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Politik im Rest der Welt Dem rechten Mob entschieden entgegentreten
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08:11 29.08.2018
Anhänger der rechtsextremen Szene haben sich in den vergangenen Tagen wiederholt zu Protesten formiert. Quelle: Jan Woitas/dpa
Berlin

Ist es vorstellbar, dass Menschen durch eine deutsche Stadt gehetzt werden, weil sie fremd aussehen? Lassen Sie den Gedanken einmal kurz sacken. Mit den Worten „Was willst Du hier, Du Kanake?“ wurde ein südländisch aussehender Mensch durch Chemnitz gejagt, andere wurden geschlagen, getreten, verfolgt. Wir befinden uns im Jahr 2018. Es sind Bilder, die man nicht sehen und nicht erleben möchte. Es sind Taten, die man sich nicht vorstellen möchte. Es ist beschämend, dass dies in Deutschland passieren konnte. Wieder passieren konnte.

So beschämend es ist, so folgerichtig ist es in Anbetracht der Debatte, wie wir sie speziell seit dem vergangenen Jahr hierzulande führen. Über Migration wird ausschließlich im Sinne von Abschiebungen geredet, der Ausländer ist der Störenfried und potenzielle Gewalttäter, der Nichtsnutz und Sozialschmarotzer.

Um dies klar zu sagen: Es gibt selbstverständlich genau diese Ausländer (so wie es auch deutsche Sozialschmarotzer und Gewalttäter gibt), und wenn das so ist, dann muss es benannt werden. Aber es geht in Wahrheit nicht mehr darum, Dinge zu benennen, die nicht gut laufen, denn das passiert längst. Es geht darum, nicht NUR noch darüber zu reden. Wenn sich Politik von FDP bis CSU und AfD aber einen Dauerwettstreit um die härteste Abschiebung, die effektivste Ablehnung Fremder leistet, wenn manche Medien den Takt mitgehen, vorgeben - dann bilden rechte Bürger irgendwann einen Mob. Verwundert das?

Bekenntnis zu Toleranz und Mitmenschlichkeit

Der Chemnitzer Mob ist nicht Chemnitz. Er ist erst recht nicht Sachsen. Aber der Mob bringt eine Verantwortung mit sich für Chemnitzer, Sachsen und Deutsche. Denn wie stark der Mob sich fühlt, liegt vor allem daran, wie der Rest der Gesellschaft ihm entgegentritt. Ein starkes, gemeinschaftliches Bekenntnis zu Toleranz und Mitmenschlichkeit, gegen Vorverurteilung und gegen Rassismus wäre eine gute und notwendige Antwort. Warum tun wir alle uns so schwer damit? Sind wir der edelsten Werte unserer demokratischen Gesellschaften so überdrüssig geworden, dass wir keine Kraft mehr haben, sie zu verteidigen?

In diesen Monaten wird in Anbetracht des Aufstiegs der AfD zunehmend über die Weimarer Republik geredet. Je nach Diskussionsrunde ist der Zustand des Landes vergleichbar mit 1928, 1930 oder 1932, die Demokratie kurz vor dem Ende; der Abgrund naht. Dieser Vergleich mit Weimar ist aus vielen Gründen mindestens schief. Aber wer glaubt, dass die Werte unserer Gesellschaft, die Demokratie gar in Gefahr ist, der muss aufstehen und es ändern. Das ist unsere Bürgerpflicht. Der Mob ist das eine, doch er hat keine Macht. Wohin die Gesellschaft sich entwickelt, das ist wird noch immer von der Mehrheit entschieden. Es ist Zeit, diese Verantwortung anzunehmen.

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Von Gordon Repinski/RND

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