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Politik im Rest der Welt Der König ist tot, lang lebe der König
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20:21 22.10.2016
Ihre Trauer kennt kaum Grenzen: Beinahe ganz Thailand weint um den toten Bhumibol Adulyadej. Quelle: dpa

. Nach dem Tod des thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej vor gut einer Woche haben Zehntausende ihm zu Ehren in der Hauptstadt Bangkok die königliche Hymne gesungen. Ein Meer von Menschen – trotz der glühenden Mittagshitze ganz in Schwarz gekleidet – versammelte sich auf dem Paradefeld vor dem prunkvollen alten Königspalast und in den umliegenden Straßen zu der Gesangsveranstaltung. Begleitet wurden sie von einem professionellen Chor samt Orchester.

Viele hielten Porträts oder Geldscheine mit Bhumibols Konterfei hoch, während sie sangen. Etlichen standen Tränen in den Augen. Viele Thailänder verehren den König mit nahezu religiöser Hingabe.

Menschen lassen sich das Zeichen für „9“ eintätowieren, auch auf die Stirn. Bhumibol war der 9. König der Chakri-Dynastie. Banken geben Millionen schwarze T-Shirts an Bedürftige, damit auch sie ihre Trauer zeigen können. Eine Hotline gibt Tipps zur Trauerbewältigung.

Vor dem Großen Palast finden sich seit dem Tod des dienstältesten Monarchen der Welt am 13. Oktober zahlreiche Menschen zu Trauerbekundungen ein – zum Teil reisen sie von weit her an; einige schlagen Zelte auf, andere übernachten auf einfachen Bambusmatten im Freien.

Mancher fühlt sich an die außerordentlichen Gefühlsausbrüche der Trauer in Großbritannien nach dem Tod von Prinzessin Diana 1997 erinnert. Plötzlich identifizierten sich die kleinen Leute mit der Frau, die sie als „Prinzessin des Volkes“ verehrten. „Mein Platz ist mitten unter meinem Volk“ war auch das Motto von Bhumibol. „Ohne ihn fühlen die Menschen sich verloren, als wenn das ihnen vertraute Leben nun vorbei ist“, sagt der im Ausland aufgewachsene Autor und Komponist Somtow Sucharitkul.

Die regierenden Militärs fördern den Kult um den König nach Kräften. Majestätsbeleidigung wird mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft. Zahlreiche Thailänder verschwanden wegen Königslästerung jahre-, manchmal jahrzehntelang hinter Gittern. Ultramonarchisten gingen nach Bhumibols Tod zum Teil gewalttätig gegen Landsleute vor, die ihrer Meinung nach nicht gebührend um den König trauerten.

LN

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