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Politik im Rest der Welt Aufruf von George Clooney zum Brunei-Boykott zeigt Wirkung
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Aufruf von George Clooney zum Brunei-Boykott zeigt Wirkung
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10:14 11.04.2019
George Clooney. Quelle: Guillaume Horcajuelo/EPA/dpa
Bangkok/Los Angeles

Gleichgeschlechtlichen Paaren droht in Brunei der Tod durch Steinigung. Dieben soll künftig bei erstmaligen Vergehen die rechte Hand abgeschnitten werden. Der zweite Diebstahl wird mit dem Verlust des linken Beines bestraft.

So sieht es die Einführung eines Scharia-Gesetztes vor, das weltweit für Empörung sorgte. An die Spitze dieser Protestwelle setzte sich George Clooney. Er rief zum Boykott von Luxushotels auf, die sich im Besitz des Sultans von Brunei, Hassanal Bolkiah, befinden.

Clooney wolle seinen Zwillingen auch in Zukunft mit einem reinen Gewissen gegenübertreten. Dabei scheut der Hollywoodstar eine Frage seiner Kinder: „Stimmt es, dass der Kerl, dem all diese tollen Hotels gehörten, schwule Leute zu Tode steinigen ließ – und du bist trotzdem weiterhin hingegangen?“

So das Gedankenspiel von Clooney. Mit diesem fiktiven Dialog hatte der Schauspieler in einer Kolumne für das Online-Portal Deadline selbst noch einmal erläutert, warum er so nachdrücklich gegen Hassanal Bolkiah mobil macht.

Unternehmen ziehen mit

Die öffentlichkeitswirksame Kampagne des Hollywoodstars scheint zu fruchten. Mittlerweile haben auch größere Unternehmen Konsequenzen aus dem Handeln des Sultans gezogen:

• Der Reiseanbieter STA Travel will vorerst keine Flüge der Royal Brunei Airlines anbieten.

• Auch die Virgin Australia Airline beendeten eine Kooperation mit Bruneis nationaler Fluggesellschaft.

Transport for London teilte mit, dass sie Werbung für Urlaubsreisen nach Brunei entfernt haben.

• Die Deutsche Bank hat neun Hotels gestrichen, in denen ihre Mitarbeiter auf Reisen bisher einquartiert wurden.

• Im Londoner „The Dorchester“, eines von Clooneys angeprangerten Hotels, mussten laut „Welt“ bereits zahlreiche Veranstaltungen gecancelt werden.

Clooney betonte in seinem Gastbeitrag, dass man mörderische Regime kaum verändern könne. Im Gegenzug sollten aber Unternehmen, die mit Brunei Geschäfte machen, an den Pranger gestellt werden.

Sultan von Brunei ist einer der reichsten Monarchen

Inwieweit Sultan Bolkiah durch die weltweiten Solidaritätsbekundungen finanziellen Schaden davonträgt, bleibt abzuwarten.

Denn: Der Sultan ist nicht nur einer der dienstältesten (seit 1967), sondern auch einer der reichsten Monarchen der Welt. Sein Vermögen wird, dank enormer Mengen an Erdgas und Öl, auf viele Milliarden Euro geschätzt. Vor vier Jahren bezifferte „Time“ den Reichtum der Familie auf 20 Milliarden Dollar.

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Zudem ist Bolkiah nicht nur Sultan, sondern auch noch Regierungschef, Außen-, Finanz- und Verteidigungsminister sowie „Oberhaupt der offiziellen Religion“. Staatsreligion in Brunei ist eine Form des sunnitischen Islam. Der Palast, in dem er lebt, hat 1788 Zimmer.

In seinem Portfolio an Luxushotels finden sich beste Adressen wieder. In einigen davon gehörte auch Clooney schon zu den Gästen. Künftig will er dort aber nicht mehr übernachten.

Todesstrafen durch Steinigung unwahrscheinlich

Bereits bei der Einführung des Scharia-Gesetzbuches 2014 gab es Proteste. Der damalige Boykott-Aufruf hatte kurzzeitig Erfolg. Vorübergehend verzichtete der Sultan auf härtere Strafen.

Dieses Mal ist das nicht zu erwarten. Als Antwort auf all die Kritik ließ Bolkiah erklären, dass alles wie geplant umgesetzt werde. Die Scharia solle nicht nur den Islam schützen, sondern auch Menschen erziehen.

Wie beim großen Nachbarn Indonesien sind in Brunei konservative islamische Kräfte schon seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Dass Schwule oder Lesben tatsächlich demnächst zu Tode gesteinigt werden, ist trotzdem nicht zu erwarten. Zwar gab es in Brunei auch in jüngerer Zeit Todesurteile, hingerichtet wurde aber seit Jahrzehnten niemand mehr.

Seit Einführung der neuen Scharia-Strafgesetze in 2014 wurde auch noch nie jemand öffentlich mit dem Stock gezüchtigt. Manche Experten halten es jedoch für möglich, dass demnächst einmal an einem gleichgeschlechtlichen Paar ein Exempel statuiert werden könnte - nicht durch eine Steinigung, aber durch eine öffentliche Züchtigung.

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Von RND/Alex Krenn/dpa