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Politik im Rest der Welt Die Bundeswehr in anderen Umständen
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20:14 03.06.2017

Mit Babybauch an die Front? So weit geht die Bundeswehr nicht. Damit aber auch Schwangere in der Truppe ein soldatisches Erscheinungsbild pflegen können, testen sie nun spezielle Uniformen – in gleich zwei Ausführungen.

Soldatin mit Babybauch: Aktuell gibt es rund 400 Schwangere bei der Bundeswehr. Quelle: Foto: Jana Neumann/bundeswehr/dpa

Schwangere Frauen in der Bundeswehr müssen sich künftig nicht mehr in enge Uniformen zwängen. Derzeit werden Umstandsuniformen getestet – es sei höchste Zeit, dass entsprechende Kleidung eingeführt werde, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in der vergangenen Woche. Die Kosten für den Versuch belaufen sich nach Ministeriumsangaben auf rund 650 000 Euro – für zunächst einmal bis zu 500 Uniformsätze. In einem Jahr soll die fertig entwickelte Umstandsuniform dann flächendeckend eingeführt werden.

Zwei Prozent der Soldatinnen schwanger

Bereits im Dezember 2015 hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) entschieden, dass schwangere Soldatinnen spezielle Kleidung erhalten sollen. Rund 400 der insgesamt 20 000 deutschen Soldatinnen – also rund zwei Prozent – sind nach Angaben der Bundeswehr aktuell schwanger. An dem „Trageversuch“ genannten Test nehmen 60 Soldatinnen teil. Sie sollen Passform und Tragekomfort der Umstandsvariante von Dienstanzügen und Feldbekleidung beurteilen.

Bisher müssen Soldatinnen in anderen Umständen Zivilkleidung tragen, sobald die herkömmliche Uniform nicht mehr über den Babybauch passt. Umstandsuniformen seien in anderen Armeen, etwa den Streitkräften der USA oder der Niederlande, bereits üblich, sagte der Sprecher. Entsprechend stehe die Bundeswehr etwa in Kontakt mit Streitkräften aus den USA.

Dienstanzüge tragen Soldaten etwa bei Gelübden, wie ein Sprecher erklärte. Die als „Grünzeug“ bekannte Feldbekleidung in Tarnfarben müsse entgegen dem Namen nicht zwingend im Gelände, sondern könne auch hinterm Schreibtisch getragen werden. Der Unterschied zur bisherigen Uniform bestehe in einem weiteren Schnitt und einem elastischen Bund, sagte der Sprecher. Zusätzlich sei eine Strickjacke als Alternative zu einem Pullover angedacht. Sie kann „am oberen und unteren Ende dem Wohlempfinden entsprechend geöffnet werden“, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Die Überlegung dahinter geht zurück auf Modernisierungspläne der Bundeswehr hin zu einem zeitgemäßen Arbeitgeber, der Gleichstellung ermöglicht. Seit 1975 gibt es Frauen im Sanitätsdienst und beim Militärmusikdienst der Bundeswehr. Nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, können sie seit 2001 die gleichen militärischen Laufbahnen wie Männer einschlagen.

Weder Aprilscherz noch Realsatire

Beim Kurznachrichtendienst Twitter fragten Nutzer, ob es sich bei dem Trageversuch um einen Aprilscherz oder Realsatire handele. Auch ein Sprecher der Polizeigewerkschaft GdP gab sich überrascht. Zwar habe es bei der Bundespolizei Überlegungen zu einer entsprechenden Uniform gegeben, berichtete Sprecher Rüdiger Holecek. Ernsthaft eingefordert habe das bisher noch niemand. Wer nicht in Mutterschutz gehe, wenn Hemd und Hose zu eng werden, greife zu Zivil. Das sei möglich, weil Schwangere nicht im Streifendienst eingesetzt werden.

Marie Frech

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