Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Deutsche in Afghanistan mit Alkohol- Problemen?
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Deutsche in Afghanistan mit Alkohol- Problemen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:21 25.06.2013

So habe ein Soldat, der sich vor kurzem in Masar-i-Scharif selbst erschoss, zwei Promille Alkohol im Blut gehabt.

Kommt nun das Aus für Bier und Wein? Bei Amerikanern, Niederländern und Australiern herrscht seit langem striktes Alkoholverbot. Franzosen hingegen dürfen in Maßen konsumieren — wie Deutsche auch. Für die Bundeswehr gilt offiziell seit langem die Zwei-Dosen-Regelung. Jeder Soldat darf am Abend entweder zwei kleine Dosen Bier, einen halben Liter Weizenbier oder ein Glas Wein trinken. Erfahrungsgemäß gehen die allermeisten Soldaten verantwortungsvoll mit Alkohol um.

Wer es aber unbedingt darauf anlegt, der findet Wege, die Regelung zu umgehen. Dosen können gehortet werden. Sanitätsalkohol aus Feldlazaretten kann mit Wasser und Limonadenpulver aus Verpflegungspaketen zu einem sehr kräftigen Cocktail gemischt werden.

Zwei Dosen am Tag sind erlaubt

Ohnehin wird die Regelung je nach Standort unterschiedlich gehandhabt. Im größten Camp in Masar-i-Scharif wird Alkohol nur in den sogenannten Betreuungseinrichtungen und nur gegen Bezugsschein ausgegeben. Zeitweise wurden die Dosen direkt an der Theke geöffnet, damit sie eben nicht gehortet werden können. Im Isaf-Hauptquartier in Kabul gibt es für Deutsche gar keinen Alkohol, seit ihn der damalige Isaf-Kommandeur 2009 auch für Nicht-Amerikaner verbieten ließ.

In Kundus dagegen gilt die Zwei-Dosen-Regelung zwar, sie wird aber bislang nicht überprüft. Dort haben Einheiten ab einer bestimmten Größe die Möglichkeit, auch sogenannte Nebentheken zu eröffnen. Theoretisch könnten Soldaten im Feldlager somit auf Kneipentour gehen, ohne dass das an dem Abend selber notwendigerweise auffallen müsste.

Dennoch seien Exzesse äußerst selten, sagt ein früherer Offizier, der insgesamt rund 18 Monate eingesetzt war. Der Ex-Offizier, der anonym bleiben möchte, ist gegen ein generelles Alkoholverbot.

„Gerade unter Deutschen gehört es dazu, im Wesen der Kameradschaft abends auch mal ein Bierchen miteinander zu trinken“, sagt er. Schon vor Jahren debattierte der Bundestag, ob eine Million Liter Wein und Bier pro Jahr für die Afghanistan-Truppe nicht zu viel wären. Dagegen der frühere Offizier: Es gebe „keinen Grund, eine härtere Regelung zu erlassen“. Wer unbedingt trinken wolle, der finde immer Mittel und Wege dazu. „Die Frage ist, ob ein Verbot nicht dazu führen würde, dass heimliche Exzesse zunehmen würden.“

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Brandbeschleuniger an 19 Stellen. Terroristen hatten Wohnung in Zwickau zur Festung ausgebaut.

26.06.2013

Arbeit für NSA, um „Schnüffeleien“ publik zu machen. Putin: Er hält sich am Flughafen auf.

25.06.2013

Der Hochwasserschutz soll ausgebaut werden.

25.06.2013
Anzeige