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Bombe in Einkaufsstraße: Terror-Angst lähmt Istanbul

Istanbul Bombe in Einkaufsstraße: Terror-Angst lähmt Istanbul

Zweiter Anschlag innerhalb einer Woche: Viele Menschen bleiben in ihren Wohnungen.

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Polizeikräfte inspizieren nach der Explosion gestern den Tatort auf der Einkaufsmeile in Istanbul.

Quelle: Fotos: Dpa

Istanbul. . Die zentrale Einkaufsstraße in Istanbul ist an Wochenenden belebt. Touristen schlendern an den Schaufenstern vorbei, Einheimische treffen sich in Cafés, feiern in Bars und Clubs der zahlreichen Seitenstraßen. Genau dort, im Herzen Istanbuls, sprengte sich gestern ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss fünf Menschen mit in den Tod, unter ihnen laut Medienberichten drei Israelis und ein Iraner. 36 Menschen wurden verletzt, darunter mindestens elf israelische Staatsbürger, wie ein Sprecher des israelischen Außenministeriums bestätigte. Der Hintergrund war zunächst unklar. Es ist der zweite Terroranschlag innerhalb einer Woche.

LN-Bild

Zweiter Anschlag innerhalb einer Woche: Viele Menschen bleiben in ihren Wohnungen.

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Tosun Merey, der gerade in einem Einkaufszentrum in der Nähe etwas besorgen wollte, hörte einen Knall. „Es war eigentlich gar nicht so laut“, erzählt der 76-Jährige. „Am Anfang dachte ich, dass vielleicht ein schweres Möbelstück aus großer Höhe heruntergefallen ist.“ Das die Lage ernst war, war schnell klar. Das Einkaufszentrum wurde geschlossen, Merey durfte erst nach einer Viertelstunde wieder heraus. Eigentlich habe er in einem anderen Laden noch Brot kaufen wollte, sagte er. „Wenn ich das gemacht hätte, wäre ich wahrscheinlich verletzt worden.“

Nur kurz nach dem Anschlag rasen Krankenwagen über die Istiklal. Mindestens zehn Fahrzeuge stehen in der Nähe des Anschlagsortes, das Blaulicht blinkt noch immer. Menschen liegen am Boden.

Auf dem Asphalt sind Blutlachen. Über Stunden kreisen immer wieder Hubschrauber über dem Gebiet. Zudem sperren Sicherheitskräfte die Einkaufsmeile großräumig ab. Wie auch bei vorherigen Anschlägen wurde eine vorübergehende Mediensperre verhängt, die nicht für offizielle Stellungnahmen gilt. Der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus verurteilte das Attentat aufs Schärfste. „Das eigentliche Ziel dieses Angriffs ist die gesamte Menschlichkeit“, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu.

Dass es an diesem Samstag nicht mehr Todesopfer gab, ist unter anderem der Uhrzeit geschuldet. Gegen elf Uhr morgens waren viele noch Zuhause. Hinzu kam eine konkrete Terrorwarnung, die sich auf deutsche Einrichtungen bezog. Unter anderem blieben das Generalkonsulat in Istanbul und die Botschaft in Ankara am Donnerstag und Freitag geschlossen. „Der Spiegel“ hatte berichtet, Hintergrund sei eine konkrete Warnung vor einem Anschlag aus dem Umfeld der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das Auswärtige Amt und das US-Außenministerium mahnten zu erhöhter Achtsamkeit vor allem um das kurdische Neujahrsfest Newroz am morgigen Montag.

Während der Gouverneur von Istanbul den Deutschen Panikmache vorwarf, waren die Warnungen vor allem bei den jungen Türken Gesprächsthema Nummer eins — und sie wurden ernst genommen. Am Freitag und in der Nacht waren die U-Bahn und die Bars und Straßen in mehreren Stadtteilen auffallend leer. Freunde mahnten untereinander, bis einschließlich Montag möglichst nicht vor die Tür zu gehen.

Zu dem Anschlag in Istanbul bekannte sich zunächst niemand. Sowohl die Terrormiliz IS als auch eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK (TAK) könnten infrage kommen.

Die TAK (Freiheitsfalken Kurdistans) hatte sich zu dem Anschlag am vergangenen Sonntag mit 37 Toten in Ankara bekannt. Auch die linksterroristische DHKP-C verübt regelmäßig Anschläge.

Infos für Reisende

Welche Rechte haben Urlauber nach dem erneuten Anschlag in der Türkei? Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ich bin in Istanbul — wie verhalte ich mich? Das Auswärtige Amt rät Reisenden in Istanbul, im Hotel zu bleiben. Dadurch kann bereits die Reise mangelhaft sein. Reisende könnten ihren Vertrag mit dem Veranstalter wegen höherer Gewalt kündigen, dieser muss für den Rücktransport sorgen. Eventuelle Mehrkosten beim Rücktransport teilen sich Veranstalter und Urlauber.

Wie ist die Situation, wenn ich mich im Badeurlaub in der Türkei befinde oder einen solchen geplant habe? Urlauber können die Reise abbrechen oder stornieren, bleiben aber auf den Kosten sitzen. Grund: Die Baderegionen der Türkei sind bislang nicht von den Anschlägen betroffen.

Ich habe eine Istanbul-Reise für die kommenden Tage gebucht — kann ich aus Angst zurücktreten? Rein rechtlich blieben Urlauber auf den Stornokosten sitzen, da es keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt. In vielen Fällen zeigten sich die Veranstalter jedoch kulant und böten zumindest eine Umbuchung an.

Wie sieht es aus, wenn ich individuell Flug oder Hotel gebucht habe? Individualreisende müssen selbst bei der Airline kündigen. Diese muss einen Großteil der Kosten zurückerstatten. Doch nach bisheriger Praxis geschieht das häufig nicht. Beim Hotel bleibe Urlaubern nur die Hoffnung auf Kulanz.

Von Mirjam Schmitt und Jan Kuhlmann

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