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Die „blaue Eminenz“ blieb unbelehrbar

Lübeck Die „blaue Eminenz“ blieb unbelehrbar

Bis zum Schluss verteidigte die jetzt gestorbene Margot Honecker den Sozialismus in der DDR.

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Auf dem Höhepunkt ihrer Macht: Volksbildungsministerin Margot Honecker und ihr Mann Erich (r.) während einer 1.-Mai-Parade in Ost-Berlin. Wegen der getönten Haare wurde die Ehefrau des Staats- und Parteichefs im Volksmund auch die „blaue Eminenz“ genannt.

Quelle: Imago, Action Press, Dpa

Santiago de Chile/Berlin. Von 1963 bis 1989 stand sie an der Spitze des DDR-Volksbildungsministeriums, nach dem Niedergang der DDR wanderte sie 1992 nach Chile aus und lebte dort bis zu ihrem Tod am Freitag. Margot Honecker, die Witwe des langjährigen DDR-Staats- und Regierungschefs Erich Honecker, tauchte in den letzten Lebensjahrzehnten nur noch gelegentlich als „Blaue Eminenz“ der DDR in der Öffentlichkeit auf. Die Bezeichnung aus DDR-Tagen spielte auf den Blaustich in ihren Haaren an.

Die alte Dame, die nahe bei ihrer Tochter Sonja in Santiago de Chile lebte, hielt unbeirrbar an den Dogmen des sozialistischen Systems fest, bis sie mit 89 Jahren starb. „Wir hatten doch Feinde — und deshalb die Staatssicherheit“, sagte sie 22 Jahre nach dem Ende der SED-Herrschaft im TV-Interview. Die innerdeutsche Grenze und die Lebensgefahr für „Republikflüchtlinge“ fand sie legitim. Es habe ja niemand über die Mauer klettern müssen. „Diese Dummheit mit dem Leben zu bezahlen, das ist schon bitter.“ In ihrer Zeit als Volksbildungsministerin wurde der „Wehrkundeunterricht“ mit Ausbildung an der Waffe eingeführt, für Kinder von „Republikflüchtlingen“ wurden Zwangsadoptionen organisiert.

Von Anbeginn war die aus Halle an der Saale stammende Margot Honecker Mitglied der SED. Nach einem Sonderlehrgang an der Parteihochschule Liebenwalde arbeitete sie von 1948 bis 1953 als Sekretärin des Zentralrats der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und wurde Vorsitzende der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“. Mit 22 schaffte sie den Sprung in die Volkskammer der DDR. 1963 wurde sie Vollmitglied des Zentralkomitees der SED.

1949 lernte sie den 15 Jahre älteren Erich Honecker kennen, der zu dieser Zeit in zweiter Ehe mit Edith Baumann verheiratet war. 1952 wurde die gemeinsame Tochter Sonja geboren. Drei Jahre später heirateten Margot und Erich Honecker.

Als die Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze in Deutschland strafrechtlich verfolgt werden sollten, flüchteten Erich und Margot Honecker im März 1991 nach Moskau. Nach erheblichen diplomatischen Verstimmungen beschloss die russische Regierung im November 1991 die Ausweisung. Margot Honecker, gegen die in Deutschland kein Haftbefehl vorlag, siedelte 1992 nach Chile über. 1993 folgte ihr Erich Honecker, der dort 1994 im Alter von 81 Jahren starb.

In ihrem Buch „Das andere Deutschland“ (2000) verteidigte Margot Honecker erneut das Erbe der DDR. Nach der deutschen Vereinigung hätten sich „Fremdenfeindlichkeit und Neofaschismus“ im Osten Deutschlands ausgebreitet. Diese seien mit dem „Dämon“ der „kapitalistischen Ordnung“ verknüpft.

Zum Tode der 89-Jährigen sagte der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sie habe als Volksbildungsministerin „zahlreichen jungen Menschen das Rückgrat gebrochen und ihr Tun „niemals kritisch reflektiert“. Der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Dieter Dombrowski, sagte, die Verstorbene sei bis zuletzt „unbelehrbar“

gewesen und habe „unter einer Sozialismus- Scheinweltglocke“ gelebt.

Das wurde aus hohen DDR-Funktionären

Erich Mielke: Der Ex-Stasichef wurde nach der Wende wegen Doppelmordes an zwei Polizisten im Jahr 1931 verurteilt. 92-jährig starb er im Jahr 2000 in einem Altersheim.

Egon Krenz: Für wenige Wochen Erich Honeckers Nachfolger, wurde er 1997 wegen der Mauertoten zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Heute lebt der 79-Jährige als Rentner im Ostseebad Dierhagen.

Alexander Schalck-Golodkowski: Nach der Wende erhielt der DDR-Devisenbeschaffer eine Bewährungsstrafe. Im Juni 2015 starb er nach langer Krankheit mit 82 Jahren am Tegernsee.

Günter Schabowski: Der SED-Funktionär verkündete am 9. November 1989 beiläufig die Öffnung der Mauer. Später bekannte er sich zu moralischer Schuld. Ende 2015 starb er mit 86 Jahren.

LN

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