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Politik im Rest der Welt De Maizière: Wir bleiben nicht um jeden Preis
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02:21 21.06.2013
De Mazière gestern bei seinem Besuch in Masar-i-Scharif. Quelle: Foto: dpa
Kabul

Überraschungsbesuch in Afghanistan: Verteidigungsminister Thomas de Maizière flog gestern zum Kurzbesuch in dem Land am Hindukusch ein. In der Provinzhauptstadt Herat traf er auf seine afghanischen beziehungsweise italienischen Kollegen Bismillah Khan Mohammadi und Mario Mauro.

Zu besprechen gab es einiges. Der Abzug der internationalen Truppen im kommenden Jahr wirft seine Schatten voraus — und mit ihm die Frage, ob und wie es mit dem internationalen Engagement weitergehen soll. Der deutsche Minister drängte auf baldige Vereinbarungen über ein verlässliches Truppenstatut und ein Nato-Konzept für die Zeit nach 2014: Man bleibe nicht um jeden Preis.

Allerdings schob sich aktuell noch ein weiterer Punkt in den Vordergrund. Die radikalislamischen Taliban, von 1996 bis 2001 Herrscher über Afghanistan und nach Nine-Eleven 2001 von der internationalen Eingreiftruppe unter Führung der USA von der Macht vertrieben, zeigen Anzeichen eines Mentalitätswandels und Verhandlungsbereitschaft. Jeder, der zu einer friedlichen Lösung des Afghanistan-Konflikts beitragen könne, sei willkommen, erklärte deshalb de Maizière. „Vor allem aber müssen diese Gespräche stark geprägt werden durch die legitime afghanische Regierung.“ Der Minister rief alle Seiten zur Besonnenheit auf. „Provokationen jeder Art sollten vermieden werden.“

Damit könnte er die Vorgänge in der Hauptstadt des Emirats von Katar gemeint haben: In Doha hatten die Taliban ihr feierlich eröffnetes „Verbindungsbüro“ auf einem Schild am Eingang als „Politisches Büro des Islamischen Emirats Afghanistan“ gekennzeichnet — so hatten sie das Land in der Zeit ihrer Total-Herrschaft bezeichnet. Auf dem Gelände hissten die Extremisten anschließend die Taliban-Flagge. Für Präsident Hamid Karsai ein Affront — er hatte deshalb die Bereitschaft zur Teilnahme von Delegierten seines „Hohen Friedensrates“ an Gesprächen mit den Taliban zunächst einmal widerrufen.

Doch Karsai, für viele nur ein besserer „Oberbürgermeister von Kabul“, hat nicht unbedingt allein zu entscheiden. „Die Taliban wandeln sich“, glaubt Masum Staniksai, Generalsekretär des Hohen Friedensrats. Es trete eine junge Generation auf, „die neue und andere Ansichten zu allem haben, selbst zu Frauen“. Unter denTaliban gebe es eine zunehmende Bereitschaft, Realpolitik zu betreiben.

„Gute Nachrichten“ waren das für US-Außenminister John Kerry, der seinem Präsidenten die afghanische Bürde erleichtern soll. Die prompte Reaktion dürfte die Taliban von ihrer eigenen Bedeutung einmal mehr überzeugt haben.

LN

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