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Politik im Rest der Welt Bonn soll Paris umsetzen: Weltklimakonferenz eröffnet
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16:32 06.11.2017
Der Premierminister der Fidschi Inseln, Frank Bainimarama, eröffnet die Weltklimakonferenz. Quelle: Oliver Berg
Bonn

Mit der Forderung nach einer konsequenten Umsetzung des Pariser Abkommens hat am Montag die Weltklimakonferenz in Bonn begonnen.

Die bisher größte internationale Konferenz auf deutschem Boden soll in den nächsten zwei Wochen einheitliche Regeln dafür erarbeiten, wie die einzelnen Länder ihren CO2-Ausstoß messen und angeben. Niemand dürfe schummeln, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Eröffnungstag. UN-Klimachefin Patricia Espinosa mahnte: „Wir müssen jetzt handeln!“

Das Treffen mit 25 000 Teilnehmern aus 195 Ländern gilt auch als wichtiger Gradmesser dafür, ob der Geist von Paris nach der Ausstiegsentscheidung von US-Präsident Donald Trump noch lebendig ist. Trump hatte im Sommer die Aufkündigung des Klimaschutzabkommens durch die Vereinigten Staaten beschlossen. Der Ausstieg kann aber erst 2020 vollzogen werden. Neben Syrien wären die USA dann das einzige UN-Land, das das Abkommen nicht mitträgt.

Nach einer am Montag veröffentlichten Studie der Weltwetterorganisation WMO wird 2017 wohl zu den drei heißesten bisher gemessenen Jahren gehören. Frank Bainimarama, Premierminister der Republik Fidschi und Vorsitzender der Konferenz, betonte, das in Paris gegebene Versprechen müsse deshalb unbedingt gehalten werden.

Deutschland, der „technische Gastgeber“ der Konferenz, will seine finanzielle Hilfe für die vom Klimawandel besonders bedrohten Inselstaaten verstärken. Die Bundesrepublik werde weitere 50 Millionen Euro in den sogenannten Anpassungsfonds der Vereinten Nationen einzahlen, kündigte Ministerin Hendricks an.

Das Entwicklungsministerium stellt 50 Millionen Euro für den Fonds der am wenigsten entwickelten Länder bereit. Die deutschen Zusagen in Höhe von insgesamt 100 Millionen Euro direkt am ersten Tag der Konferenz fanden viel Beifall. „Ein guter Start und ein willkommenes Signal dafür, dass Deutschland seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt“, sagte der Klimaexperte Jan Kowalzig von Oxfam.

Der Bund will den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken, bisher gehen die Emissionen dafür aber zu langsam zurück. „Nur wenn Merkel in Bonn handfeste Schritte präsentiert, kann die Kanzlerin einer internationalen Blamage entgehen“, kritisierte der Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid.

Die Klimadebatte ist auch ein großer Streitpunkt in den Jamaika-Sondierungen von CDU/CSU, FDP und Grünen. Die FDP plädierte dafür, die deutschen Klimaschutzbemühungen zu verlangsamen. Generalsekretärin Nicola Beer erklärte, die FDP wolle die international vereinbarten Klimaziele für die Jahre 2050 und 2030 einhalten, stellte aber das deutsche Ziel für 2020 in Frage.

Die amtierende Umweltministerin Hendricks kritisierte diese Haltung. „Jetzt einfach sagen, "naja gut, dann haben wir eben Pech gehabt", das kann nicht sein“, sagte sie in Bonn. Es blieben schließlich noch drei Jahre Zeit bis 2020. 

Grünen-Parteichef Cem Özdemir sagte t-online.de, er erwarte von Union und FDP konkrete Vorschläge zur Erreichung der Klimaschutzziele. „Während in Bonn die Weltklimakonferenz stattfindet, dürfen in Berlin nicht die Augen vor den gewaltigen Herausforderungen verschlossen werden“, sagte er.

Der 2015 vereinbarte Klimapakt von Paris sieht vor, die gefährliche Erderwärmung in einem weltweiten Kraftakt in den nächsten Jahrzehnten zu bremsen und so dramatische Folgen wie Dürren und einen Anstieg der Weltmeere zu mildern.

Das 2015 in Paris beschlossene Welklimaabkommen ist ein Meilenstein im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Ein Überblick:

ZIEL: Die Erderwärmung soll auf klar unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Die Vertragsstaaten sollten sich aber anstrengen, sie bei 1,5 Grad zu stoppen.

WEGE ZUM ZIEL: Die Staaten wollen den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf Null bringen. Sie dürfen dann nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie etwa mit Waldanpflanzungen aus der Atmosphäre gezogen wird. Dafür müsste die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas zwischen 2050 und 2070 enden.

GELD FÜR KLIMASCHUTZ UND ANPASSUNG: Von 2020 bis 2025 sollen die Industriestaaten jährlich 100 Milliarden Dollar (ca. 90 Milliarden Euro) für Entwicklungsländer bereitstellen. Für die Jahre danach soll es ein neues, höheres Ziel geben.

VERLUSTE UND SCHÄDEN: Die Vertragsstaaten erkennen die Notwendigkeit an, ärmeren Staaten bei Verlusten und Schäden durch den Klimawandel zu helfen. Es soll ein Versicherungssystem aufgebaut werden.

VERBINDLICHKEIT: Entscheidende Teile der Vereinbarung sind völkerrechtlich verbindlich. Es gibt jedoch keine Strafen bei Nichterfüllung der Zusagen.

dpa

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