzen. Dass Trump jahrelang ein Herold der „birther“ war, der predigte, Barack Obama sei als geborener Kenianer gar nicht rechtmäßiger Präsident, und nun kurz und bündig alle Zweifel an Obamas Geburt im US-Staat Hawaii zurücknahm – es schadet ihm in den Umfragen nicht. Einen „Faktencheck“ während der Debatte möchte er trotzdem nicht – man könne sich ja gegenseitig korrigieren. Besonders vorbereiten wollte sich Trump denn auch nicht. Bis zu 100 Millionen US-Bürger wollen den Showdown von Long Island sehen.

Live-Debatte der Präsidentschaftskandidaten: Phoenix, Nacht von Montag auf Dienstag, 2.45 Uhr MESZ

Bartschatten gegen Sonnenbräune: TV-Debatten in US-Wahlkämpfen

1960: Demokrat John F. Kennedy gegen Republikaner Richard Nixon – die erste Präsidentschaftsdebatte, die live im Fernsehen übertragen wurde. Kennedy bestach durch Charme und ein sonnengebräuntes Äußeres. Nixon, zuvor im Krankenhaus, wirkte unrasiert und unsympathisch. Die TV-Zuschauer sahen Kennedy vorn – während Radiohörer Nixon als besser empfanden.

1976: Im TV-Duell zwischen dem Demokraten Jimmy Carter und dem amtierenden Präsidenten Gerald Ford kegelte sich Ford mit der Aussage, es gebe keine Dominanz der Sowjetunion in Osteuropa, selbst aus dem Rennen und verlor die Wahl.

1980: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Jimmy Carter und dem Republikaner Ronald Reagan. Reagan setzte seine Hollywood-Erfahrung ein. Mit der Frage: „Geht es ihnen besser als vor vier Jahren?“, traf er vor allem mit Blick auf die Wirtschaftslage einen Nerv.

1992: Erstmals war neben George H. W. Bush und dem Demokraten Bill Clinton auch ein dritter Kandidat dabei, Ross Perot. Präsident Bush wurde für seinen Auftritt kritisiert, da er ständig auf die Uhr schaute, während die anderen Kandidaten sprachen.

2000: Al Gore konnte in den Debatten die Zuschauer nur wenig überzeugen. Er schüttelte den Kopf oder stöhnte auf, wenn George W. Bush zu Wort kam. Das fanden viele selbstgefällig.

2004: Für John Kerry wurde das TV-Duell zum Verhängnis. Das Thema Irak förderte bei Kerry größere Wissenslücken zu Tage. George W. Bush entschied die Wahl erneut für sich.

2008: Zwischen Republikaner John McCain und Demokrat Barack Obama gab es drei TV-Debatten. Obama wirkte souverän und kompetent.

LN

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