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Politik im Rest der Welt Die Partei für den kleinen Unterschied
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20:18 23.04.2016
Kämpferisch, selbstbewusst — und optimistisch: Christian Lindner und die FDP wittern Morgenluft. Quelle: Fotos: Dpa

Die FDP will zukünftig eine Partei des kleinen Unterschieds sein. So stellt sich das Christian Lindner vor. Lindner, der auf dem Berliner Bundesparteitag für eine ohne schrillen Lärm vorgetragene Stundenrede so viel Beifall kassiert wie einst der „Ex“ Philipp Rösler anlässlich dessen Rostocker Auftritts, hat eine neue These: Die Parteienlandschaft ohne klare Abgrenzungen sei die Chance der FDP.

Der Vorsitzende der Nicht- mehr-Bundestagspartei fühlt sich erkennbar pudelwohl in den Räumen der zur Kultstätte des Anderssein gekürten „Station Berlin“. Sonst geht es hier eher um Düfte, um Barmixer, um Pornosternchen. Auch die SPD versuchte hier schon einmal, nicht ganz erfolgreich, einen ihrer Neuauftritte.

Während des laufenden 67. Ordentlichen Bundesparteitages der Freien Demokratischen Partei an diesem Wochenende hat Lindner eine groß klingende Idee, für die er wirbt: „Es muss probiert werden, ohne dass gleich alles perfekt sein muss.“ Im Neu-Sprech der Liberalen Moderne heißt das: „Beta Republik Deutschland.“ Weil das stark an Betablocker zur Bekämpfung der Herzinsuffizienz erinnert, spöttelt der letzte große Alt-Sozialliberale Wolfgang Kubicki natürlich sofort. Aber anders als früher erträgt man derlei lockeres Denken in der FDP. Irgendwie scheint sich die Partei mit der Zwischenstation in der Hauptstadt auf einer Art kollektivem Klassentreffen zu befinden. Küsschen hier, Lachen dort, hoffnungsvolles Blinzeln nach Berlin beim Ex-Generalsekretär Patrick Döring. „Nie wieder eine reine Funktionspartei. Wir haben die Trendwende geschafft.“ Ein Blick in die Gesichter der Delegierten zeigt, hier sitzen Leute, die gern wieder an das glauben wollen, was vom Podium herab gesagt wird.

Lindner, als Aktivist der neuen Betablocker-FDP, sieht auch thematisch eine Chance jenseits der Flüchtlings- und AfD-Debatte. „Wer etwas gegen Ungleichheit tun will, der beseitigt den größten Mangel, nämlich gleiche und gute Chancen auf Bildung.“ Jetzt gebe es die Zeit für eine „Bildungsrevolution“. Bildung dürfe nicht länger eine No-Go-Area für eine Bundesregierung sein. Und technologisch müsse das Land entrümpelt werden, weil es von einer „Reagierung“ geführt werde. In Israel gebe es freies WLan selbst in der Wüste, „bei uns nicht einmal auf der Computermesse Cebit in Hannover.“ Bei solchen Sätzen jubeln die FDP-Delegierten ihrem Parteichef zu. Lindner ist ein guter Redner. Die hatte die FDP früher auch schon. Neu ist, dass es Delegierte gibt, die sich zu Wort melden, nur um zu sagen, sie seien „stolz darauf“ in der Partei zu sein.

Nicht mehr opportunistisch pur, nicht mehr stur regierungsfixiert und nicht mehr schlicht liberal soll die Partei sein, die Christian Lindner gern auch in weißen Sneakers, verwaschenen Jeans und blauem Edelsakko repräsentiert. Es mangelt der Partei heute an schweren schwarzen Dienstlimousinen, Personenschützern vom Bundeskriminalamt und wuseligen gewichtigen Lobbyisten.

Dafür gibt es aber schnörkelige Bekenntnisse. „Wer uns so eindeutig auf die Union als Partner festlegen will, der soll doch bitte mal darlegen, wo die grundlegenden Unterschiede zwischen CDU, SPD und Grünen liegen. Das ist doch, bitteschön, eine Soße. Den Unterschied müssen wir machen.“

PARTEITAGSSPLITTER

Zeitweiliger Gast auf dem Konvent ist auch Lutz van der Horst. Vor zwei Jahren war er in die FDP eingetreten, vor zwei Wochen hat der Comedian (bekannt unter anderem als „Außenreporter“ bei der „heute show“ im ZDF) bei der SPD unterschrieben. Das Motto des Unterhalters: „Ich bin immer da, wo die Not am größten ist.“

Zurückhaltend kommentiert der Alt-Liberale Hermann Otto Solms die Lage: „Sanierungsfall war gestern. Heute sind wir aus dem Gröbsten raus.“

FDP-Vize Wolfgang Kubicki hat den Anspruch der Liberalen bekräftigt, bei der Bundestagswahl 2017 stärker zu werden als die AfD. Das sei nicht vermessen, sondern „eine demokratische Pflicht“, so Kubicki. „Wir sind das genaue Gegenteil der AfD“, fügte er hinzu.

Zu Beginn des Parteitages hat Parteichef Christian Lindner Hans-Dietrich Genscher und Guido Westerwelle gewürdigt. Genscher sei ein „großer Staatsmann“ gewesen, eine „liberale Ikone“ und ein „väterlicher Freund“; Westerwelle habe die Liberalen als Wahlkämpfer mitgerissen und begeistert.

Von Dieter Wonka

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