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Der „Rocker“ holt auf: Steinbrück hofft auf Endspurt

Berlin Der „Rocker“ holt auf: Steinbrück hofft auf Endspurt

Mit seinem „Stinkefinger“-Foto beweist Peer Steinbrück wieder einmal: Er polarisiert und zieht sein Ding durch.

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Mit dieser Geste auf dem Titel des SZ-Magazins sorgt Peer Steinbrück für Diskussionen.

Quelle: Fotos: dpa, AFP

Berlin. Vielleicht ist das ein bisschen viel „Klartext“ so kurz vor einer Bundestagswahl. Vom Titel des Magazins der „Süddeutschen Zeitung“

grüßt Hunderttausende Leser ein Peer Steinbrück, der den „Stinkefinger“ zeigt. In Sachen maximale Aufmerksamkeit dürfte er damit einen Volltreffer gelandet haben. Im beliebten Ohne-Worte-Interview des Magazins, wo spielerisch mit Gestik und Mimik geantwortet wird, soll der SPD-Kanzlerkandidat auf folgende Frage antworten: „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi — um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“. Steinbrück schaut etwas finster rein: Der Mund offen, die Arme verschränkt, den Mittelfinger der linken Hand gen Kamera gestreckt.

Immer wieder hat er sich geärgert, wie Medien über ihn berichten — habe das Land keine wichtigeren Probleme als sich über vermeintliche Fehltritte von ihm zu echauffieren? Bisher ist der „Stinkefinger“ von Stefan Effenberg Richtung deutsche Fans bei der Fußball-WM 1994 besonders in Erinnerung — Steinbrück spielt nun in dieser Liga mit. Sein Sprecher wollte das Bild in Erwartung der möglichen Aufwallung nicht freigeben. Steinbrück antwortete nur: „Nein, das ist okay so“.

Der SPD-Kanzlerkandidat setzt auf den Humor der Deutschen. Sicher, von der Kanzlerin oder SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier würde es solche Fotos nie geben. Aber Steinbrück kultiviert damit nach Meinung der SPD seinen polarisierenden Stil — die Partei wittert Morgenluft im Wahlkampf. „Bei mir rockt es“, sagte Steinbrück jüngst. „Das Programm muss zum Kandidaten passen und der Kandidat zum Programm. Ihr müsst mir aber auch etwas Beinfreiheit einräumen“, hatte Steinbrück vor knapp einem Jahr nach seiner Ausrufung zum Kanzlerkandidaten gesagt. Nach dem Holperstart war aber von der Beinfreiheit wenig zu sehen, die Partei beschloss ein eher linkes Programm mit Mindestlöhnen von 8,50 Euro und höheren Steuern.

Inzwischen aber hat Steinbrück seit dem „Burgfrieden“ mit Parteichef Sigmar Gabriel besser Tritt gefasst. Und er nimmt sich die Beinfreiheit, zieht sein Ding durch.

In Windeseile hatte sich das Titelbild noch vor dem Erscheinen an diesem Freitag im Internet verbreitet. Schnell teilte sich das Meinungsbild in die zwei Lager „Ironie muss noch erlaubt sein“

und „Geht gar nicht“. Union und FDP wetterten gegen den „peinlichen Kandidaten“. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Ich habe dazu keine Worte.“ Insgesamt ist das Echo gemäßigter als etwa bei Steinbrücks Aussagen zum Kanzlergehalt. Er wird mittlerweile differenzierter beurteilt. Inzwischen gibt es einen eigenen Twitter-Account: „Peers Finger“. Hier werden Kurzbotschaften abgesetzt wie: „Lieber Gesten aus der Gosse statt Positionen aus dem Mittelalter.“

Jenseits davon zeigt sich eine Woche vor der Bundestagswahl: Nichts ist entschieden. Schwarz-Gelb und die Opposition liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die SPD hofft in Bayern bei der Landtagswahl auf 20 plus, um mit voller Kraft in die letzte Wahlkampfwoche im Bund zu gehen. Im ARD-„Deutschlandtrend“ kommt die SPD bundesweit auf 28 Prozent, im „Politbarometer“ des ZDF sind es 26 Prozent. Und Steinbrück rangiert bei den Beliebtheitswerten zwar immer noch klar hinter Merkel. Doch den Abstand hat er deutlich verkürzt. Steinbrück zieht sein Ding durch.

„Das ist kein Kanzlerformat, sich so fotogra-

fieren zu lassen.“


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