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Politik im Rest der Welt Der Alptraum in Aleppo: Wer kann den Menschen helfen?
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21:22 20.08.2016
Retten, was zu retten ist: Einwohner in Aleppo bergen ihre Habseligkeiten nach einem Bombenangriff.

Aleppo. Das tägliche Sterben und Leiden in der nordsyrischen Großstadt Aleppo nimmt kein Ende. Für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist die Schlacht um die Metropole einer der verheerendsten Konflikte der Neuzeit. Vor allem in den von Rebellen gehaltenen Gebieten im Osten Aleppos ist die Situation dramatisch. Dort leben noch bis zu 300000 Menschen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Kein anderes Gebiet im syrischen Bürgerkrieg ist so umkämpft wie die Stadt im Norden des Landes. Es herrscht akuter Mangel an Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Ärzten.

Wie sieht die militärische Lage in Aleppo aus?

Die Stadt ist seit langem geteilt: Regimegegner kontrollieren den Osten der Stadt, Anhänger der syrischen Regierung den Westen. Regimetreue Truppen konnten im Juli nach langen Kämpfen die Rebellengebiete Aleppos von der Außenwelt abschneiden – ein schwerer Schlag für die oppositionellen Kräfte. Anfang August kämpften Rebellen jedoch eine neue Versorgungsroute frei, die vom Süden in die Stadt führt. Über sie kommen Lebensmittel, Treibstoff – und Kriegsmaterial – nach Aleppo.

Warum ist Aleppo seit Jahren umkämpft?

Die ehemalige Handelsmetropole ist neben Damaskus die größte Stadt des Landes. Deswegen hat sie eine große strategische und symbolische Bedeutung. Sollten die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad die Stadt zur Gänze beherrschen, hätten sie mit Aleppo, Damaskus, Hama und Latakia alle großen Städte und damit auch den größten Teil der Bevölkerung unter Kontrolle. Dem Regime wäre es dann gelungen, den Bürgerkrieg auf die ländlichen Gebiete zurückzudrängen. Der Konflikt wäre zwar nicht vorbei, aber Assads Macht nicht mehr ernsthaft gefährdet.

Wie ist die humanitäre Situation in der Stadt?

Vor allem in den Rebellengebieten im Osten der Stadt ist die Lage dramatisch. Große Gebiete sind als Folge der fast täglichen Luftangriffe des Regimes und der russischen Luftwaffe zerstört. Ein normales Leben gebe es nicht mehr in der Stadt, berichtet Dschud al-Chataib, Reporter des lokalen oppositionellen Radiosenders Hara FM. Die Menschen hätten aus Sorge vor Luftangriffen Angst, auf die Straße und auf die Märkte zu gehen. Hilfsorganisationen und Einwohner berichten von einem akuten Mangel an Trinkwasser und Nahrungsmitteln. Strom gibt es fast nur noch über Generatoren.

Allerdings hat sich die Lage etwas verbessert, seitdem Regimegegner den Korridor freikämpft haben. Auch in den vom Regime gehaltenen Gebieten im Westen Aleppos fehlen Strom und Trinkwasser.

Wie schlecht ist die ärztliche Versorgung?

In den Kliniken im Osten der Stadt spielt sich ein Drama ab. Fast täglich gibt es als Folge der Luftangriffe Tote und Verletzte. Mohammed, 29 Jahre alter Pfleger in einem Krankenhaus, berichtet, es gebe dort nur noch elf Ärzte. Täglich kämen bis zu 250 Patienten in die Klinik. Es gebe aber nur noch 25 Betten. Akuter Mangel herrsche auch an Medikamenten und medizinischem Material. „Das Schlimmste ist, einen Patienten leiden zu sehen, ohne ihm helfen zu können“, klagt Mohammed.

Wer kämpft in und um Aleppo gegeneinander?

Auf Rebellenseite haben mehr und mehr radikale Milizen die Oberhand gewonnen. Dazu zählt beispielsweise die extremistische Dschabhat Fatah al-Scham, ein ehemaliger Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Einflussreich ist auch die Miliz Ahrar al-Scham, die häufiger mit den afghanischen Taliban verglichen wird. Aufseiten des Regimes hat die erschöpfte Armee stark an Bedeutung verloren. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass schiitisches Milizen aus dem Ausland das Kommando haben, vor allem Kämpfer aus dem Iran und der libanesischen Hisbollah.

Zeichnet sich irgendeine Lösung für Aleppo ab?

Hinter den Kulissen ringen Russland als Verbündeter des Regimes und die USA als Unterstützer der Rebellen seit längerem um eine Lösung für Aleppo und eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche in Genf. Bislang ist nicht zu erkennen, dass sie eine Einigung finden könnten. Schon in der Vergangenheit waren Waffenruhen für Aleppo und andere Gebiete Syriens immer wieder gescheitert.

LN

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