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Politik im Rest der Welt „Da ist er erlöst“
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20:10 24.06.2017
Die St. Bernhard Friedenskirche, in deren Nähe Helmut Kohl begraben wird. Quelle: Foto: Dpa
Speyer

Helmut Kohls letzte Ruhestätte liegt in einem grünen Idyll mitten im Herzen der Domstadt Speyer. Es ist ein Platz an der Schnittstelle zwischen Kirche und säkularer Welt, umgeben von großen alten Bäumen, bunten Blumen und einem kleinen Spielplatz in der Nähe. Nah bei die Leut’, wie die Menschen hier sagen. Aber auch nicht allzu nah. Die Grabstelle des Altkanzlers liegt auf dem sogenannten Kapitelsfriedhof, am Rande des Adenauer-Parks.

Die zehn mal acht Meter große Sandfläche ist erst vor wenigen Tagen gerodet worden und liegt noch brach. „Da ist Ruhe und Frieden“, sagt eine Frau, die in der Nähe wohnt und oft im Park ist. „Da ist er erlöst.“ Am 1. Juli soll Kohl hier beerdigt werden, nach einem europäischen Trauerakt in Straßburg und einer Totenmesse im Speyerer Dom.

An der Messe können nur geladene Gäste teilnehmen. Ausschlaggebend seien Sicherheitsgründe, teilte das Bistum Speyer gestern mit. Das Requiem wird aber auch im Fernsehen und auf einen Großbildschirm im südlichen Domgarten übertragen. Dort gibt es nach Angaben des Bistums rund 3000 Stehplätze für Interessierte. Anmelden muss man sich nicht – aber rechtzeitig da sein. „Sobald die maximale Teilnehmerzahl erreicht ist, werden die Zugänge zum Domgarten nicht mehr passierbar sein“, teilte das Bistum mit. Das Requiem werde voraussichtlich am späten Nachmittag beginnen und eineinhalb Stunden dauern. Zuvor ist ein europäischer Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg geplant. Danach soll Kohls Sarg per Hubschrauber nach Deutschland gebracht und nach der Landung bei Ludwigshafen nach Speyer überführt werden. Auf die Totenmesse folgt vor der Beisetzung ein militärisches Abschiedszeremoniell.

Die Wahl des Ortes hat Symbolkraft. Zwar liegt Kohls Grab nicht in der Nähe des Domes, dem er sich besonders verbunden fühlte. Aber eine Verbindung zu der fast 1000 Jahre alten Kathedrale gibt es trotzdem. Kohl wird auf dem Friedhof des Domkapitels beigesetzt. Hier liegen Männer, die mit der Verwaltung der Kathedrale oder dem Gottesdienst zu tun hatten. Nur wenige Meter entfernt steht die Friedenskirche St. Bernhard, die Friedhofskirche des Domkapitels. Sie wurde Anfang der 50er Jahre von Franzosen und Deutschen als „Symbol für Friede und Aussöhnung“ gebaut. Bei der Grundsteinlegung 1953 waren Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und der frühere französische Ministerpräsident und Außenminister Robert Schumann dabei.

Kohls Sohn Walter kritisierte die Pläne für die Trauerzeremonien und das Begräbnis seines Vaters als „unwürdig“. Er werde an der Beisetzung in Speyer nicht teilnehmen, sagte er. Er wünsche sich einen Staatsakt am Brandenburger Tor in Berlin.

Jasper Rothfels

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