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Die Macht der zielgerichteten Botschaften

Berlin Die Macht der zielgerichteten Botschaften

Wahlkampf-Strategen nutzen aus dem Netz gefischte persönliche Wählerdaten – Kritiker sehen die „Demokratie gefährdet“.

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Das Twitter-Thema: Das Social-Media-Unternehmen beschäftigte auch Teilnehmer des Web-2.0.-Konvents von re:publica in Berlin.

Quelle: Foto: Chr. Schmidt/dpa

Berlin. Es sind nur wenige Klicks bis zur spezialisierten Wahlwerbung für eine kleine Zielgruppe. Schnell die gewünschte Altersgruppe auswählen, ein paar weitere Infos über die Adressaten hinzufügen – und schon geht eine angepasste Wahlkampf-Botschaft bei Facebook online. Sehen können sie nur die Nutzer, die bei der Auswahl der Interessen nicht durchs Raster gefallen sind.

Möglich machen das riesige Datenmengen, die im Internet und vor allem in sozialen Netzwerken gespeichert werden. Denn mit nahezu jedem Klick hinterlassen alle Internetnutzer ihre Spuren – und zahlreiche Unternehmen warten nur darauf, diese sammeln, auswerten und für sich nutzen zu können. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto genauer kann dann eine Kampagne angepasst werden.

Welche Ausmaße das haben kann, hat der US-Wahlkampf – vor allem das Team um Donald Trump gezeigt. „Trump hat im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf völlig widersprüchliche Aussagen an verschiedene Gruppen gesendet“, sagt Martin Emmer, Experte für politische Kommunikation an der Freien Universität Berlin. Und auch Fake News waren dabei.

So wie jetzt auch in Deutschland: Die CDU habe einen alten Wahlslogan der DDR-Staatspartei SED auf ihren Wahlplakaten verwendet – so legt es ein vielfach im Netz geteiltes Bild nahe, das auch die AfD verbreitete. Dann kam heraus: Das vermeintliche SED-Wahlplakatfoto war gefälscht, man sei leider auf ein „Fake-Bild“ hereingefallen, ruderte die AfD zurück. „Allerdings klingen die #CDU-Plakate unserer Meinung tatsächlich wie nach #SED“, twitterten die Rechtsnationalen als Rechtfertigung.

Die vielen „Interaktionen“ zeigen jedoch: Die Zielgruppe war erreicht und reichte den Fake gerne an Gleichgesinnte weiter.

Mikrotargeting heißt die beschriebene Strategie. Bei diesem Verfahren können mit Hilfe der analysierten Datenmassen immer kleinere Interessensgruppen mit der für sie zugeschnittenen Botschaft versorgt werden. Neben Alter und Beruf können so auf einmal auch der Musikgeschmack oder besuchte Veranstaltungen dafür sorgen, dass selbst Mitglieder einer Familie unterschiedliche Botschaften derselben Partei erhalten. „Das ist die Zukunft von Wahlkämpfen: Es werden nicht mehr ganze Milieus angesprochen, sondern einzelne Gruppen dieser Milieus“, sagt André Haller, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Bamberg. Er ist sicher, „dass gezielte Werbeanzeigen bei Facebook das große Ding im Bundestagswahlkampf sein werden“.

Doch welche Folgen hat es für die Demokratie, wenn bestimmte Botschaften nur an ausgewählte Leute geschickt werden? „Wenn digitale Profile dazu genutzt werden, um kleinen Gruppen von Menschen zielgerichtet genau diejenigen politischen Botschaften zu vermitteln, die sie hören wollen, unterminiert das die Demokratie“, sagt Wolfie Christl. Digitale Wahlwerbung auf Basis von Nutzerdaten könne manipulativ wirken, meint der Datenexperte aus Wien. Alexander Nix, Geschäftsführer der Firma Cambridge Analytica, gehörte selbst zu den Vorreitern des Mikrotargeting, half damit sowohl den Kampagnen der Brexit-Befürworter als auch der von Donald Trump: „Du kannst keine schlechten Kandidaten zu einem guten machen, und du kannst auch keine Wahl drehen.“

Aber Stimmung machen und verstärken. Facebook-Besucher der AfD-Seite registrieren, dass die Partei aggressiver im Online-Wahlkampf wird. Mit verantwortlich ist laut „Spiegel“ wohl die Wahlkampf-Agentur Harris Media aus den USA, die auch schon Donald Trump und der britischen Brexit-Partei Ukip half und gern ihre guten Drähte ins Silicon Valley einsetzt, falls die Politik Bedenken hat. Es braucht offenbar keine Russen für schmutzige Online-Kampagnen. mw

LN

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