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Politik im Rest der Welt Deutsche U-Boote im Anti-Drogen-Kampf
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20:23 19.12.2015
Zwei U-Boote der Klasse 206 A der Deutschen Marine 2010 in der Eckernförder Bucht. Die Deutsche Marine hatte diese U-Boot-Klasse in den Ruhestand geschickt. Quelle: Fotos: Dpa

. Die Schnellstraße Panamericana von Alaska nach Feuerland ist fast komplett befahrbar, nur zwischen Panama und Kolumbien gibt es eine große Lücke. Hier existiert nur Dschungel. Doch wo Handelswege keine Landverbindung finden, werden die Handelnden kreativ, auch und gerade die Kokainschmuggler der Region: Sie haben ihre Logistik aufs Meer verlegt und tauchen dabei gern auch mal unter, denn sie weichen immer öfter auf kleine abenteuerliche U-Boote aus. Auch mit Flugzeugen und Schnellbooten wird das in den USA so begehrte weiße Pulver tonnenweise Richtung Norden gebracht.

Manchmal wird so ein selbst gebautes U-Boot mit mehreren Tonnen Kokain an Bord zwar aufgebracht, zum Beispiel am Freitag auf hoher See durch die ecuadorianische Küstenwache. Das gelang aber nur, weil das Boot mit Motorschaden auftauchen musste.

Effektiver soll der der florierende Wassertransport nun mit deutscher Hilfe eingedämmt werden. Nach wochenlanger Fahrt über den Atlantik an Bord des Frachters „BBC Sapphire“ sind jetzt zwei U-Boote der deutschen Marine, die für den neuen Bestimmungszweck mit neuer Technik ausgerüstet worden sind, in Kolumbien eingetroffen. Der Bundessicherheitsrat hatte dafür grünes Licht gegeben, im Rüstungsexportbericht wird die Maßnahme aufgeführt.

Kolumbien ist derzeit einer der größten Empfänger von Rüstungsgütern in Südamerika — und gilt als verlässlicher Partner. Zumal Präsident Juan Manuel Santos das Land durch einen bis Ende März geplanten Friedensschluss mit den über 8000 Kämpfern der linksgerichteten Farc-Guerilla stabilisieren will. Da die Terror-Organisation sich vor allem aus dem Kokainhandel finanzieren, könnte das die Produktion eindämmen, hofft man. Die wird auf 300 bis 400 Tonnen im Jahr geschätzt. Früher lag sie bei bis zu 700 Tonnen Der UN-Koordinator für Kolumbien, Fabrizio Hochschild, meint mit Blick auf den verstärkten Anti- Drogenkampf in Kolumbien: „Das hat Einfluss in Berlin, das hat Einfluss in München.“

Teil des Kampfes, der in Kolumbien lange halbherzig geführt wurde, sind auch die deutschen U-Boote. Präsident Juan Manuel Santos hat sie in Cartagena auf die Namen „ARC Intrépido“ (Unerschrocken) und „ARC Indomable“ (Unbeugsam) getauft.

Die U-Boote der Klasse 206 waren zuvor als U 23 und U 24 im Besitz der deutschen Marine und wurden in der Kieler Werft ThyssenKrupp Marine System umgebaut. Sie sollen auch in niedrigen Gewässern sehr gut zu manövrieren sein. Jedes Boot wiegt 500 Tonnen und bietet Platz für 23 Mann Besatzung. Es kann bis zu 15 Tage am Stück unterwegs sein, ist 49 Meter lang, 4,5 Meter breit und 8,6 Meter hoch. Der Kaufpreis soll bei 110 Millionen Euro liegen.

Die Boote sollen vor allem den Golf von Urubá sicherer machen. Diese 25 Kilometer schmale Meeresstraße ist zu einem Hotspot des „Narcotrafico“, des Handels mit verbotenen Rauschmitteln, geworden. Es wird Kokain nach Panama und andere mittelamerikanische Länder transportiert. Hier ist das Úsuga-Kartell aktiv, angeführt von Dairo Úsuga, alias „Otoniel“, einem der meistgesuchten Männer Kolumbiens. Die Regierung hat auf ihn ein Kopfgeld von rund 482 000 Dollar ausgesetzt, die USA sogar fünf Millionen Dollar, wenn „Otoniel“ gefasst wird. Bisher ist das allerdings niemandem gelungen, das Kopfgeld blieb unangetastet.

Zur Bekämpfung des Kokainschmuggels auf dem Meer wurde auch eine Sondereinheit mit Namen „Neptun“ gegründet. Und Verteidigungsminister Luis Carlos Villegas setzt große Hoffnungen in die U-Boote aus Alemania. Er betont, die U-Boote würden „helfen, unsere Erfolge im Kampf gegen den Drogenhandel zu erhöhen, mehr Drogen zu beschlagnahmen und andere Verbrechen, die sich in kolumbianischen Gewässern ereignen, zu bekämpfen“.

Staat der Gewalt
Kolumbien ist mit 1,13 Millionen Quadratkilometern ungefähr dreimal so groß wie Deutschland, hat aber mit 47 Millionen Menschen nur etwas mehr als halb so viele Einwohner. Laut der Organisation Codhes gibt es 5,2 Millionen Binnenvertriebene, die sich auf der Flucht vor paramilitärischen Einheiten im Dienst von Minengesellschaften oder Großagrariern an den Rändern der großen Städte niederlassen.
Es blüht das illegale Drogengeschäft. 70000 Hektar werden für Kokaanbau genutzt, Drogengeld finanziert viele Paramilitärs. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnt, dass mindestens 34 indigene Völker aufgrund anhaltender Gewalt in ihrer Existenz bedroht sind.

Georg Ismar und Rodrigo Ruiz-Tovar

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