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Politik im Rest der Welt Brasiliens Staatschef Temer sagt G20-Gipfel ab
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11:52 29.06.2017
Temers Absage könnte damit zusammenhängen, dass er die Zeit für Gespräche mit Abgeordneten nutzen will, um sein Amt zu retten.  Quelle: Fernando Bizerra Jr.
Brasilia

Der durch eine Korruptionsaffäre schwer angeschlagene brasilianische Präsident Michel Temer hat seine Reise zum G20-Gipfel nach Hamburg abgesagt.

Der Präsident wolle aus innenpolitischen Gründen lieber in Brasilien bleiben und nicht am Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer teilnehmen, berichteten mehrere Medien.

Als erstes Staatsoberhaupt in der Geschichte des fünftgrößten Landes der Welt ist Temer während seiner Amtszeit wegen Korruptionsverdachts angeklagt worden. Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot reichte zu Wochenbeginn die Klage beim Obersten Gerichtshof in Brasilia ein. Ob es zum Verfahren kommt, hängt vom Parlament ab. Dazu müssten zwei Drittel der Abgeordneten für die Aufhebung der Immunität stimmen - also mindestens 342 der 513 Parlamentarier. Temers Absage der Reise nach Hamburg könnte damit zusammenhängen, dass er die Zeit für Gespräche mit Abgeordneten nutzen will, um sein Amt zu retten.

Zuletzt waren seine Auslandsreisen ohnehin wenig erfolgreich verlaufen. In Norwegen kritisierte Ministerpräsidentin Erna Solberg Temer offen wegen der Korruptionsfälle und der Abholzung im Amazonas-Regenwald. Zudem sprach Temer den Monarchen Harald V. als „König von Schweden“ an. 

Janot beschuldigt Temer, Schmiergeldzahlungen akzeptiert und im Gegenzug zugunsten des größten Fleischkonzerns der Welt, JBS, Einfluss auf die Wettbewerbsbehörde genommen zu haben. Als Beweis führt er Fotos an, auf denen zu sehen sein soll, wie ein Vertrauter Temers von einem JBS-Direktor einen Geldkoffer entgegennimmt. 

Temer hatte 2016 die Macht nach der Amtsenthebung der linken Präsidentin Dilma Rousseff übernommen. Damals hatte auf eine rasche Absetzung gedrungen, damit er als neuer Präsident am G20-Gipfel in China teilnehmen konnte. Heute ist die Zustimmung zu seiner Amtsführung ist auf sieben Prozent gesunken.

dpa

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