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Politik im Rest der Welt Demokraten erobern New York: De Blasio wird Bürgermeister
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20:15 06.11.2013
Es ist geschafft: New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio und sein Sohn Dante (16) — ein wichtiger Wahlhelfer für den Papa. Quelle: Fotos: dpa
New York

Mit einem beeindruckenden Ergebnis hat der politische Außenseiter Bill de Blasio die Bürgermeisterwahlen in New York gewonnen. Der eigentliche Sieger aber ist seine Familie: Sohn Dante mit seiner markanten Afrofrisur, Tochter Chiara und Ehefrau Chirlane McCray, die sich als Schriftstellerin und Akivistin der afroamerikanischen Gemeinde einen Namen gemacht hat.

Gemeinsam steht die multiethnische Familie für den Anspruch, dass die Metropole am Hudson River mehr ist als die Herzkammer des Kapitalismus.

Der Wandel, den viele New Yorker erwarten, deutet sich in der Nacht zum Mittwoch auf der Wahlparty an: De Blasio feiert sein überragendes Ergebnis nicht in Manhattan, sondern in Brooklyn, wo eine Mehrheit von 80 Prozent hinter dem Politiker steht. Aus den Lautsprechern im „Park Slope Armory" hallt der Popsong „Royal", die aktuelle Nummer eins der US-Charts. Der überaus klassenkämpferische Text der neuseeländischen Musikerin Lorde ist Programm: „Wir stehen hier zusammen in dem Glauben, dass kein New Yorker zurückgelassen wird“, ruft de Blasio in die Menge. Seine Stimme ist rauh und lässt die Härte der zurückliegenden Wochen erahnen. Es war ein langer Weg, die 20-jährige Amtszeit von republikanischen Bürgermeistern und die Bloomberg-Dekade in „NYC" zu brechen.

In Anlehnung an den Roman „A Tale of Two Cities“ von Charles Dickens schimpft de Blasio über die zwei Städte, die sich in Manhattan und den vier anderen Bezirken gebildet hätten. Die Metropole beherbergt annähernd 400 000 Millionäre und zahlreiche Milliardäre, sei aber nicht in der Lage, den Heranwachsenden vernünftige Schulen anzubieten. In Kurzform lautet de Blasios Gegenprogramm:

Höherer Mindestlohn, 200 000 neue Sozialwohnungen und eine Reichensteuer ab einem Jahreseinkommen von 385 000 Euro. Die Steuern sollen zuallererst in das öffentliche Bildungswesen investiert werden.

Im Wahlkampf warfen die Republikaner dem hochgewachsenen 52-Jährigen vor, zum Klassenkampf aufzurufen. De Blasio kontert kühl: „Das ist nicht Klassenkampf, das ist Mathematik.“ In Manhattan geboren, war er selbst Zeit seines Lebens Zeuge dieser Entwicklung. Seiner Meinung nach sei das Drama allmorgendlich im Nahverkehr zu beobachten: Da sogar für gutverdienende Angehörige der Mittelschicht das Wohnen auf der berühmten Insel an der Mündung des Hudson Rivers unbezahlbar geworden sei, bleibe den Berufstätigen kaum etwas anderes übrig, als zu pendeln. Das glitzernde Meer aus Hochhäusern bleibt den Reichen und Touristen vorbehalten.

Die Frisur des Sohnes brachte Di Blasio im Wahlkampf ganz nach vorne
Eine Afro-Frisur katapultierte den Demokraten Bill de Blasio, der in den Umfragen lange hinten lag, im letzten Moment nach vorn. Die abstehenden krausen Locken seines Sohnes Dante, zusammen mit Gattin Chirlane und Tochter Chiara in einem Wahl-Werbespot zu sehen, wurden Stadtgespräch und brachten enorme Popularitätsschübe.

Der 1961 in New York geborene und im Bundesstaat Massachusetts aufgewachsene De Blasio studierte Politik und internationale Beziehungen. Unter US-Präsident Bill Clinton wurde der 52-Jährige 1997 Beauftragter für regionalen Wohnungsbau in New York und New Jersey, für Hillary Clinton arbeitete er als Manager ihrer ersten Senatskampagne. Danach war er acht Jahre lang Mitglied des New Yorker Stadtrats und seit 2010 Bürgerbeauftragter.

De Blasio, der mit seiner Frau — einer politisch engagierten Dichterin — im New Yorker Trend-Viertel Brooklyn lebt, gilt politisch als links. Er selbst beschreibt sich jedoch lieber als progressiv-liberal.

Stefan Koch

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